Sophie: „Amerikaner gehen im Pyjamaleiberl zur Schule“. Für Sophie Stemberger aus Göllersdorf ging’s über den großen Teich. In Washington State fand sie eine neue Familie und Freunde fürs Leben.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 08. August 2018 (03:43)
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Mit ihrer Gastfamilie ging’s für Sophie Stemberger (Mitte) am Muttertag zum Brunch an den Hafen von Olympia.

Vor einem Jahr zog Sophie Stemberger aus Göllersdorf für ein Jahr in die USA, jetzt ist sie wieder zuhause und wurde von Familie und Freunden freudig empfangen. Die 17-Jährige sprach mit der NÖN über die Reise. Sie erzählt von den nötigen Schritten vor der Reise, dem Schulalltag und dem Unterschied zwischen Erwartungen und Realität.

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Willkommen zuhause: In Göllersdorf wurde Sophie Stemberger nach einem Jahr von Familie und Freunden gebührend empfangen.

NÖN: Wie bist du dazu gekommen, ein Jahr in den USA zu verbringen?

Sophie Stemberger: Eine Bekannte ist nach Australien gegangen und hat mir von der Organisation „Rotary“ erzählt. Durch den Rotary-Club in Hollabrunn bin ich nach Washington gekommen. Ich wollte auch meine Englischkenntnisse verbessern und mehr über die nordamerikanische Kultur lernen.

Wie ging‘s dann weiter?

Nachdem ich ins Programm aufgenommen wurde, gab es ein Austauschschülertreffen. Dort habe ich herausgefunden, dass ich nach Washington State komme. Danach hat mir meine Gastfamilie eine E-Mail geschrieben und wir haben erste Kontakte geknüpft. Im Juni 2017 fand ein letztes Meeting mit den anderen Gastschülern statt, wo wir die wichtigsten Informationen über unser Gastland bekommen haben. Am 17. August begann dann endlich meine Reise.

„Die meisten Freunde habe ich durch’s Schauspielen kennengelernt“

War es schwer, dich in Amerika einzuleben?

Für mich war es einfacher mich einzuleben, weil ich nur zwei Gastfamilien hatte. Andere Austauschschüler hatten bis zu vier Familien.

Wie waren deine Gastfamilien?

Komplett unterschiedlich. Eine lebte im Wald und die andere in der Stadt, aber ich habe mich relativ schnell umstellen können.

Hast du schnell Freunde gefunden?

Zu Beginn war es schwierig. Doch als die Schule angefangen hat, habe ich schnell Freunde gefunden. Auch die Tatsache, dass an meiner Schule sechs andere Austauschschüler waren, hat mir sehr geholfen, weil ich von Anfang an Ansprechpartner hatte. Die meisten Freunde habe ich durch’s Schauspielen kennengelernt. Auch die Lehrer haben mich sehr unterstützt und am Ende des Jahres geweint, als ich gehen musste.

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Schulalltag in den USA und dem in Hollabrunn?

In Amerika hatte ich nur sechs Fächer, die sich jeden Tag wiederholt haben, in Österreich hingegen hatte ich in der sechsten Klasse dreimal so viele Unterrichtsgegenstände. Nach der Schule gab es viele außerschulische Aktivitäten wie Sport oder Theater, an denen ich mich aktiv beteiligt habe. Im Herbst habe ich erfolgreich Fußball gespielt (lacht) und in drei Theaterstücken mitgespielt. Alle paar Wochen fanden Versammlungen statt, bei denen Auftritte der Cheerleader, der Band und der Tanzgruppe waren und eine Rede vom Schulpräsidenten gehalten wurde. Jedes Mal wurde die Nationalhymne gesungen. Außerdem mussten wir jeden Tag vor dem Unterricht die „Pledge of Allegiance“ aufsagen. Das ist die Lobrede für die amerikanische Flagge. Oh, und das Kantinenessen ist ziemlich ungenießbar, daher habe ich mir jeden Tag mein Essen von zuhause selbst mitgebracht (lacht).

„Alltägliche Dinge wie Brot oder Kaffee haben einfach nur nach Zucker geschmeckt“

Wenn wir schon vom Essen reden. Was hast du vom Essen in den USA gehalten?

