In Pulkau entsteht eine Oase für Kunst. Künstler Jürgen Engelmayr kaufte im Herbst des Vorjahres den ehemaligen Pulkauer Bahnhof und haucht dem geschichtsträchtigen Gebäude nun kunstvoll neues Leben ein.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. Februar 2021 (13:25)

„Es ist eine geniale G’schicht, dass Jürgen den alten Bahnhof mit Kunst wiederbelebt“, sagt Niederösterreichs Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann, während er in Jürgen Engelmayrs neuem Esszimmer sitzt und mit dem Künstler ein Glas Sekt trinkt.

Engelmayr lebte eine Zeit in Roseldorf, er installierte dort den Skulpturenpark. Jetzt ist das ehemalige Bahnhofsgebäude von Pulkau sein Zuhause. Er lebt im Obergeschoss, unten ist sein Atelier. Nun will er auf dem 12.000 Quadratmeter großen Areal eine Kulturoase schaffen. „Die alte Verladerampe gibt es noch, die wird zur Bühne werden“, hat der Künstler bereits Ideen.

Umbau: "Zwölf Wochen Hölle und zurück"

Engelmayr ist Autodidakt und hat vor etwa 30 Jahren begonnen, Kunst zu machen. Der alte Bahnhof soll Galeriecharakter bekommen und Kunst- und Kulturinteressierte anziehen. Von außen ist allerdings noch nicht zu erahnen, dass sich große Kunst und Gemütlichkeit im Inneren verbergen. 

„Für die Fassade hab’ ich schon ein paar Ideen, aber ich weiß noch nicht, wann ich sie mache“, sagt der Künstler und denkt dabei an die „zwölf Wochen Hölle und zurück“ im vergangenen Herbst. So bezeichnet Engelmayr jene Zeitspanne, die es gedauert hat, den seit 30 Jahren leer stehenden Bahnhof wieder wohnlich zu machen. „Es gab kein fließendes Wasser“, erzählt er, dass er einen Brunnen vor dem Haus graben ließ. Auch für die Strominstallationen holte er sich einen Fachmann.

Türen aus Plexiglas? "A afoche G'schicht!"

Und der Rest? „Das hab’ ich alles selbst gemacht.“ So hat er etwa die Böden abgeschliffen, die Sesselleisten sind im Engelmayr-Stil verziert. Die Türen im Inneren spiegeln den Künstler ebenfalls wider, auch die hat er selbst angefertigt. „Das war a afoche G’schicht.“ Er arbeitet mit Plexiglas, darum waren die Plexiglasscheiben „ratzfatz“ mit Scharnieren versehen und eingehängt. Außerdem hat er 17 neue Fenster eingebaut. „Es hat gezogen wie in einem Vogelhäusl. Aber jetzt bin ich dicht“, schmunzelt der Autodidakt, dem anzuhören ist, dass er sich sofort in das Gebäude, das bereits seit über 150 Jahren steht, verliebt hat. „Die Substanz ist super, so etwas gibt’s heute nicht mehr“, ist er begeistert und überzeugt: „Das Haus lebt noch einmal 100 Jahre.“

Im gesamten Wohnbereich hängen die Bilder des Künstlers. Draußen sollen Skulpturen stehen. „Das dauert noch, ich muss erst welche machen.“ Hier hofft der Künstler auf Zusammenarbeit mit Berufskollegen. Denn die Kunstoase, die er erschaffen möchte, will er nicht allein bespielen.

Gemeinsames Projekt mit dem NÖ Weinbaupräsidenten 

Die Vision seines Freundes begeistert den Roseldorfer Winzer: „Wir brauchen die Kunst, um unser Denken vielfältig gestalten zu können; um die Menschen zu Offenheit und Freiheit zu motivieren.“ Darum finden sich nicht nur in Zöchmanns Kostraum Bilder des Künstlers: „Wir haben ein gemeinsames Projekt“, sagt der Roseldorfer und zückt eine Sektflasche. „Das, was drinnen ist, kommt von mir“, schmunzelt der Weinbaupräsident. Das Etikett dazu stammt von Engelmayr und hängt im Großformat im Roseldorfer Weingut.

Gute Gespräche über Kunst und das Leben, solche will Engelmayr mit Interessierten – sobald es die Corona-Situation zulässt – in seiner Oase führen. Sein größter Wunsch: „Dass ich für mich selbst arbeiten darf und der Bahnhof sich selbst erhält.“