Kein Durchlass "mitten im Herzen von Europa". "Österreich schließt mit Donnerstag 0.00 Uhr 45 kleinere Grenzübergänge zu Tschechien und der Slowakei", hieß es am Mittwoch. Die Hollabrunner NÖN begab sich am Donnerstag auf Lokalaugenschein zu zwei kleinen Grenzübergängen im Bezirk. Die Bürgermeister sind nicht glücklich darüber, die tschechischen Nachbarn waren überrascht.

Von Franz Enzmann und Christoph Reiterer. Erstellt am 15. Januar 2021 (07:06)
Bei Manfred Nigl und Martin Dvořák, Bürgermeister von Retzbach und Hnanice, hält sich das Verständnis über die Betonsperre in Grenzen.
Franz Enzmann

Es war ein eher trauriges Zusammentreffen von Retzbachs Bürgermeister Manfred Nigl und seinem tschechischen Amtskollegen und Freund Martin Dvořák (Hnanice) an der alten Grenzstation in Mitterretzbach, die mit großen Betonblöcken komplett versperrt war.

„Der steinerne Tisch hier ist ein Symbol für die Zusammenarbeit zwischen Retzbach und Hnanice. Viele Touristen nutzen diesen Platz, ich bin selbst auch gerne hier“, meinte Dvořák. Vor der Corona-Zeit habe der Tisch dazu eingeladen, die Grenze zu überwinden - eine Grenze, die kaum mehr sichtbar war.

"Ob diese Maßnahme nötig ist ...?"

Doch nun stand der tschechische Ortschef, beruflich als Fremdenpolizist in Znaim tätig, mit Manfred Nigl fassungslos an der Betonsperre, die auf Geheiß des Innenministeriums errichtet wurde. "Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit", wie es laut Verordnung heißt.

„Mitten im Herzen von Europa. Ich verstehe manche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, aber ob diese Maßnahme an diesem sensiblen Grenzübergang nötig ist, übersteigt meine Vorstellungskraft", sagte der Retzbacher Bürgermeister. Er hoffe auf eine baldige Rückkehr zum Normalzustand, um mit seinen tschechischen Freunden am Grenztisch wieder ein Glas Wein in alter Freundschaft trinken zu können.

Stattdessen stand nun eine tschechische Krankenschwester am Weg zur Arbeit vor der Betonsperre. Unverrichteter Dinge musste sie kehrtmachen und den Umweg über den Grenzübergang Kleinhaugsdorf nehmen.

"Spüren hier Einschränkungen besonders"

Ins gleiche Korn stößt Nigls Hardegger Amtskollege Friedrich Schechtner, der an der historischen Grenzbrücke in Hardegg mehr an ein gemeinsames Europa als an eine Grenzsperre denkt.

Ebenfalls betroffen: Hardegg - Čižov, die historische Grenzbrücke mitten im Nationalpark. Bürgermeister Fritz Schechtner ist nicht glücklich darüber.
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„Ich bin ein Befürworter der Impfungen und der gesetzten Maßnahmen, aber wir im Grenzbereich spüren die derzeitigen Einschränkungen in allen Lebensbereichen besonders", meinte der Stadtchef stirnrunzelnd.

In seinem Einflussbereich sind die folgenden Grenzübergänge komplett gesperrt: Riegersburg, Hardegg und Felling für Radfahrer und Fußgänger.
Auslöser für die Reaktion von österreichischer Seite waren die hohen Corona-Infektionszahlen in Tschechien. Fixe Kontrollen ersetzen die bisherigen mobilen Kontrollen im Hinterland.