„Unser Klima Retzer Land“: Lob für „frischen Zugang“. Die Verantwortlichen sehen sich in ihrem Weg bestätigt, sehen große Chancen in regionaler Klimapolitik und freuen sich auf weitere „Volunteers“.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 07. Mai 2021 (04:21)
Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise bei der Preisübergabe in St. Pölten: Vizebürgermeister Stefan Lang (Retz), Bürgermeister Fritz Schechtner (Hardegg), Projektmitarbeiterin Theresa Brandstetter, stellvertetende Geschäftsführerin Petra Schön (Klimabündnis), LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Projektmitarbeiterin Stefanie Leitner, Klimamodellregions-Manager Gregor Danzinger, Präsident Alfred Riedl (Österreichischer Gemeindebund), Bürgermeister Manfred Nigl (Retzbach), Vizebürgermeister Hans Divotgey (Schrattenthal) und Bürgermeister Leo Ramharter (Pulkau).
NLK/Burchhart, NLK/Burchhart

Photovoltaik-Errichtung, lokaler Strommarktplatz, engagierte Volunteers: Überglücklich sind die Verantwortlichen der Klimamodellregion „Unser Klima Retzer Land“, dass sie aus über 1.800 Gemeinden in 27 Ländern mit dem europäischen Klima-Award „Climate Star“ ausgezeichnet wurden. Die NÖN sprach darüber mit Retzer-Land-Obmann Manfred Nigl und Gregor Danzinger, Leiter der 2019 von den Gemeinden des Retzer Landes gegründeten Klimamodellregion. Die wird durch die Programme KEM und KLAR! des österreichischen Klimafonds gefördert.

NÖN: Bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens reiht sich die Klimamodellregion Retzer Land in eine Reihe internationaler Preisträger beim „Climate Star“. War das Ihr Plan?

Nigl: Wir waren natürlich sehr überrascht und hoch erfreut, bereits so früh für die bisherige Klimaschutzarbeit in unseren Gemeinden ausgezeichnet zu werden. Das bestärkt uns auf unserem Weg und zeigt uns, dass unsere Arbeit richtig ist und wir nach Kräften an Verbesserungen fürs Retzer Land weiterarbeiten werden.

Was ist das Besondere an der Arbeit, die euch den Preis beschert hat?

Danzinger: Im Wesentlichen hat die internationale Jury unser frischer Zugang zum Thema beeindruckt: Bislang wurde zu wenig erkannt, dass vernünftige, regionale Klimapolitik enorm viele Chancen für das Wohlergehen, für die Lebensqualität einer Region haben kann. Man muss es nur richtig in der Region verankern. Das Retzer Land ist eine traditionsreiche Region, die nun gemeinsam mit ihren Bürgern mutig die eigene Zukunft gestaltet. Vorne mit dabei sind unsere „Volunteers“ – junge Erwachsene, die uns tatkräftig bei unseren Projekten unterstützen.

Sie haben in der Kategorie „BürgerInnenbeteiligung“ gewonnen. Wie ist es gelungen, beispielsweise rund 400 Gäste zur Klima-Gala im Jänner 2020 zu locken?

Nigl: Da wurden unsere eigenen Erwartungen weit übertroffen. Wir alle waren beeindruckt von dem regelrechten Ansturm. Es hat gezeigt, dass der Zeitpunkt offenbar der richtige ist: Die Menschen haben erkannt, dass man sich nicht auf andere verlassen sollte, sondern bei sich daheim die notwendigen Veränderungen am einfachsten selbst starten kann. Über 200 Bürger haben sich ja bereits bei unserer ersten Photovoltaik-Offensive beteiligt. Die Nachfrage nach eigenen PV-Anlagen am Hausdach ist enorm gestiegen. Ein toller Start hin zur Selbstversorgung mit sauberer, erneuerbarer Energie aus der eigenen Region.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Klimamodellregion?

Danzinger: Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig ländliche, regionale Strukturen plötzlich werden können. Das wird durch die Klimakrise noch stärker spürbar werden. In erster Linie wünsche ich mir, bei den kommenden, „echten“ Veranstaltungen möglichst viele Menschen motivieren und miteinander vernetzen zu können, um die nächsten Projekte fürs Retzer Land zu entwickeln. Gemeinsam sind wir stärker, jeder soll einen Beitrag leisten können. Und natürlich freuen wir uns immer über neue „Volunteers“, die zu uns an Bord kommen.

Nigl: Mein Wunsch ist fürs Erste eigentlich ein bescheidener: Bäume in unseren Ortschaften sind nicht nur schön anzusehen, sie sind auch die besten „Klimaanlagen“ für heiße Sommer, die ja intensiver werden. Es wäre schön, wenn wieder mehr im Bewusstsein der Menschen ankommt, dass wir unsere Bäume brauchen. Das sollte uns das bisschen Laubrechen im Herbst schon wert sein. -cr-