Jeder fünfte Arbeitslose über ein Jahr ohne Job. 1.981 Arbeitslose waren im Jänner beim Arbeitsmarktservice Hollabrunn erfasst (+14,4 % gegenüber dem Vorjahr). Damit habe die Arbeitslosigkeit im Bezirk ihren saisonalen Höhepunkt erreicht, berichtet AMS-Geschäftsstellenleiter Josef Mukstadt. Die 2.000er-Grenze wurde also nicht überschritten. Das war zuletzt im Jänner 2016 der Fall.

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 05. Februar 2021 (17:45)
Für Josef Mukstadt und sein Team beim AMS Hollabrunn sind die Zeiten nicht nur wegen der Corona-Schutzmaßnahmen herausfordernd.
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„Entscheidend für diesen kleinen Lichtblick sind die seit Oktober rund 1.300 zur Kurzarbeit angemeldeten Beschäftigten, deren Dienstverhältnisse dadurch während des Lockdowns gesichert werden konnten“, erläutert Mukstadt. Aber: Hatten 2016 noch fast 600 Jobsuchende eine Wiedereinstellungszusage, gibt es aktuell nur 400 saisonale Freistellungen. Und auch andere Arbeitsmarkt-Parameter haben sich im Zuge der Gesundheits- und Wirtschaftskrise massiv verschlechtert: Die größte Sorge gilt dem enormen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit.

"Größte Herausforderung seit Jahrzehnten"

Ein Drittel aller Arbeitslosen ist mehr als sechs Monate auf Jobsuche, jeder fünfte Arbeitslose bereits länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. „Die während der Pandemie eingetretene Verfestigung der Arbeitslosigkeit ist die größte arbeitsmarktpolitische Herausforderung seit Jahrzehnten“, blickt Mukstadt mit seinem Team herausfordernden Zeiten entgegen.

Fast jede zweite arbeitsuchende Frau hat keinen Berufsabschluss, bei Männern liegt die Quote bei 38 Prozent. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind Frauen mit einer Zunahme von 24,9 Prozent wesentlich stärker vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen als Männer (+ 8,0 %). Gleichzeitig ist die jüngere Erwerbsgeneration deutlich weniger von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen als die Altersgruppe 50+. Um fast ein Drittel ist die Arbeitslosigkeit von ausländischen Arbeitskräften gestiegen.

Angespannte Lage auch am Lehrstellenmarkt 

Knapp 200 freie Stellen sind derzeit im Bezirk Hollabrunn vakant. Erwartet werden meist fachliche Qualifikation, Einsatzbereitschaft, Flexibilität und Mobilität. Ein größerer Personalbedarf besteht in Gesundheits- und Pflegeberufen sowie bei der Erzeugung und im Handel mit Lebensmitteln. „Vereinzelt gibt es auch Personalanforderungen aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe“, berichtet der AMS-Chef. Krisenbedingt angespannt sei die Situation außerdem am Lehrstellenmarkt, wo 22 freien Ausbildungsplätzen fast doppelt so viele Lehrstellensuchende gegenüberstehen.