„Ich habe die Zeit einfach nicht mehr“. GÖLLERSDORF / Sozialdemokrat Christian Schwankhardt legte all seine politischen Funktionen zurück: „Ich habe das Pensum unterschätzt.“

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. März 2014 (23:59)
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Christian Schwankhardt kehrt dem Gemeinderat den Rücken zu.
Von Sandra Frank

Neun Jahre lang versuchte Christian Schwankhardt als SPÖ-Gemeinderat und seit 2011 auch als Vorsitzender der Partei, „eine neue Linie in die Gemeinde zu bringen“. Es sollte um die Gemeinde und nicht um die Partei gehen. Dieses ehrgeizige Ziel verlangte dem Großstelzendorfer einiges ab. Mitte März legte er nun alle politischen Ämter zurück.

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„Ich hab‘ lang überlegt“, sagt der gebürtige Großkadolzer, dass er die Entscheidung keinesfalls leichtfertig getroffen habe. Denn die Arbeit für die Gemeinde habe ihm schon Spaß gemacht. Allerdings: „Ich habe das Pensum unterschätzt.“ Im vergangenen Jahr waren es 103 Termine, die er für die Gemeinde wahrgenommen hat.

In der Gemeinde gebe es immer mehr zu tun, auch beruflich wird Schwankhardt sich in naher Zukunft weiterentwickeln. Darum lasse es seine Zeit nicht mehr zu, sich im selben Ausmaß wie bisher für die Gemeinde zu engagieren. „Wenn man das g‘scheit machen will, dann braucht man Zeit. Die habe ich nicht und will sie mir teilweise auch nicht nehmen.“ Halbe Sachen kämen für den Bundesbahnbediensteten nicht infrage.

„Habe gern für die  Gemeinde gearbeitet“

Darum legte er im Februar auch die Funktion des Jugendleiters beim Sportverein zurück. Bereits im Sommer 2013 sprach der zweifache Vater mit seinen Parteikollegen über sein Ausscheiden. „2013 wollte ich aber noch über die Bühne bringen, da konnte ich nicht mittendrin aufhören“, spricht Schwankhardt von den Veranstaltungen und dem 2013er-Cup, den die Gemeinde im letzten Jahr organisierte.

„Ich habe gern für die Gemeinde gearbeitet, aber man muss sich entscheiden. Wenn man diese Entscheidung noch selbst treffen darf, dann ist das ein großes Glück.“ Ein Freund von Schwankhardt verstarb heuer. Dieser war ebenfalls im Sportverein aktiv und als Vizebürgermeister politisch engagiert. „Er hat nicht nachgelassen. Er hatte ein riesiges Begräbnis mit einer tollen Grabrede. Aber davon hatte er nichts mehr.“ Nach diesem Verlust stand für den Sozialdemokraten die Entscheidung endgültig fest.

„Jetzt werden sicher einige munkeln, dass ich als Eisenbahner nicht überlastet sein kann“, ahnt Schwankhardt. „Ich habe eine Abteilung mit 150 Leuten. Alles wird schneller, Entscheidungen müssen gut vorbereitet werden“, spricht er aber von immer größeren Belastungen.