Kein „Kahlschlag“ im Pulkauer Bründl. PULKAU / Die grün markierten Bäume lösten Befremdung aus. Pfarrgemeinderat beschloss nun die Erstellung eines Katasters.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
NOEN, Karin Widhalm
Die Akazien hinter dem Kreuzweg – sechs an der Zahl – werden entfernt, ansonsten bleibt alles erhalten.
Von Karin Widhalm

Ein Bürger wunderte sich, als er das Pulkauer Bründl durchschritt: Mehrere Bäume sind grün gekennzeichnet worden. Werden diese etwa gar gefällt? Tatsächlich hat ein Baumexperte den Wald rund um die Wallfahrtskapelle begutachtet.

„Der Pfarrgemeinderat ließ sich von einem Förster der Erzdiözese Wien beraten, da bei einigen Bäumen morsche Äste herabzufallen drohten“, erläutert Diakon Kurt Dörfler, Sekretär im Vikariat Unter dem Manhartsberg.

Bründl Verantwortungsbereich des Pfarrgemeinderates

Johann Fehringer war entrüstet, als er bei der Begutachtung dazu stieß. 30 Gehölze sind markiert worden, der Pfarrgemeinderat spricht sogar von 50. Er habe den Förster auf den „Kahlschlag“ angesprochen: „Er meinte, wenn ich die Verantwortung übernehme, kann man die Bäume stehen lassen.“ Dörfler: „Das Bründl gehört in den Verantwortungsbereich des Pfarrgemeinderates.“

Die Abholzung hätte aber den lauschigen Platz erheblich gelichtet. „Dass Bäume gerodet gehören, ist klar, aber nicht so radikal“, war Fehringer wenig begeistert. „Wir wollen keinen Kahlschlag, aber wir wollen auch die Sicherheit für die Besucher erhalten.“ Fehringer kümmert sich seit Jahrzehnten um den Erhalt des Bründls.
 

NOEN, Karin Widhalm
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Stadtgemeinde hat Baumkataster erstellt

Die Erzdiözese Wien beschwichtigt: Man hätte nie alle grün markierten Bäume fällen wollen. Der Punkt bedeute, dass „Handlungsbedarf“ bestehen würde. Dörfler: „Diese Maßnahmen reichen von Abschneiden morscher Äste bis zur Fällung, wenn der Baum nicht mehr zu retten wäre.“

Fehringer war dennoch alarmiert und holte Zweitmeinungen ein. Der „Bründlbischof“ – so wird er liebevoll genannt – suchte Rat beim Bezirksförster und Bürgermeister Manfred Marihart. Die Stadtgemeinde hat gerade einen Baumkataster erstellen lassen: Das Verzeichnis listet alle Bäume und ihre Beschaffenheit auf und ermöglicht eine genaue, jährliche Überprüfung. Das Hilfsmittel soll die Sicherheit für die Menschen erhöhen.

Kontrolle übernimmt  der Maschinenring

Der Pfarrgemeinderat schlägt nun ebenfalls diese Strategie ein. „Das ist das Beste, was sie machen können“, sagt Bürgermeister Manfred Marihart dazu. „Er hat uns da einen guten Rat gegeben“, lobt Fehringer. Den dafür nötigen Beschluss fasste der Pfarrgemeinderat vor wenigen Wochen. Den Auftrag erhielt der Maschinenring, eine Expertin inspizierte am Montag den Zustand der Bäume.

Das Ergebnis: „Am Platz werden keine Bäume gefällt, bis auf eine kleine Kastanie“, berichtet Fehringer. „Die großen Akazien neben der alten Straße schneiden wir raus, da sind aber schon große, armstarke Bäume nachgekommen.“ Die absterbenden Äste werden spätestens im Sommer entfernt. Erst dann ist nämlich ersichtlich, welche Zweige grün sind.

Der Maschinenring soll von Spendenbeiträgen finanziert werden. „Dass sind wir den Leuten schuldig“, will Fehringer mit der Unterstützung der Gläubigen das vorhandene Flair im Bründl erhalten.

ZITIERT

„Kein Anlass für eine Gefährdung“
„Meines Wissens war kein Anlass, dass da jemand gefährdet ist.“ Pfarrgemeinderätin Margarete Brunner wundert sich.

„Meiner Meinung nach ist man da einfach drübergefahren.“ Bürgermeister Manfred Marihart kritisiert das Vorgehen der Erzdiözese Wien.

„Es erfolgte seitens der Erzdiözese Wien eine Hilfestellung für den Pfarrgemeinderat Pulkau, weiter nichts.“ Diakon Kurt Dörfler ist um eine Klarstellung bemüht.

„Es dürfte sich zum Guten gewendet haben.“ Pfarrgemeinderat Johann Fehringer ist überzeugt, eine gute Lösung gefunden zu haben.