Ziersdorf

Erstellt am 04. März 2017, 06:06

von Sylvia Stark

Vortragsreihe: „Migration ist leistbar“. Flüchtlingsbeauftragter Rainald Tippow sprach in Kiblitz über gemeinsame Werte und verschiedene Kulturen.

Rainald Tippow  |  Sylvia Stark

In Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Wien und dem Dorferneuerungsverein referierte Rainald Tippow, Flüchtlingsbeauftragter der Kirche, über „gemeinsame Werte und verschiedene Kulturen“.

Einerseits organisieren viele Menschen Deutschkurse, stellen Unterkünfte bereit und helfen den Flüchtlingen bei Amtswegen. Diese Menschen seien geprägt von christlichen Werten. Andererseits haben viele Menschen Angst vor den neuen Mitbürgern; Angst um die Gesellschaftskultur, wie zum Beispiel die Gleichstellung der Frau, die Meinungs- und Religionsfreiheit. Je weniger Kontakt Menschen mit Flüchtlingen haben, desto größer sei die Angst vor ihnen, so Tippow.

Zwei große Migrationswellen in Österreich

Rainald Tippow bekam als Dank einen Tropfen aus dem Schmidatal überreicht.  |  Sylvia Stark

Die Skepsis gegenüber Fremden werde den Menschen genommen, wenn sie Migranten von Angesicht zu Angesicht kennenlernen. Denn das frühe 21. Jahrhundert zeichne sich aus, so Tippow, dass es „keine gesellschaftlichen Identitäten mehr gibt“. Eine Vielfalt in der Gesellschaft bedeute aber auch, dass es einen großen Wohlstand gibt. „Die Leute sind auch durch Bildung mobiler geworden.“

Tippow sprach von zwei großen Migrationswellen in Österreich – die erste in den 60er-Jahren mit den Gastarbeitern aus den südöstlichen Ländern Europas. Diese Einwanderungswelle wurde durch die Ölkrise Anfang der 70er-Jahre beendet. Die zweite Welle kam 2015 durch die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und dem Iran.

Eine Asylsuchende aus dem Irak, die in Kiblitz wohnt, sprach in schon sehr gutem Deutsch über die verschiedenen Werte in ihrem Heimatland und Österreich. Der größte Unterschied ist für sie die Gleichberechtigung der Frau und die Religionsfreiheit. Im Irak konnte sie nicht einmal ohne Begleitung eines Mannes auf einem Markt einkaufen gehen.

Tippow hielt fest, dass sich Österreich die Migranten sehr wohl leisten könne, die Ausgaben würden nur zwei Prozent des Staatsbudgets betragen. Danach ergab sich noch eine angeregte Diskussion im Publikum, kulinarisch begleitet mit irakischen und österreichischen Schmankerln.

Die nächste Veranstaltung der Vortragsreihe um Flucht, Asyl und Integration findet am Donnerstag, dem 9. März, im Pfarrsaal Ziersdorf statt.

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