Hollabrunns SPÖ: Mit Zuversicht in die Zukunft. Mit runderneuertem Team wollen die Roten beweisen, wie wichtig ihre Präsenz ist.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 25. August 2019 (04:23)
NÖN
Mit Petra Esberger hat die Hollabrunner SPÖ weibliche Verstärkung für die kommende Gemeinderatswahl. Wen werden Fraktionssprecher Alexander Eckhardt & Co. noch aus dem Hut zaubern? Überraschungen sind jedenfalls angekündigt.

„Wir sind uns intern soweit einig“, sagt Alexander Eckhardt, Fraktionssprecher der SPÖ im Hollabrunner Gemeinderat. Gemeint ist die Konstellation der roten Liste für die nahenden Gemeinderatswahlen. Zum NÖN-Termin kam er mit Petra Esberger (37). Kein Zufall. Die zweifache Mutter und Tierpflegerin wird an wählbarer Stelle kandidieren. Ziel sei ein Frauenanteil von 40 bis 50 Prozent unter den ersten 15 Kandidaten.

„Vor drei Jahren hatten wir unseren großen Umbruch, jetzt folgt der nächste Schritt.“Alexander Eckhardt, SPÖ-Fraktionssprecher

Im Herbst wird es die nächste Mitgliederversammlung geben. Eckhardt kündigt einige Neuerungen und Überraschungen an. „Vor drei Jahren hatten wir unseren großen Umbruch, jetzt folgt der nächste Schritt.“ Sozial, modern und lebenswert lauten die Schlagworte, mit denen die Sozialdemokraten als Alternative zur amtierenden Stadtregierung punkten wollen.

Wichtig sei ihnen etwa eine Reform der Kinderbetreuungskosten. „Speziell bei Kleinkindern geht ein Großteil des Gehalts für die Betreuung auf“, ist Eckhardt unzufrieden. Für den starken Zuzug brauche es außerdem ein klareres Konzept und man müsse sich auch mehr Gedanken über die wachsenden Katastralgemeinden machen. Vom „Konzept 2040“ habe man seit dessen Präsentation vor über einem Jahr übrigens nichts mehr gehört. „Es wirkt alles ein bisschen planlos.“

„Der Campus wird vor 2028 nicht fertig“

Der geplante Bildungscampus ist für Eckhardt nicht in Stein gemeißelt. Er wundert sich, dass das eigentliche Messegelände in den aktuellen Überlegungen keine wesentliche Rolle spielt. Von der einst angedachten Freiluftbühne höre er gar nichts mehr. „Es sind sehr viele Fragen offen und vor 2028 wird dort realistisch nichts fertig sein“, meint der SPÖ-Fraktionschef.

In der Innenstadt sieht auch die SPÖ die Notwendigkeit einer Aufwertung des Hauptplatzes. Ein zentrumsnahes Parkdeck könnte dazu beitragen. Tulln bleibt für Eckhardt hier ein Vorbild. „Das funktioniert dort perfekt, ist einladend gestaltet und die Wirtschaft profitiert.“ Die Hollabrunner Fußgängerzone werde jedoch nie wieder so sein, wie sie einmal war.

Petra Esberger will sich politisch unter anderem der Sauberkeit in Hollabrunn annehmen. „Ich gehe meine Morgenrunde mit dem Hund mittlerweile mit dem Müllsack – und der ist danach voll.“ Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung seien gefragt, jeder solle sich Gedanken machen. Die Wienerstraße sei überdies wenig einladend.

Die rote Meinung zum Regionenshop? „Im Rahmen eines Gesamtkonzepts kann er Sinn machen, aber es braucht keine Gemeinde dazu, sondern lokale Unternehmer. Aus heutiger Sicht ist er ein Beiwagerl und nicht nachhaltig“, sagt Eckhardt.

Motorikpark als Vorzeigeprojekt

Verkehrstechnisch sei es in der Stadt mitunter eine Katastrophe, findet Esberger. In der Gschmeidlerstraße werde viel zu schnell gefahren, Fußwege seien nicht wirklich sicher. „Ich wurde dort schon dreimal fast überfahren. Da besteht Handlungsbedarf.“

Das Lkw-Fahrverbot in der Stadt sei sicher ein guter Schritt gewesen. Zum Teil müsse man hier eine 30er-Zone überdenken, meint Eckhardt, der von Peter Tauschitz den Vorsitz im Verkehrsausschuss übernimmt und auf die Wünsche aus der Bevölkerung eingehen will. Dazu zählen etwa der Ausbau der Radwege und der Gehsteig in der Wienerstraße. „Es braucht moderne Verkehrslösungen“, wünscht sich Eckhardt einen Weinviertel-Express für den ganzen Bezirk, der bereits als Leader-Projekt am Tapet war. „Den haben wir von Anfang an unterstützt.“

Der Motorikpark sei ein Vorzeigeprojekt, das auch durch den Druck der Opposition zustande gekommen sei, dass im Wasserpark etwas passiert. Was noch fehlt, sei ein Kantinenbetrieb und eine vernünftige Vermarktung. Instandhaltung und Sauberkeit müssten dauerhaft sichergestellt sein, sieht Eckhardt hier noch Luft nach oben.

Was leistbares Wohnen in der Stadt betrifft, müssten Worten auch Taten folgen. Für junge Menschen, die am Beginn des Joblebens stehen, sei das bestehende Angebot oft zu teuer.

Bei der Wahl 2020 will die SPÖ jedenfalls an Mandaten zulegen. Großes Ziel ist es, dass die ÖVP für Mehrheiten künftig Partner braucht. „Ich glaube, das ist bei dieser Wahl möglich“, sagt Eckhardt. Man habe in mehreren Bereichen gesehen, wie wichtig die Arbeit der SPÖ ist, etwa beim Waldsportplatz, Hochwasserschutz oder bei der Transparenz rund um Liegenschaftsangelegenheiten.

Generell sei es gerade in Minderheit schwierig, Leute zu begeistern, sich politisch zu engagieren. „Umso erfreuter waren wir, dass sich einige gemeldet haben, denen es um die Zukunft von Hollabrunn geht“, betont der Fraktionssprecher.

Es sei jedenfalls wichtig, die Werte der SPÖ auf die Aufgaben der Zukunft neu zu definieren. „Dass es da Aufholbedarf gibt, haben die letzten Wahlergebnisse gezeigt.“ Der Breitenwaidinger ist aber zuversichtlich, dass sich die Roten bei der Nationalratswahl im September am letzten Ergebnis (2017: 26,9 %) orientieren können, wenngleich es in Österreich derzeit eine Mehrheit rechts der Mitte gebe.