Bevor ich die Reise angetreten habe, war ich Vegetarierin, doch da ich etwas Neues ausprobieren wollte, habe ich meine Ernährung umgestellt. Weil Olympia, meine dortige Heimatstadt, am Meer liegt, gab es sehr gute Fischgerichte, die ich das ganze Jahr über genießen durfte. Ein weiteres neues kulinarisches Erlebnis waren mexikanische Gerichte wie Tacos, Quesadillas oder Enchiladas. Leider haben mich auch manche Gerichte enttäuscht. Alltägliche Dinge wie Brot oder Kaffee haben einfach nur nach Zucker geschmeckt und Klassiker wie Corndogs und Schokolade haben mich geschmacklich sehr enttäuscht. Obwohl Süßigkeiten extrem ungesund sind, konnte ich von Reese’s Cups und S’mores nicht genug kriegen. (lacht)

War dein Leben in der High School wie in den Filmklassikern?

Auch wenn es einige Ähnlichkeiten zu Filmen wie „High School Musical“ gab, kann man die Realität damit nicht vergleichen. Es gab die typische Gruppenbildung mit Gruppen wie den Sportlern, den Theaterspielern und den Nerds, aber es war nicht so extrem wie in den Filmen und die Gruppen haben sich auch hin und wieder vermischt.

Gab’s etwas, das du so nicht erwartet hättest?

Es hat mich sehr überrascht, dass sich die meisten Amerikaner für die Schule nicht schick machen, sondern in Jogginghose und Pyjamaleiberl zur Schule gegangen sind. Besonders war auch die Spirit Week, bei der sich die ganze Schule eine Woche vor Prom – dem Abschlussball – jeden Tag zu einem anderen Thema verkleiden musste. Wir hatten zwei Bälle, diese waren Homecoming im Herbst und Prom im Sommer. Beide werden für sehr wichtig empfunden und man wird mit Promposals, also kreativen Ansätzen wie Schildern oder Ähnlichem, zum Tanz gefragt und geht davor zusammen essen. Ich bin mit meinen besten Freunden zum Prom gegangen und wir haben eine Limousine bestellt und haben die typischen Corsagen von unseren Dates bekommen. Da eine meiner Freundinnen am College war, durfte ich zwei Proms miterleben, wobei einer der beiden im Rathaus von Olympia war.

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Der Klassiker: Zum Prom, dem Abschlussball, fuhr Sophie Stemberger (4.v.l.) – wie es sich in Amerika gehört – mit ihren besten Freunden in einer Limousine.

Hast du außer Washington State noch andere Orte besucht?

Rotary hat für die Austauschschüler in meinem Bezirk einige Reisen organisiert. Wir sind beispielsweise für fünf Tage nach Kalifornien geflogen und hatten Pässe für Disneyland und Hollywood. Ein anderes Reiseziel war Kanada, wo wir zwei Mal hingefahren sind und im Winter Ski fahren und im Sommer Campen waren. Mit meiner Gastfamilie bin ich nach Oregon gefahren und war dort am Strand und habe das berühmte Kite-Festival miterlebt. Da meine Gastfamilie sich gedacht hatte, dass ich Heimweh habe, waren sie mit mir in der „deutschen“ Stadt Leavenworth, die sehr touristisch geführt wird. Es war sehr süß, sie haben’s versucht. (lacht) In Seattle habe ich leider nicht Derek Shepherd gefunden, dafür aber das Krankenhaus aus der Serie „Grey’s Anatomy“ bewundern können. Weitere Sehenswürdigkeiten waren die „Space Needle“, „Pike Place Market“ und das „Paramount Theater“, in dem ich dank meines Rotary Clubs die Chance hatte, drei Broadway Shows zu sehen.

Wie hast du dich gefühlt, als du Amerika wieder verlassen musstest?

Alleine der Gedanke war sehr schwer, da ich meine Freunde und Familie verlassen musste, um zurück zu meinen Freunden und meiner Familie zu Hause zu kommen. Am Flughafen sind meine besten Freunde und meine Gastfamilie noch einmal zusammengekommen und wir haben geweint. Der Abschied dauerte sehr lange und ich werde sie für immer in Erinnerung behalten. Ich bin froh, dass ich etwas habe, das den Abschied so schwierig macht.

Wie war das Nachhausekommen?

Nach zehn Stunden im Flugzeug bin ich in Wien angekommen und wurde mit einem Schild und angefertigten T-Shirts begrüßt. Ich war sehr müde und habe deswegen von den anderen Plänen nichts mitbekommen, weshalb ich dann zuhause sehr überrascht wurde. Meine Familie und meine besten Freunde waren alle da und haben für mich Präsentationen, österreichisches Essen und Gesangseinlagen vorbereitet. Ich bin froh wieder zuhause zu sein, werde Washington aber immer vermissen.