Hochwasserschutz: „Nicht alles ist planbar"

In Kleedorf sind die ersten Maßnahmen, um den Ort vor Hochwasser zu schützen, sichtbar. Landesrat Stephan Pernkopf streicht bei seinem Baustellenbesuch die Eigenverantwortung der Hausbesitzer hervor.

Erstellt am 22. Oktober 2021 | 05:18

Im Mai 2018 lagen die Nerven in Breitenwaida, Puch und Kleedorf blank: Innerhalb einer viertel Stunde regnete es so viel, dass der Boden das Wasser nicht aufnehmen konnte, es schoss von den Feldern in die Orte und flutete dort Häuser, Garagen und Straßenzüge.

Seitdem wird am Hochwasserschutz gearbeitet. Sichtbar sind die ersten Maßnahmen in Kleedorf: Das Auslaufwerk für das Rückhaltebecken Nummer zwei steht bereits. Die Gemeinde hat dort im Hintaus-Bereich provisorisch einen Fanggraben errichtet, um die Häuser zu schützen. Im Sommer begannen die Bauarbeiten für das Rückhaltebecken, das 22.600 Kubikmeter groß sein wird. Im Herbst 2024 soll das Gesamtprojekt fertig sein.

Aushub wird für Damm verwendet

Mit dem Aushub des Beckens wird ein Damm angeschüttet, der den Ort vor Hochwasser schützen soll. Die Einlaufbereiche des Wassers sind schon vorbereitet. Vom eigentlichen Becken sollte schon mehr ausgebaggert sein, doch die Baustellenmaschinen sind derzeit ausgebucht, wie beim Baustellenbesuch von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf zu erfahren war.

Der war froh, dass der Hochwasserschutz voranschreitet, betonte aber, dass es bei diesem Thema auch um Eigenverantwortung der Hausbesitzer gehe: „Sie müssen Sandsäcke, Pfosten und Schalltafeln parat haben, sonst ist es zu spät“, warnte er, dass es – bedingt durch den Klimawandel – Naturgefahren gebe, die nicht planbar sind. Wie etwa der Tornado über Tschechien im Sommer dieses Jahres, der könne auch Niederösterreich treffen. „Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nie.“

Leute sind durch Erlebnis sensibel geworden

Hollabrunns Bürgermeister Alfred Babinsky dankte dem Landesrat, der für den Hochwasserschutz zuständig ist, dass er sich für die Maßnahmen rund um Breitenwaida eingesetzt hat. „Wir hatten ein schlimmes Ereignis, die Leute sind hier sehr sensibel“, erinnert sich der Stadtchef an 2018. Thomas Bauer, Leiter der Hollabrunner Stadtwerke, brachte einen Plan mit, auf dem die insgesamt vier Rückhaltebecken rund um Kleedorf, Puch und Breitenwaid eingezeichnet waren.

Warum wurde mit dem Bau des zweiten Beckens noch nicht begonnen? „In Breitenwaida haben wir die Flächen nicht“, sagt Bauer. Hier erzielte die Stadtgemeinde keinen Konsens mit den Grundeigentümern. Gibt es Hoffnung, das Projekt dennoch umzusetzen? „Die gibt es immer“, sagt der zuständige Stadtrat Günter Schnötzinger. Sind erst einmal drei der vier Becken umgesetzt, würde man in Breitenwaida weniger Fläche benötigen. „Dann wird es neue Gespräche geben“, informiert Schnötzinger.