Caritas und Pollak warfen Herd mit Behinderten an. Menschen mit Behinderung bereiteten mit der Hilfe von Haubenkoch Harald Pollak ein gesund-regionales Drei-Gänge-Menü zu.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 19. Januar 2018 (05:11)

Emsig bereitete jeder in der Küche am Caritas-Bauernhof ein gesundes Drei-Gänge-Menü zu: Elf Personen nahmen an diesem Kurs teil. Alle stammen aus Caritas-Behinderteneinrichtungen im Weinviertel, aus Retz, Unternalb und Zellerndorf. Ein Mann vom Fach begleitete sie am Donnerstag der Vorwoche.

Retzbacherhof-Chef Harald Pollak hatte sich bereit erklärt, Menschen mit Behinderung das Kochen näherzubringen. „Unentgeltlich“, freut sich Elisabeth Saliger-Seidl, Organisatorin und pädagogische Koordinatorin im Wohnhaus Hollabrunn. Die Caritas bietet regelmäßig Weiterbildungen für ihre Klienten an. „Wir haben heuer die Schwerpunkte auf gesunder Ernährung und Bewegung.“ Das Interesse am Kochkurs war so groß, dass eine Fortsetzung noch heuer stattfinden wird.

Die meisten Kursteilnehmer leben in Wohnungen, einige direkt in Behinderteneinrichtungen. Sie sollen verstärkt den Kochlöffel schwingen, an Vitaminen und Nährstoffen Geschmack finden. „Wir haben heute schon besprochen, dass es immer auf das Maß ankommt, und wir wollen unsere Klienten dahingehend sensibilisieren“, ergänzt Saliger-Seidl.

Regionalität gehört zur gesunden Ernährung

Karfiolsuppe, Kalbsrahmgulasch mit Butternockerln und Schokobrownies standen am Speiseplan. „Für mich bedeutet gesund, regional“, dachte Pollak während der Menü-Zusammenstellung auch an lange Transportwege. „Tofu aus China ist auch nicht gesund.“ Sein Wirtshaus in Unterretzbach bezieht Bio-Eier der freilaufenden Hühner und Bio-Gemüse aus dem Garten in Unternalb, allesamt gepflegt von Menschen mit Behinderung und ihren Betreuern.

Die Hobby-Köche waren wissbegierig, fragten zum Beispiel, woher Pollak wisse, wann welches Gewürz verwendet wird. Und sie brachten selbst Wissen mit: „Ich gebe Essig dazu, wegen des Geschmacks“, erzählte eine Dame, während der Zwiebel im Gulaschtopf schwitzte. „Und weil der Essig bewirkt, dass der Paprika rot bleibt“, stieg Pollak ins Fachsimpeln ein.

Er hatte sichtlich Spaß: „Mir geht da immer das Herz auf. Es bereitet mir Freude, Menschen, die es im Leben nicht so gut wie wir erwischt haben, eine Freude zu bereiten.“ Eine Herausforderung sei der Kurs für Menschen mit Behinderung schon, „weil man nicht weiß, wie‘s angenommen wird“ oder wo die Grenzen bei den motorischen Fähigkeiten liegen. Probleme traten aber keine auf.

„Man hat schon gemerkt, wenn man ihnen Verantwortung gibt und ihnen zeigt, wie‘s geht, sind sie selbstbewusster“, resümierte Pollak.