Älteste Darstellung Europas in Retz entdeckt. Im Museum Retz ist ein "Fund von europäischer Bedeutung" gemacht worden. Entdeckt wurde demnach die älteste Darstellung des Kontinents in Form einer Königin. Am Donnerstag wurde die wissenschaftliche Sensation präsentiert.

Von Sandra Donnerbauer und APA Red. Update am 28. März 2019 (12:51)

Im Beisein zahlreicher österreichischer und europäischer Vertreter enthüllte Helene Schrolmberger, Sammlungsverantwortliche des Museums Retz, das Werk erstmals der Öffentlichkeit. Die Bedeutung der Karte, die sich schon seit 180 Jahren im Depot des Museums befand, wurde zufällig entdeckt.

APA/Museum Retz
Im Museum Retz ist nach Angaben vom Donnerstag (28. März 2019) ein "Fund von europäischer Bedeutung" gemacht worden. Entdeckt wurde demnach die älteste Darstellung des Kontinents in Form einer Königin.

Bei Arbeiten im Rahmen des vom Land Niederösterreich geförderten Forschungs-, Technologie- und Innovationsprogramms (FTI) "MuseumsMenschen" hat die Archäologin und Kulturwissenschafterin Celine Wawruschka von der Donau-Universität Krems den frühneuzeitlichen Holzschnitt neu bewertet. Ihrer Analyse zufolge handelt sich um "die älteste bekannte Darstellung des europäischen Kontinents in Form einer Königin", angefertigt von dem Tiroler Humanisten Johannes Putsch (1516-1542).

„Wir fühlen uns als kleines Museum jetzt so, als hätten wir die Mona Lisa bei uns entdeckt“, kann Schrolmberger den Fund gar nicht fassen. Durch den hohen Wert des Stückes, der sich noch nicht beziffern lässt, ist man nun allerdings vor neue Herausforderungen gestellt. „Vorerst wird die Karte wieder sicher im Depot verstaut“, informiert Schrolmberger. Bevor sie dann ab 18. Mai öffentlich ausgestellt wird, müsse man sich um ein entsprechendes Sicherheitssystem bemühen und hofft hier noch auf Sponsoren. Denn ein derartig wertvolles Stück hatte man bisher noch nie in Retz ausgestellt.

Derartige Allegorien von Erdteilen seien in der frühen Neuzeit sehr beliebt gewesen, teilte das Museum Retz mit. Allgemein gelte die Karte von Johannes Putsch als Vorbild aller kartografischen Erdteilallegorien im 16. Jahrhundert. "Spanien stellt den Kopf der Königin dar, Italien den Arm, Sizilien den Reichsapfel, Österreich und Böhmen liegen in der Körpermitte."

Die Retzer Karte weist dem Museum zufolge zwei Besonderheiten auf: Mit dem Herstellungsdatum von 1534 sei sie einerseits die älteste bekannte dieser Form. Eine weitere Karte von Putsch befinde sich im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, sei etwas jünger (1537) und im Gegensatz zum Retzer Exemplar nicht koloriert. Die zweite Besonderheit stellt ein Gedicht humanistischer Tradition dar, das sich unter dem Kartenrand befindet und "den Kaisern Karl V. (1500-1558) und Ferdinand I. (1503-1564) gewidmet ist". "Königin Europa" beklagt sich in dem Text über die kriegerischen Zustände auf dem Kontinent und ermahnt die beiden Herrscher des Habsburgerreiches, sie vor der Gefahr der einfallenden Türken zu retten.

Eine Widmung zeigt, dass der Bibliothekar und Archivar des Retzer Dominikanerklosters, Ignaz Lamatsch (1797-1863), die Karte mit der Darstellung der "Königin Europa" zusammen mit anderen Gegenständen im Jahre 1838 dem kurz zuvor gegründeten Stadtmuseum Retz geschenkt hat. Für das Team des Hauses in der Weinviertler Stadt ist die Darstellung "fortan das bedeutendste Objekt seiner kulturhistorischen Sammlung". Angekündigt wurden am Donnerstag auch weitere materialanalytische Untersuchungen, um in einer anschließenden wissenschaftlichen Veröffentlichung alle mit derzeitigen Mitteln möglichen Aussagen zur Retzer „Königin Europa“ preisgeben zu können.

Die Europakarte wird ab dem Wochenende des Museumsfrühlings (18./19. Mai) bis zum Saisonende am 26. Oktober im Museum Retz ausgestellt. Ab 2020 soll das Kunstwerk an ausgewählte Museen in Europa verliehen werden.