Pfarrer Marius: „Heimat ist dort, wo meine Koffer sind“. Pfarrer Marius Zediu über seine Kindheit in Rumänien und die Zukunft seiner alten Heimat und der Kirche in Österreich.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 27. Mai 2018 (06:02)
Sylvia Stark
Pfarrmoderator Marius Zediu mit seiner Jagdhündin Alma beim Chillen. Doch die Pflicht ruft und Marius Zediu bricht zur Abendmesse nach Großwetzdorf auf.

Pfarrer Marius Zediu kam 1995 als frischgebackener Maturant von Rumänien nach Österreich. Er absolvierte ein Praktikum im Zuge des Straßenkinderprojektes von Jesuitenpater Georg Sporschill. Pulkau war seine erste Anlaufstation: Er half österreichischen Jugendlichen, sich für ein Austauschjahr in Rumänien vorzubereiten. Vom Weinviertel ging es für den Jugendlichen nach Wien, wo er 1997 in das Priesterseminar eintrat. Seit 2009 ist Zediu Pfarrer von Großweikersdorf.

Seit Mai 2018 ist er Pfarrmoderator des neuen Pfarrverbandes „Mittleres Schmidatal“ mit den Pfarren Großweikersdorf, Großwetzdorf, Niederrußbach, Stranzendorf, Oberthern und Ruppersthal. Der Geistliche ist im Nordosten von Rumänien in der Großstadt Bacău aufgewachsen. Schon mit 14 Jahren war ihm klar, dass er den Beruf des Priesters ergreifen wird. „Meine Eltern waren nicht übermäßig gläubig, jedoch haben mich Priesterpersönlichkeiten schon immer fasziniert“, begründet Zediu seine Berufswahl.

Als Kind sehr mit der Natur verbunden

Die erste Orange hat Marius Zediu mit 13 Jahren gesehen. Obwohl er in einem Plattenbau in der Großstadt lebte, war er als Kind immer in der Natur unterwegs. „Ich hatte eine schöne Kindheit, die ich jedem österreichischen Kind wünschen würde. Bei den ‚Pionieren‘ spezialisierte ich mich auf Staffellauf und Flugzeugbau“, schwelgt der Theologe in Kindheitserinnerungen. Die Pioniere kann man mit den Pfadfindern in Österreich vergleichen.

Die Schule, in die der Pfarrer ging, unterrichtete in drei Tagesschichten pro Schülerjahrgang. In jeder Klasse saßen 40 Kinder. „Heute stehen die Schulen leer, weil es keine Kinder mehr gibt. Die Mittelschicht arbeitet im Ausland“, stellt der Priester fest. Der Mindestlohn in Rumänien liegt derzeit bei 410 Euro, trotzdem sind die Lebensmittel teurer als in Österreich. „Seit einigen Jahren erlebt Rumänien jedoch einen rasanten Wirtschaftsaufschwung. Die Firmen suchen dringend Fachkräfte, aber leider finden sie keine.“

„Geistlichkeit muss sich von Volkskirche verabschieden“

Auf die Frage, wie er mit der sinkenden Zahl an Kirchenbesuchern umgeht, antwortet der Pfarrer: „Leider können wir den Trend nicht mehr umkehren. Die Geistlichkeit muss sich von der Volkskirche verabschieden.“ Wehmütig fährt er fort: „Manchmal, wenn kein Ministrant in der Messe ist, bin ich mit meinen 41 Jahren der Jüngste.“

Der Zusammenlegung der Pfarren kann der Priester einiges Positives abgewinnen. „Dadurch, dass die Pfarreinheiten größer werden, wird es mehr Lebendigkeit und Stärke geben. In Zukunft, in etwa 15 Jahren, wird es nur mehr eine Pfarre mit einem Zentralort geben.“

Zum Abschluss will die NÖN-Mitarbeiterin noch wissen, wo für ihn Heimat ist: „Heimat ist dort, wo meine Koffer stehen“, sagt er. „Ich fühle mich sehr wohl in Österreich, aber unlängst passierte es mir, dass mich jemand, einfach so, mit ‚depperter Rumäne‘ beschimpft hat“, erzählt er verwundert.