Hollabrunn

Erstellt am 16. November 2018, 14:50

von Sandra Frank

Hollabrunner Waldfreunde feierten 10. Geburtstag. Vor zehn Jahren wurde der Verein Freunde des Hollabrunner Waldes gegründet. Zum Geburtstagsfest kamen prominente Gastredner aus der Umwelt-Szene.

„Ihr macht den Hollabrunner Wald einer breiten Öffentlichkeit zugänglich“, bedankte sich Landtagsabgeordneter Georg Ecker bei Arno Klien, dem Obmann der Freunde des Hollabrunner Waldes, und dessen Team für den Einsatz rund um den Wald. Zehn Jahre ist der Verein bereits alt – und das wurde in der Hofmühle gefeiert. Formiert haben sich die Mitglieder, als geplant war, Windräder im Hollabrunner Wald zu errichten.

„Für mich war der Wald in den vergangenen Jahren nicht einfach“, blickte Stadtrat Karl Riepl in seinen Begrüßungsworten auf Eschentriebsterben und Borkenkäfer zurück. Darum schätze er es besonders, bei Bedarf auf Arno Kliens Wissen zurückgreifen zu können.

Der „Waldstadtrat“ hatte sich ein besonderes Geburtstagsgeschenk für den Verein überlegt, mitgebracht hatte er es aber nicht. „Das würde den Rahmen sprengen, vor allem den Türrahmen.“ Die „Waldfreunde“, wie die Vereinsmitglieder kurz genannt werden, bekommen von Riepl eine Linde spendiert.

„Äußerst junges" Gestein im Hollabrunner Wald

Gefeiert wurde mit prominenten Gastrednern. Etwa Reinhard Roetzel. „Mein Zugang zum Hollabrunner Wald ist ein geologischer“, begrüßte der Fachabteilungsleiter in der Geologischen Bundesanstalt seine Zuhörer. Er berichtete von „äußerst jungen“ Gesteinen im Hollabrunner Wald. Sie seien erst 7 bis 11 Millionen Jahre alt. „Das war ja vorgestern …“, schmunzelte Roetzel.

Er berichtete, wie sich vor 11 Millionen Jahren das Meer zurückzog, sich Seen und Flüsse bildeten und so schließlich die Urdonau entstand. Im Weinviertel lebten in den Urzeiten auch viele Tiere, wie etwa Säbelzahnkatzen oder Elefanten – einer wurde beispielsweise 1957 bei der Hohenwarther Kirche gefunden. Affenzähne wurden in Mariathal entdeckt.

„Früher war der Wald ein riesengroßer Spielplatz"

„Ich freu‘ mich, dass ich als Waldviertler bei eurem Jubiläum dabei sein darf“, lobte Wolfgang Riener, Förster im Nationalpark Thayatal, dass es einen Verein für den Wald gebe.

Das sei nicht selbstverständlich. Riener stammt aus einer Försterfamilie („Wir mussten es nicht werden, bei uns ist das gelebte Tradition.“) und erzählte, welche verschiedenen Funktionen der Wald erfüllt. Er sei Schutz-, Erholung-, Wohlfahrts- und Nutzfaktor. „Wir haben leider vieles verloren“, erinnerte sich der Experte, dass der Wald früher ein riesengroßer Spielplatz gewesen ist. Das sei nun nicht mehr der Fall.

Guido Reiter informierte das Publikum, über die heimlichen Bewohner des Hollabrunner Waldes, die Fledermäuse. Er zeigte, wie schwierig es ist, die einzelnen Arten auseinanderzuhalten. 20 der 28 bekannten Fledermausarten seien im Hollabrunner Wald beheimatet. Fünf dieser Arten sind europaweit von besonderem Interesse. „Es ist bemerkenswert und unterstreicht die Qualität der Region.“

Bilder von Sonderlingen im Hollabrunner Wald

Christian Friedl sprach über den „Sonderling unter den Greifvögeln“, den Wespenbussard. Auch diese Art ist im Hollabrunner Wald zuhause.

Josef Stefan stellte sich als Natur- und Artenschützer sowie Naturfotograf vor: „Ich lasse meine Bilder sprechen“, sah er von vielen Worten ab und beeindruckte mit seinen Fotografien. „Extra für dich habe ich eine Serie vom Bienenfresser hineingenommen“, sagte er Richtung Klien.

Vom „prominentesten Mitglied“ der Freunde des Hollabrunner Wald, Kammerschauspielerin Regina Fritsch, las Klien einen Loblied auf den Hollabrunner Wald vor.

Den Abschluss der Reden übernahm Wolfgang List, Rechtsexperte für Umweltverträglichkeitsprüfungen. „Ich habe gelernt, dass ich eine gemeinsame Liebe mit den Fledermäusen habe: die Liebe zu Kellergassen“, lachte er, bevor er über die Änderungen im UVP-Recht sprach.

„Unterstützer der heißen Phase" als Jubiläums-Gast

„Über diesen Gast war Klien besonders froh, denn: „Er unterstützte uns in der heißen Phase der seinerzeit geplanten Windindustrieanlagen.“ Dafür sind die Waldfreunde dem Juristen bis heute dankbar und überreichten List deshalb einen „Eichen-Oscar“. Die Freude darüber war diesem ins Gesicht geschrieben.

Klien nutzte den Rahmen der Jubiläumsfeier aber auch, um sich bei anderen zu bedanken: bei den Referenten für die jahrelange Kooperation sowie beim Vereinsvorstand für das Bestehen durch „dick und dünn“ und natürlich die Unterstützung bei den Veranstaltungen und Projekten.

Arno Klien hofft auf schöne Zukunft für Hollabrunner Wald

„Wir unterstützen uns gegenseitig, besonders, was Expertisen und Pflegeeinsätze am Dernberg und am Galgenberg betrifft“, überreichte der Obmann auch Margit Gross, der Geschäftsführerin des Naturschutzbundes NÖ, einen Blumenstrauß.

Nach den vielen Reden ging’s ans Plaudern: Im Garten der Alten Hofmühle wartete Karl Riepl mit heißem Blunzengröstl und Getränken auf die Gäste. „Wir konnten neue Mitglieder gewinnen. Unsere Studien stießen auf Interesse und der Hollabrunner Wald sieht einer hoffentlich schönen Zukunft entgegen“, so Kliens Jubliläumsfazit.