Erstellt am 09. April 2013, 00:00

„Keine 26, wenn man realistisch ist“. Windpark Nord / Projekt vorgestellt. Bundesforste-Experte rechnet damit, dass nicht alle Windräder das Prüfverfahren überstehen.

Auch Bürgermeister Heribert Donnerbauer war bemüht, die Sinnhaftigkeit des Projekts zu erklären.  |  NOEN, unknown
Von Christoph Reiterer

PLEISSING /  „Das ist ein Irrsinn, was hier geschieht, die pappen die Gegend zu“, schüttelte ein älterer Herr den Kopf. Er war jedoch einer der wenigen, die sich bei der Infoveranstaltung in der Pleißinger Volksschule zum geplanten Windpark Nord wirklich aufregten.

Die Österreichischen Bundesforste wollen im Gemeindegebiet von Hardegg, Langau und Weitersfeld maximal 26 Windräder mit einer Nabenhöhe von 140 Metern (Rotorspitze: knapp 200 Meter) errichten. Vertreten war das Unternehmen, das zehn Prozent der österreichischen Staatsfläche betreut und bewirtschaftet, vor Ort durch Robert Nusser.

„Es ist ein Projekt, das durchaus in die Landschaft eingreift“, gab der Geschäftsfeldleiter für Erneuerbare Energie und Wasser zu. Der Großteil der Anlagen soll im Wald errichtet werden. Diese Tatsache und das kupierte Gelände bieten „einen gewissen Sichtschutz“, so Nusser. „Aber ich lasse keinen Zweifel daran, dass man die Windräder sieht.“

Für die Errichtung der „Riesen“ muss auch eine entsprechende Fläche gerodet werden. Schlussendlich bleibt rund um jedes Windrad ein Areal von 1.500 Quadratmetern frei.

Klar geäußert wurde die Sorge, dass der Windpark nahe an der Grenze zum Nationalpark Thayatal entstehen soll. Wildtiere wie Seeadler oder Schwarzstorch könnten davon abgeschreckt werden und in der Folge darauf verzichten, sich hier niederzulassen. Robert Brunner, Direktor des Nationalparks, hatte sich im Rahmen des Infotages eine Visualisierung des Projektes erhofft. „Das wäre für die Meinungsbildung hilfreich.“

Die gab es aber nicht. „Wir haben überlegt, es aber wieder verworfen, weil wir nach wie vor nicht wissen, wo genau sich die Standorte befinden werden“, erklärte Nusser. Es wäre absurd, die Menschen nun mit einer vagen Darstellung von 26 Windrädern zu verunsichern. Direktor Brunner zog sichtlich enttäuscht von dannen.

Nusser hofft indes, den nötigen Gemeinderatsbeschluss und die Antragstellung für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bis Mitte Juni unter Dach und Fach zu haben, bis Ende des Jahres könnte dann der Bescheid für die UVP-Prüfung vorliegen.

Dieser Zeitplan sei aber sehr optimistisch, da derzeit noch der sogenannte Konsultationsprozess mit der Tschechischen Republik im Gange sei. Weil der Windpark nahe an der Grenze geplant ist, muss das Nachbarland eine Stellungnahme abgeben. „Wir wissen nicht, wann diese fertig ist“, sagt Nusser. Läuft alles perfekt nach Plan, könne im Jahr 2016 erstmals Strom aus dem Windpark Nord ins Netz eingespeist werden. „Schneller geht‘s net.“

Dass das Projekt hier an der Hollabrunn-Horner Bezirksgrenze Sinn mache, daran bestehe aber kein Zweifel. Bereits im Spätsommer sei zwischen Riegersburg und Weitersfeld ein 100 Meter hoher Messmast aufgestellt wurden, von dem im Jänner die ersten Daten ausgewertet wurden. „Es schaut recht gut aus und rechtfertigt, dass man über Windenergie nachdenkt“, betont der Bundesforste-Experte. Im Frühjahr soll jetzt noch eine Radaranlage auf dem Mast montiert werden, die das Flugverhalten der Fledermäuse aufzeichnet.

Aufgrund der Einflüsse auf die Vogelarten im Nationalpark rechnet Nusser auch damit, dass von den geplanten 26 Windrädern einige dem Prüfungsverfahren zum Opfer fallen werden. „Wir hoffen das natürlich nicht, aber wenn man realistisch ist, wird es so sein.“

Trocken ist indes schon die Tinte unter dem Vertrag, in dem der finanzielle Nutzen für die Gemeinden fixiert ist. 15.000 Euro gibt es jährlich pro Windrad für jene Gemeinde, auf deren Gebiet der Propeller steht. Die Bundesforste wünschen sich, dass das Geld zweckgebunden verwendet wird. Die Gemeinden ließen sich allerdings nicht darauf ein, das auch vertraglich festzuschreiben. „Wir wünschen uns, dass das auch so funktioniert“, sagt Nusser.