Lausch: „Habe Globalisierung stets kritisch beäugt“. FPÖ-Parlamentarier Christian Lausch erzählt von den Sorgen der Bürger, die an ihn herangetragen werden und warum er von der EU enttäuscht ist.

Von Sandra Frank. Erstellt am 24. März 2020 (12:37)
Christian Lausch, Nationalratsabgeordneter der FPÖ, versteht, dass die Menschen Angst um ihre Existenz haben.
Simonis

„Es ist alles sehr ungewohnt“, sagt Christian Lausch. Nur sporadisch sei der FPÖ-Nationalratsabgeordnete in seinen Büros in Wien und in Hollabrunn. Die parlamentarische Arbeit werde via E-Mail und Telefon erledigt. Von der EU ist er enttäuscht. 

Der – telefonische – Kontakt mit den Bürgern sei in den vergangenen Tagen mehr geworden, diese seien vor allem von Existenzängsten geplagt. „Werde ich meinen Job behalten? Kann ich meinen Kredit stunden? Wie schaut’s mit der Miete aus? Das sind die Fragen, die die Leute gerade beschäftigen. Vor allem die Gastronomie ist sehr nervös“, schildert Lausch. 

"Die Angst geht um, ich versteh' die Leut'"

Lokale sind seit mehr als einer Woche geschlossen. Die Lebensmittellager sind gefüllt, verwendet werden können die Produkte vorerst nicht. „Die Angst geht um. Ich versteh‘ die Leut‘.“ Der Freiheitliche glaubt, dass die aktuelle Situation noch bis Mitte Mai anhalten werde. „Vielleicht mit einigen Lockerungen“, meint der 50-Jährige. Etwa für die Gastronomie. Hier wären Lockerungen gut, um noch größeren wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. 

Wie die Maßnahmen für die Gastronomie aussehen könnte? „Sie könnten aufsperren, aber mit strengeren Auflagen und zum Beispiel nur Tische mit zwei Personen bedienen, damit der entsprechende Sicherheitsabstand eingehalten werden kann“, grübelt Lausch. Jedenfalls müssten von der Regierung Bedingungen geschaffen werden, „damit aus dem aktuellen Gesundheitsdrama kein Wirtschaftsdrama“ wird.  

Lausch von Europäischer Union enttäuscht

Der Freiheitliche hofft, dass die Globalisierung und vor allem „der EU-Wahnsinn“ mit dem Ausklingen der Krise ein Ende habe. Er habe die Globalisierung stets kritisch beäugt. „Die größte Enttäuschung in diesen Tagen ist die Europäische Union. Von der hört man nichts, die duckt sich weg.“

Die Maßnahmen der österreichischen Regierung befürwortet Lausch zum Großteil, Kritik bringt er dennoch an: „Die Maßnahmen zur Kurzarbeit hat die Opposition fünf Tage vorher eingebracht, da wurden sie noch abgelehnt.“

Froh über funktionierende Infrastruktur

Erst, als 70.000 Arbeitslose vermeldet wurden, hätte die Regierung „es dann doch durchgezogen“. Lausch ist überzeugt: Die Zahl der Arbeitslosen wäre niedriger, hätte die Regierung den Anträgen der Opposition sofort zugestimmt.

Mit Johann Singer, dem Abgeordneten der ÖVP, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, habe Lausch keinen Kontakt gehabt. „Da gibt es aber andere Berufsgruppen, die weit gefährdeter sind“, will er die Situation im Hohen Haus auch nicht aufbauschen. Er selbst sei zwar vorsichtig, Angst habe er aber keine. „Es ist unsere Pflicht als Abgeordnete, jetzt das Beste für die Bürger zu tun.“

Der Hollabrunner ist froh, dass in Österreich die Infrastruktur weiterhin funktioniert. „Die Blaulichtorganisationen und die Pflege funktionieren immer noch gut.“ Dank und Lob gelte auch den Lehrern, aber vor allem den Mitarbeitern im Handel: „Würde das nicht laufen, dann wäre die Panik noch größer“, spricht Lausch die Versorgung mit Lebensmitteln an.