Zum Abschied in Hollabrunn: „Danke sehr, lieber Sepp!“. Würdigung für Josef Schönhofer - jemanden, der Menschen mit Unterstützungsbedarf stets half.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 21. November 2019 (06:02)
Teamwork für Menschen mit Unterstützungsbedarf (v.l.): Reinhard Urban-Grünberg, Julius Gelles, Eveline Gasperschitz, Josef Schönhöfer, Andreas Strobl, Martin Feigl und Josef Mukstadt. Foto: Caritas ED Wien
Caritas ED Wien

Der Wunsch nach Unterstützung von Menschen mit Behinderung war der Beginn der zweiten beruflichen Karriere von Josef Schönhofer, der nach Jahren als Landwirt im Jahr 1994 bei der Caritas Retz als Behindertenbetreuer anheuerte. Zahlreiche erfolgreiche Initiativen sollten folgen. Weil er mit 2020 in den Ruhestand tritt, wurde dem Untermarkersdorfer nun ein feierlicher Empfang im AMS Hollabrunn bereitet.

„In zwei Jahrzehnten immer Lösungen gefunden“

„Er ist ein Netzwerker par excellence“, eröffnete AMS-Leiter Josef Mukstadt den Reigen der Lobeshymnen für jenen Mann, der Mastermind des Hollabrunner Integrationsawards und als Projektleiter federführend für den Aufbau der Arbeitsassistenz und des Jobcoachings der Caritas im Weinviertel beteiligt war. Oft habe man in sozialpartnerschaftlicher Runde intensiv diskutiert, um letzten Endes zu gemeinsamen wegweisenden Beschlüssen zu kommen, so Mukstadt.

Das bestätigte auch Martin Feigl, Leiter der Arbeiterkammer Hollabrunn. Es gehe darum, den Menschen das Selbstwertgefühl zu geben, gebraucht zu werden. Dazu brauche es Emotionen und Empathie. „In knappen zwei Jahrzehnten haben wir immer Lösungen gefunden.“

Warum die Initiativen für Menschen mit Behinderung gerade im Bezirk Hollabrunn auf so fruchtbaren Boden fallen, konnte auch Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Julius Gelles nicht restlos erklären. Es sei wohl auf das Zusammenspiel und den persönlichen Einsatz der Leute, die hier arbeiten, zurückzuführen.

„Schöne Worte gehören uns miteinander“

Im AMS hatte man sich jedenfalls das Ziel gesetzt, für die Hälfte der vorgemerkten Menschen mit Behinderung einen nachhaltigen Arbeitsplatz zu finden. 45 solcher Arbeitsplätze wurden heuer bereits realisiert – auch mit finanziellen Anreizen: 350.000 Euro an Lohnkostenförderungen wurden ausbezahlt.

Es sei die Persönlichkeit und die wahre Menschlichkeit, die ihn ausmacht, sagte Eveline Gasperschitz vom NÖ Jugendcoaching über Schönhofer. Bezirkshauptmann Andreas Strobl erklärte, dass er schon zu Beginn seiner Tätigkeit vor zweieinhalb Jahren bemerkt hatte, dass der Bezirk Hollabrunn ein besonderer sei, wenn es um Sozialangelegenheiten und den Umgang mit Behinderten geht. Darin zeige sich auch der Zustand einer Gesellschaft. Sepp Schönhofer sei ein Katalysator dieser Bewegung.

Reinhard Urban-Grünberg von der Caritas Wien beschrieb Schönhofer als einen, der stets das Positive und die Stärken in den Vordergrund rückt, Herausforderungen annimmt und das scheinbar Unmögliche möglich macht.

Schließlich trat der Gewürdigte selbst ans Podium. „Die vielen schönen Worte gehören uns allen miteinander“, betonte er und strich hervor, dass der Bezirk tatsächlich etwas Besonderes sei. Während anderswo viel geredet werde, aber wenig Produktives herauskommt, werde hier der Wir-Gedanke umgesetzt. In seiner ganzen Ära sei er nur von zwei Betrieben abgewiesen worden.

Dass Sozialhilfeempfänger oft vorschnell als Sozialschmarotzer abgetan werden, schmerzt Schönhofer seit jeher. Die Mehrheit würde unverschuldet in schwierige Situationen geraten. Noch heute habe er Gänsehaut, wenn er an eine Frau denkt, die von 300 Euro leben musste und bei der Behörde nicht um Hilfe ansuchte, weil sie meinte: „Herr Schönhofer, i genier mi so.“