Rauferei in Anstalt: „Bin keiner, der fest hinhaut“. Zellengenossen stritten wegen schmutzigem Geschirr im Abwaschbecken. Der Ältere und körperliche Unterlegene „gewann“. Prozess musste vertagt werden.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 10. Februar 2017 (05:49)
NÖN
Eine Rauferei in der Justizanstalt Sonnberg endete am Hollabrunner Bezirksgericht. Auch wenn die Verhandlung vertagt werden musste, die beiden Streithähne versöhnten sich zu Weihnachten.

Wegen einer Bagatelle gerieten einander im September zwei Insassen der Justizanstalt Sonnberg in die Haare. Ob sie wegen der Rauferei noch länger hinter Gittern bleiben müssen, blieb bei der Verhandlung am Bezirksgericht Hollabrunn vorerst offen. Richter Erhard Neubauer vertagte, um weitere Zeugen einzuvernehmen.

Schubserei: Keine Einigkeit, wer damit anfing

„Es war eine verbale Auseinandersetzung, die leider eskaliert ist“, erklärte der 37-jährige Angeklagte, der bereits zehn Vorstrafen vorzuweisen hat. Es habe Spannungen mit seinem 51-jährigen Zellengenossen gegeben, der sich beklagt hatte, dass der 37-Jährige sein schmutziges Geschirr ständig über Nacht in der Abwasch ließ.

Jedenfalls sei es an diesem Tag zu einer Schubserei gekommen. Wer damit anfing, darüber waren sich die beiden Angeklagten nicht einig. Beide erklärten, nur Angriffe abgewehrt zu haben. Er habe seinem Kontrahenten nur zweimal leicht ins Gesicht geschlagen, so der 37-Jährige. „Ich bin keiner, der fest hinhaut, weil ich weiß, was dann passiert.“

„Er hat mir wie ein Baby auf den Kopf geschlagen“

Dem um 80 Kilo leichteren (!) 51-Jährigen gelang es schließlich, seinen Widersacher am Boden zu fixieren. „Ich war aufgrund meines Asthmas unterlegen und habe aufgegeben. Er hat mir die Luft abgeschnürt“, schilderte der 37-Jährige. „Hätten Sie weitergemacht, wenn Sie noch eine Chance gehabt hätten?“, wollte der Richter wissen. „Wahrscheinlich schon“, gestand der Angeklagte.

„Er hat mir wie ein Baby auf den Kopf geschlagen. Dann habe ich ihn an den Haaren nach unten gezogen, am Boden fixiert und gesagt, dass er aufhören soll. Als er mich mit einem Stuhl schlagen wollte, habe ich ihm einen Schlag versetzt“, erklärte der 51-Jährige. Ein weiterer Zellengenosse habe den Notknopf gedrückt. Nach 15 Minuten seien dann Beamte eingeschritten.

Zu Weihnachten habe man sich versöhnt, erklärten die Angeklagten. Er sei mit sechsmonatigem Besuchsverbot und einer Hausstrafe ohnehin schon gepeinigt worden, meinte der 37-Jährige. Weil es nun widersprüchliche Aussagen gab, ob der 51-Jährige bei dem Streit überhaupt eine Verletzung erlitten hatte (er selbst bestreitet das), geht die Verhandlung in eine zweite Runde.