Jetzt protestieren auch die Südmährer. THAYATAL | Tschechische Bürgermeister richten eine Stellungnahme ans Land NÖ. Gute Zusammenarbeit stehe am Spiel.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 11. Februar 2014 (08:24)
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Mehr als zehn Monate ist es her, dass Robert Nusser von den Österreichischen Bundesforsten das Windpark-Nord-Projekt in Pleißing vorstellte. Weil es bei der Zonierung des Landes nicht durchfiel, gibt es nun Widerstand.
Von Christoph Reiterer

Während Hardeggs Bürgermeister Heribert Donnerbauer um Sachlichkeit ringt und dem Windpark Nord zumindest eine Chance geben will, wird gegen das Projekt der Österreichischen Bundesforste ein Protest nach dem anderen geritten.

Jetzt lehnen sich auch Bürgermeister aus dem benachbarten Tschechien (und selbst aus der Schweiz kam per Leserbrief an die NÖN eine Reaktion – siehe unten) gegen die Windräder auf, die in den Gemeinden Hardegg, Langau und Weitersfeld - großteils auf Waldgebiet und nahe dem Nationalpark Thayatal-Podyjí - errichtet werden sollen.

„Tausende schriftliche Stellungnahmen von betroffenen Bürgern beiderseits der Staatsgrenze lassen bei Realisierung dieses rücksichtslosen Vorhabens zukünftig kaum mehr ein gedeihliches und freundschaftliches Zusammenwirken erwarten“, stellt Helmut Salek von der Bürgerinitiative Thayatal (ARGE für Naturschutz und Bürgerinformation) fest und lehnt sich gegen „die Zerstörung der historisch gewachsenen Kulturlandschaft“ auf.

„Wir sind überzeugt, dass intakte Ökologie, erneuerbare Energie und regionale Wertschöpfung vereinbar sind“ Pia Buchner, ÖBf


Die Vermeidung jeglicher Eingriffe, die sich nachteilig auf den Artenreichtum auswirken, seien Voraussetzung für den Erhalt dieses national und international bedeutenden Naturjuwels, das die Nationalparks Thayatal und Podyjí darstellen. Nicht nur Salek lehnt die Errichtung von Windkraftanlagen in diesem Gebiet „auf das Schärfste“ ab.

Erst letzte Woche wurde ein offener Brief an Landeshauptmann Erwin Pröll gerichtet. Jetzt melden sich auch Vertreter von 21 Gemeinden in Südwest-Mähren zu Wort und richten eine Stellungnahme an die NÖ Landesregierung.

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„Wir glauben, dass seitens der österreichischen Behörden der Wille besteht, sämtliche Argumente noch einmal gewissenhaft zu prüfen und den geplanten Bau des Windparks Nord abzulehnen“, so Lubomir Vedra, Bürgermeister der Gemeinde Frain an der Thaya (tschechisch: Vranov) und Vorsitzender der Mikroregion Vranovská.

Man sei der Meinung, dass es ein nicht wieder gutzumachender Fehler wäre, „aufgrund lokaler wirtschaftlicher Interessen und kurzfristiger konjunktureller Trends die vielversprechende Zusammenarbeit der österreichischen und mährischen Gemeinden im Tourismus irreversibel zu schädigen“. Es sei unvorstellbar, dass auf diese Art und Weise die von Generationen geerbte Region zerstört werden könnte.

Windpark liegt abseits des Nationalparks

Die Österreichischen Bundesforste wollen trotz aller Kritik am Projekt festhalten. „Wir sind überzeugt, dass intakte Ökologie, erneuerbare Energie und regionale Wertschöpfung vereinbar sind“, erklärt ÖBf-Sprecherin Pia Buchner.

Gerade den Bundesforsten sei die Wahrung von Naturschutzgütern und intakter Ökosysteme ein großes Anliegen. Der Windpark stehe für eine ökologisch sanfte Form der Energiegewinnung. „Das wird in der öffentlichen Diskussion vielfach übersehen!“, betont Buchner.

Der geplante Windpark liege in einem gut erschlossenen Wirtschaftswald abseits des Nationalparks. Ökologisch sensible Standorte würden von vornherein ausgeschlossen. Das Projekt werde, in dieser Form erstmalig, vom Waldbauinstitut der Universität für Bodenkultur wissenschaftlich begleitet.

Bundesforste bereit für Umweltverfahren

Bei den jüngst im Rahmen eines UVP-Verfahrens genehmigten Windparks rund um den Nationalpark Donauauen seien die Abstände zu den Außengrenzen zum Teil deutlich geringer als es jene zum Nationalpark Thayatal sein würden.

