Neue Aufgabe für Karin Frühwirt: „Totale Umstellung“. Karin Frühwirt war 16 Jahre das Gesicht der Göllersdorfer Justizanstalt. Seit Februar leitet sie die Strafvollzugsakademie in Wien. „Es ist schön, anders denken zu können.“

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. Oktober 2020 (04:42)
Karin Frühwirt hat 16 Jahre die Justizanstalt Göllersdorf geleitet. SeitFebruar dieses Jahres ist sie die Chefin der Strafvollzugsakademie in Wien. Auch dort genießt sie den Vorteil, mit Walter Kriebaum einen Justizbeamten als Stellvertreter an ihrer Seite zu haben.
Sandra Frank

Mit Anfang Februar 2020 hat Karin Frühwirt die Justizanstalt Göllersdorf verlassen. 16 Jahre leitete sie die Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Nun besuchte die NÖN sie an ihrem neuen Arbeitsplatz: Die Hofrätin leitet die Strafvollzugsakademie in Wien, wo die Justizbeamte des ganzen Landes ausgebildet werden.

„Ich bereue nicht, dass ich aus Göllersdorf weggegangen bin, aber ich vermisse es“, sagt Frühwirt. In Göllersdorf habe sie ein tolles Team zurückgelassen, aber auch in Wien habe sie ein solches vorgefunden. „Das ist ein Geschenk. Ich bin in ein super Nest gekommen“, sagt sie.

Die größte Umstellung für Frühwirt? „Ich habe jetzt nur noch 20 Mitarbeiter, vorher waren es 140.“ Die Leitung der Strafvollzugsakademie sei generell „eine völlig andere Tätigkeit, vor allem inhaltlich“. Doch es sei „schön, anders denken zu können“.

Der Psychologin komme in ihrem neuen Job auf jeden Fall zugute, dass sie die Tätigkeiten und die Sorgen einer Justizanstalt gut kenne. „Es ist sehr wertvoll, die andere Seite zu kennen, auch, um Kompetenzen vermitteln zu können.“ Wichtig bei der Ausbildung der Justizbeamten sei eine integrative und moralische Grundhaltung.

In der Wiener Wickenburggasse werden Justizbeamte sowie verschiedene Berufsgruppen innerhalb der Justiz ausgebildet. Es gibt unzählige Seminare zur Fortbildung. Die Professionalisierung sei sehr wichtig, da sie zur beruflichen Identität der Beamten beitrage. „Wir bilden unsere Seminarleiter und Lehrbeauftragten selbst aus“, sagt Frühwirth, dass die Akademie so immer am Puls der Zeit sei. Die Fortbildungen würden alle Anforderungen des Strafvollzugs bedienen. „Diese sind sehr anspruchsvoll und vielfältig.“

An der Strafvollzugsakademie gibt es außerdem Seminare für Einsteiger. „Die muss jeder besuchen, der in einer Anstalt arbeitet; vom Sozialarbeiter bis zum Seelsorger“, erklärt Frühwirt. „Die Leute müssen ja wissen, was auf sie zukommt“, ergänzt ihr Stellvertreter Walter Kriebaum.

Im Jahr 2018 gab es 266 Fortbildungskurse, im Vorjahr waren es 274. Bis zum Juli 2020 waren es 134, „covidbedingt“, wie die Akademie-Leiterin betont. Die Grundausbildung der Beamten sei natürlich – unter Einhaltung der Maßnahmen – weitergelaufen.

Bereits in Göllersdorf hat Frühwirt ein duales Führungsteam bevorzugt. Da sie selbst Psychologin ist, sollte ihr Stellvertreter ein Justizbeamter sein. „Ich habe das Glück, dass es hier auch so ist“, spricht die Wienerin die Zusammenarbeit mit ihrem Stellvertreter an. Differenzen gebe es zwischen den beiden nicht. Durch die unterschiedlichen Berufe habe aber jeder einen anderen Zugang.

„Sie ist straight und gibt klare Anweisungen“

„Das ist aber gut, unsere Ansichten ergänzen sich“, spricht der Oberst von einem ständigen Austausch zwischen ihm und „der Chefin“. Man merkt, dass die beiden nach wenigen Monaten bereits ein eingespieltes Team sind. „Sie ist sehr straight und gibt klare Anweisungen“, erzählt Kriebaum, was er an seiner neuen Chefin schätzt.

„Umkrempeln“ will Frühwirt die Strafvollzugsakademie nicht. Wichtig sei ihr, dass die Ausbildungsstätte „covidfrei“ bleibt. Dann soll es eine Leiterklausur geben, in der erörtert wird, was verändert und verbessert werden kann.