Drei Jahre im tschechischen Gefängnis: „Katastrophe“. Mit der NÖN sprach Christian Gröller über drei Jahre Haft in einem tschechischen Gefängnis.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 12. November 2020 (04:19)
Nahm im tschechischen Gefängnis jede Arbeit an, um früher entlassen zu werden: Der Jetzelsdorfer Christian Gröller saß wegen Steuerhinterziehung bei Diesel-Transporten drei – von fünfeinhalb –Jahre hinter Gittern.
Enzmann

„Ich habe geglaubt, ich schau’ dem Teufel höchstpersönlich in die Augen“, erzählt Christian Gröller über seine Zeit im Gefängnis im tschechischen Pribram. Er wurde wegen Steuerhinterziehung bei Diesel-Transporten zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, nach drei Jahren kam er „wegen guter Führung“ frei.

Zunächst kam der Jetzelsdorfer Unternehmer in Ostrava (Tschechien) in U-Haft: „Da ist man mit einem oder zwei anderen Häftlingen in einer Zelle – da passiert den ganzen Tag gar nichts“, schildert er. In dieser Zeit habe er mithilfe eines Tschechisch-Wörterbuchs die Sprache selbst beigebracht, da niemand Deutsch gesprochen hat.

Die Tage in der U-Haft vergingen sehr langsam: „Du liegst nur herum und schaust in die Luft“, sagt Gröller. Seiner Freundin habe er viele Briefe geschrieben; er war mit ihr eineinhalb Jahre zusammen, bevor er in Untersuchungshaft kam. Zweimal in der Woche durfte er für fünf Minuten mit Familie oder Freunden telefonieren, „sonst war ich von der Außenwelt komplett abgeschnitten“.

„In den drei Jahren Gefängnis hat mich dort kein einziger Mensch gefragt, wie es mir geht.“ Christian Gröller über seine Zeit in Haft

Nach 25 Monaten U-Haft kam Christian Gröller nach Pribram ins Gefängnis. Dort war der Alltag strukturierter: Um 5.45 Uhr läutete der Wecker, gleich danach ging es zur Zählung, es folgten Frühstück, Arbeit und Abendessen um 17.30 Uhr. Um schneller entlassen zu werden, sammelte Gröller sogenannte „Gutpunkte“.

Er hat als Gärtner gearbeitet, Betonierungsarbeiten verrichtet, den Speisesaal freiwillig gereinigt, einen Tschechischkurs besucht, die Fernsehkammer geputzt und Referate geschrieben. „Ich habe so viele Gutpunkte, wie nur möglich war, gesammelt“, sagt der Ex-Häftling. Sein Zimmer habe er sich mit fünf anderen Insassen geteilt, in seinem Trakt waren insgesamt 60 Inhaftierte. „Die Leute dort sind eine Katastrophe“, erzählt er, „dort fängt man gar nicht an, Freundschaften zu schließen. Das sind nicht Leute wie ich; ich wollte mit denen gar nichts zu tun haben“, spricht er von Schwerverbrechern. „Ich hab’ keine Gerechtigkeit gesehen“, sieht er nicht ein, dass er wegen seiner Tat mit solchen Menschen inhaftiert war. Und: „In den drei Jahren Gefängnis hat mich dort kein einziger Mensch gefragt, wie es mir geht.“

Ende Oktober kam die ersehnte Entlassung

Das Essen sei ein Witz gewesen, „die Menschen dort haben Hunger. Für 60 Leute gab es einen Wasserkocher; ich habe echt geglaubt, ich bin in Russland.“ Kraft hätten ihm in dieser Zeit seine Eltern und seine Freundin gegeben, mit denen er für 20 Minuten am Tag telefonieren durfte.

Seit Ende Oktober ist Christian Gröller aus dem Gefängnis entlassen. „Ich hab’s gar nicht geglaubt, aber der Staatsanwalt hat gesagt, dass mit mir alles passt.“ Seine Freundin hat ihn von dort abgeholt: „Zuerst einmal habe ich ihr einen riesengroßen Kuss gegeben“, erzählt er, und deutet, dass ihm das Herz in die Hose gerutscht ist.

Jetzt wohnt Gröller wieder bei seinen Eltern, seine Freundin in Tschechien kann er aufgrund der derzeitigen Grenzschließung nicht sehen. „Jetzt bin ich daheim, die Tür ist offen, aber ich bin eingesperrt. Das tut echt weh“, beklagt er. Bis Weihnachten möchte er seinen Führerschein nachgemacht haben, um wieder in seiner Transportfirma arbeiten zu können. „Ich möchte, dass mit meiner Freundin wieder alles passt und ich wieder als Fahrer arbeiten kann“, erzählt er von seinen Zukunftsplänen.