Metallbearbeiter absolvierten Ausbildung hinter Gittern. Insassen der Justizanstalt Sonnberg schlossen ihre Lehrabschlussprüfung als Metallbearbeiter mit Auszeichnung ab.

Von Sandra Frank. Erstellt am 28. September 2017 (05:53)
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Eine Ausbildung zum Schweißer mit internationaler Gültigkeit ist bei der Ausbildung zum Metallbearbeiter inklusive, wie Martin Zöchling berichtet.

„Sie sind wirklich alle lernwillig und wollen die Ausbildung von sich aus machen“, sagt Martin Zöchling. Er bildet in der Sonnberger Justizanstalt (JA) die Metallarbeiter aus.

Erfolgsgeheimnis liege im Willen der Lehrlinge

Der Eifer der Insassen wurde belohnt, wie sich bei der jüngsten Lehrabschlussprüfung Mitte September zeigte.

„Die war außergewöhnlich gut“, lobt Zöchling das Abschneiden seiner Schüler. Von neun schafften vier einen Abschluss mit Auszeichnung und zwei mit gutem Erfolg. „Wir brauchen eine weiße Fahne“, scherzt René Zeitl-berger, Leiter des Wirtschaftsbereichs.

Das Erfolgsgeheimnis liege im Willen der Lehrlinge, aber auch in der Betreuung: „Sie werden bei uns bestens auf die Prüfung vorbereitet und moralisch unterstützt“, lobt Zeitlberger Zöchlings Arbeitsweise.

Von der Pike auf, in Theorie und Praxis, wird den Insassen während der Facharbeiterintensivausbildung in 16 Monaten all das beigebracht, was ein Lehrling sonst in 36 Monaten lernt. „Das ist schon eine Herausforderung, vor allem für die Schüler“, weiß Zöchling.

„Sie lernen bei uns, dass man auch mit ehrlicher Arbeit Geld verdienen kann.“Martin Zöchling bildet in der Justizanstalt Sonnberg Insassen zu Metallbearbeitern aus.

Begonnen wird die Ausbildung mit einfachen Handarbeiten, um den Werkstoff kennenzulernen. Im Zuge der Ausbildung legt jeder Insasse eine Schweißerprüfung ab, die weltweit gültig ist. „Dann bring‘ ich ihnen das Drehen und Fräsen bei und dann sind die 16 Monate eh schon wieder um.“

Für viele Häftlinge sei die abgeschlossene Prüfung oft das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Wertschätzung erfahren, berichtet Zeitlberger. Und: „Sie lernen bei uns, dass man auch mit ehrlicher Arbeit Geld verdienen kann“, ergänzt Zöchling.

Gute Resozialisierung durch Jobaussichten

Mit einer Ausbildung in der Tasche sei es für die Insassen einfacher, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Und das sei ein wichtiger Aspekt der Resozialisierung, wie Zeitlberger betont. Deshalb finde eine solche Ausbildung eher gegen Ende der Haftzeit statt, „damit sie noch relativ frisch ist“, meint der Ausbildner.

Die Ausbildung zum Metallbearbeiter ist aber nicht nur Häftlingen der Sonnberger Anstalt vorbehalten. Es gebe immer wieder „Passanten“ aus anderen Gefängnissen, die diese Lehre gerne in Anspruch nehmen, wenn in den Kursen noch Plätze frei sind.