Buchner bestätigt, dass die Bundesforste gemeinsam mit den Behörden und der Region weiter an der Umsetzung des Windparks Nord arbeiten werden: „Wir sind von der Nachhaltigkeit des Projekts als Beitrag zur Energiewende und zur Entwicklung in der Region überzeugt.“ Wird der im Dezember präsentierte Zonenplan des Landes beschlossen, ist die Einreichung zum UVP-Verfahren geplant. In diesem hat Tschechien übrigens ein Mitspracherecht. Im Rahmen eines Konsultationsverfahrens sind auch bilaterale Gespräche auf Gemeindeebenen vorgesehen.

Aus der Stellungnahme

• Der Standort grenzt direkt an die Mikroregion um Frain an der Thaya und Jemnice, die seit Ende des 19. Jahrhunderts dank einer Vielzahl an wertvollen Naturlandschaften, Kirchen, Schlössern und historischen Sehenswürdigkeiten ein beliebtes Urlaubsziel darstellt. Alljährlich kommen Gäste aus der ganzen Tschechischen Republik und aus dem Ausland hierher. Die Einzigartigkeit des Gebietes zeigt sich auch in den zahlreichen Aussichtspunkten, von denen aus die Natürlichkeit der Landschaft ohne störende Elemente der modernen Zivilisation erlebt werden kann.
• Durch das Fehlen von Industrie und intensiver Landwirtschaft sind unsere Bürger in großem Ausmaß vom Tourismus abhängig. Aufgrund der immensen Höhe der vertikalen Windkraftanlagen würde der Windpark Nord das gesamte Landschaftsbild dominieren. Beispielsweise hätte man vom bekannten Schloss Frain, der Perle der mährisch-österreichischen Barock-Architektur (erbaut von J. B. Fischer von Erlach), die „rotierenden“ Riesen im Hintergrund, wenn man Richtung Süden blickt. Solche Motive ergeben keine attraktiven Werbebilder.
• Wir befürchten, dass die Verwirklichung des geplanten Windparks dem Renommee dieser bedeutenden Erholungsdestination Schaden zufügt. Als Folge würde die Prosperität im Tourismus zurückgehen und die ohnehin schon hohe Arbeitslosigkeit in unserer Region weiter ansteigen. Langfristig würde der Windpark das Leben der ganzen Region lähmen und die Entvölkerung im südwestlichen Teil Mährens beschleunigen. Wir weisen darauf hin, dass die Situation auf der österreichischen Seite des Thayatals in dieser Hinsicht nicht anders wäre.

Auch ein Leserbrief aus der Schweiz flatterte in die NÖN-Redaktion:

Seit einigen Jahren verbringe ich meine Ferien im wunderschönen Weinviertel. Als Vielgereister, der schon an vielen schönen Orten auf dieser Erde war, fasziniert mich am Weinviertel die intakte Natur, die einhergeht mit dem gepflegten Ackerbau. Als Schweizer, der aus der starkbevölkerten Voralpenregion stammt, faszinieren mich im Weinviertel die grossen Weiten, die mich immer wieder an die nordkanadische Prärie erinnern. Wunderschön, dieses einmalige Naherholungsgebiet für Grossstädter aus Wien, aber auch für Touristen - aus nah und fern - wie mich.

Nun ist mir zu Ohren gekommen, dass Sie darüber nachdenken, in diese intakte Natur gigantische Windräder zu stellen. Das überrascht mich sehr und wirft bei mir viele Fragen auf: Wissen die Niederösterreicher etwa nicht, was für Folgeschäden sie damit provozieren? Dass sie damit nicht nur das schöne Weinviertel verschandeln, sondern auch das immense Potenzial auf sanften Tourismus verspielen?

Für mich klingen diese Ideen nach schlichten Schildbürgereien, die der Region langfristig große Probleme bereiten werden. Abwanderung und daraus resultierende Perspektivenlosigkeit für die junge Generation sind nur einige Stichworte hierzu... Leider gibt es in der Schweiz genügende Beispiele für Regionen, die diesen Weg eingeschlagen haben und heute kämpfen müssen.

Glauben Sie besser daran, dass diese Region noch ein viel größeres touristisches Potenzial hat, als sie bisher ausschöpft! Stärken sie innovative Ideen und Projekte, die langfristig das Weinviertel bereichern und aufwerten. Als neutraler Schweizer kann ich nur hoffen, dass die Vernunft siegt und besonders die Flächen WE01, WE02 und WE03 verschont bleiben.

Herzliche Grüsse,
Martin Iten (Zug/Schweiz)