„Keine Rücksicht der Autofahrer“. B 303-Protest | Daumen hoch vom Busfahrer. Geschrei vom Autofahrer. Eine disziplinierte, aber emotionale Demo.

Von Sandra Frank. Erstellt am 01. Juli 2014 (08:39)
NOEN, Sandra Frank
Seit Jahrzehnten ertragen die Anrainer die Verkehrshölle. Nun gehen sie auf die Straße, um den Ausbau der Schnellstraße voranzutreiben. Foto: Frank
„Ich bin sehr zufrieden. Die Aktion war gut organisiert, die Demonstranten waren diszipliniert“, lobt Bezirkspolizeikommandant Otto Schwingenschlögl den Verlauf der Proteste in Guntersdorf.



Vergangenen Donnerstag wurde der Verkehr erneut blockiert. Anrainer pilgerten unermüdlich über den Schutzweg beim Gemeindeamt. „Bewaffnet“ mit Tafeln, die ihr Anliegen zum Ausdruck brachten: Die Weinviertler Schnellstraße S 3 soll endlich ausgebaut werden. Zum Schutz der Bevölkerung und zur Erhöhung der Lebensqualität.

Auch wenn die Demonstration ruhig über die Bühne ging, Emotionen waren nicht zu übersehen: Ein Buschauffeur bekundete sein Verständnis und hielt seine Daumen hoch. Ein anderer Pkw-Fahrer hingegen war genervt von der Blockade und machte seinem Ärger lautstark Luft: „Ihr seids Kasperln und lasst eure Wut an den Bürgern aus und nicht an denen, die es betrifft!“

Er schlug vor, den Protest zu verlegen, und zwar: „Beim Pröll vor der Tür. Aber das trauts euch ja nicht!“ Vom Geschrei und wütenden Gehupe ließen sich die Demonstranten wenig beeindrucken, sie blockierten den Verkehr weiter.

„Autofahrer nehmen keinerlei Rücksicht“

Bella Preciosa ist Künstlerin und lebt seit zwei Jahren in Guntersdorf. „Wir sind von Wien wegen der Abgase herausgezogen und jetzt haben wir erst so viele“, berichtet ihre Tochter. Die beiden machten nicht nur mit einem Transparent auf sich aufmerksam: Auf der kleinen Verkehrsinsel beim Schutzweg deponierten sie ein kaputtes Fahrrad und eine Puppe.

„Es geht um die Sicherheit der Kinder. Die Autofahrer nehmen keinerlei Rücksicht“, beobachtete die vierfache Mutter bereits oft, dass Autofahrer eine rote Ampel in Guntersdorf ignorieren und über den Zebrastreifen preschen. „Sie fahren trotzdem drüber, das ist ein Wahnsinn!“, war auch eines ihrer Kinder bereits in Gefahr. Die Wahl-Guntersdorferin kann darum auf Autos verzichten. Sie selbst besitzt daher keines. „Wenn man wirklich will, dann geht das. Auch mit vier Kindern.“

„Wir sind von Wien wegen der Abgase herausgezogen und jetzt haben wir erst so viele.“
Bella Preciosa, zugezogene Künstlerin in Guntersdorf

„Alle, die für den Ausbau zuständig sind, gehören vier Wochen da eingesperrt, dann würd‘ sicher schneller was weitergehen“, ist ein Guntersdorfer sicher, dass die Entscheidungsträger die Verkehrshölle, der sie täglich ausgesetzt sind, nicht lange ertragen könnten. Wilfried Hammer, Sprecher des Bürgerforums Guntersdorf, lud zur Demonstration auch Landeshauptmann Pröll und Verkehrsministerin Bures ein.

„Das Büro vom Landeshauptmann hat angerufen und gesagt, dass er nicht kommt“, berichtet Hammer. Vom Büro der Verkehrsministerin kam nichts.

Die Politiker hielten sich in Guntersdorf, im Gegensatz zur Demonstration in Schöngrabern, bei der die Sozialdemokraten eine Gegen-Demo veranstalteten, zurück. Die Mandatare der SPÖ und FPÖ blieben der Protestaktion fern, Landtagsabgeordneter Richard Hogl suchte das Gespräch mit den Bürgern. Er hatte von Hammer – genauso wie die Vertreter von SPÖ und FPÖ – aber auch von Bürgermeister Weber eine Einladung erhalten.

„Wir warten immer noch auf eine Reaktion“

„Er ist gewählter Mandatar im Land“, so Weber. „Wir warten immer noch auf eine Reaktion“, kritisiert Hogl das anhaltende Schweigen der Ministerin.

„Wir müssen nicht darüber diskutieren, wer früher zuständig war. Es geht darum, wer jetzt für den Ausbau der S 3 zuständig ist.“ Und das sei ganz klar Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ), sagt Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber. Dass, die Sozialdemokraten die Verantwortung zur Gänze der Asfinag zuschieben wollen, lässt der Gemeindechef nicht gelten: „Das ist ja, wie wenn der Guntersdorfer Bauhof etwas macht, ohne, dass ich etwas davon weiß ...“

„Ich bin zufrieden, meine Erwartungen wurden erfüllt“, meint Hammer am Ende der Demo, an der sich laut Polizei etwa 100 Menschen beteiligten. „Wichtig ist, dass unser Aufschrei dorthindringt, wo die Verantwortlichen sitzen.“


Zitiert:

„Die Politiker sollten einfach nicht so viel versprechen. Oder nur das, was sie auch wirklich halten können.“
Eine Guntersdorferin ist die unzähligen Versprechen in Bezug auf den Ausbau der Weinviertler Schnellstraße leid.

„Ich hab‘ von der Gärtnerei Bradac bis zum Gemeindeamt sieben Minuten mit dem Auto gebraucht. Das ist super!“
Peter Schießwohl, Sprecher des Bürgerforums Schöngrabern, beteiligte sich ebenfalls an der Guntersdorfer Protestaktion und freute sich über die Zeitverzögerung gleich zu Beginn.

„Der Stau ist sicher zumutbar. Wenn man beim Einkaufen jemanden trifft und eine Weile tratscht, vertut man viel mehr Zeit.“
Landtagsabgeordneter Richard Hogl ist überzeugt, dass die Verkehrsblockade für niemanden zu einem großen Problem wird.