Furiose Tempi und starke Bilder bei Gründungskonzert in Hollabrunn

Das neue Kammerorchester Hollabrunn hatte sichtlich Freude, sein Publikum mit Bach, Elgar und Warlock zu verzaubern.

Erstellt am 17. November 2021 | 12:50
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Überglücklich, nach zwei Jahren Pause wieder konzertieren zu können: das Kammerorchester Hollabrunn mit seinem Dirigenten Alfred Tuzar.
Foto: Markus Wittmann

Vorgesehen war das „Gründungskonzert“ schon für letztes Jahr, denn 2020 wurde aus dem Musikschulorchester der Verein „Kammerorchester Hollabrunn“. Und nach fast zwei Jahren Wartezeit hatte es trotzdem eine bittere Note, dass das Konzert am 14. November „möglicherweise eine der letzten Veranstaltungen war, die noch stattfinden“, so ein Konzertbesucher.

Nichtsdestotrotz merkte man es den Orchestermitgliedern förmlich an, wie sie darauf brannten, den Festsaal im Erzbischöflichen Gymnasium mit ihrem Klang zu füllen, sodass Dirigent Alfred Tuzar die „Spielfreudigkeit des Orchesters“ eigentlich gar nicht hätte betonen müssen. 

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Große Gefühle und fabelhafter Herzschmerz

Eine Freude war es, dem Ensemble beim 3. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach auch zuzusehen: hochkonzentriert und doch mit einem Lächeln, das ein Gefühl vermittelte, als würde der Klangkörper in der Musik schwelgen.

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Richard Hogl

Als nächstes stand die „Serenade für Streichorchester“ von Edward Elgar am Programm, einem Komponisten, dessen „Land of Hope and Glory“ sicher jeder schon mal gehört hat. Das Kammerorchester jedenfalls lieferte mit dem „unterhaltsamen Abendständchen“ ein Bravourstück ab.

In Elgars Musik ist deutlich zu hören: Dieser Mann hat sich nicht mit kleinen Gefühlen abgegeben und das Kammerorchester setzte den im besten Sinn „Herzschmerz“ fabelhaft um. Die Musiker hielten die Spannung und liefen so nie Gefahr, im Schmalz der Komposition zu ertrinken.

Furioses Tempo überraschte die Zuhörer

Mit dem Briten Peter Warlock, der auch als Musikkritiker arbeitete und sich das Komponieren autodidaktisch beigebracht hatte, stellte das Orchester einen in unseren Breitengraden weniger bekannten Komponisten vor. Sechs Tänze, zusammengefasst als „Suite für Streichorchester“, bildeten den Abschluss des Konzertes. Mit dem „niedrigen Tanz“ – „Basse-Danse“ –, dessen höfischer und zeremonieller Stil sich sofort vermittelte, wurde der letzte Teil eröffnet.

Sicherlich ein Höhepunkt war der Reigentanz „Bansles“, den Tuzar im Vorfeld schon ankündigte, flotter als in der Vorgabe zu spielen. Aber mit diesem furiosen Tempo, das schier kein Ende der Steigerungsmöglichkeiten nehmen wollte, war dann doch nicht zu rechnen. Tuzar trieb seine Musiker voran, sodass dieser Reigen in einem irren Finale gipfelte. Das konnte nur noch „mit viel Getöse“ – einem Schwerttanz – gesteigert werden.

Kammerorchester, ein Hollabrunner Schatz

Mehr als glücklich forderte das Publikum eine Zugabe und erhielt sie in Form von Wiederholungen von zwei Teilen des Programms, denn, so der Dirigent: „Wie haben keine Zugabe.“ Am Ende wünschte sich Alfred Tuzar: „Ich hoffe, dass Sie unsere Verbreitung sind.“ Er meinte damit aber keineswegs das Coronavirus, sondern die Bitte um finanzielle Unterstützung – und dass möglichst viele Leute erfahren sollten, was für einen Schatz Hollabrunn mit „seinem“ Kammerorchester hat.