Rennstrecke in Göllersdorf? Polizei muss her. Die Gemeinde will die Wienerstraße als Rennstrecke entschärfen und bittet um vermehrte Polizeipräsenz.

Von Sandra Frank. Erstellt am 03. Oktober 2019 (05:54)
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Die Wienerstraße in Göllersdorf gilt als gefährlich, weil dort Raser manchmal sogar mit über 100 km/h unterwegs sind. Die Aufsteller wurden bereits im Vorjahr angeschafft. Weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sollen folgen.

Die Wienerstraße in Göllersdorf gilt als verkehrstechnisches Problemkind. Die Fahrbahn ist gerade und breit. Das verleitet zum Rasen. Wie die Verkehrssicherheit erhöht werden kann, wird seit Jahren diskutiert. Sogar die Daten einer mobilen Tempoanzeige wurden bereits ausgewertet.

Vergangenen Mittwoch brachte die SPÖ das Thema mit einem Antrag in die Gemeinderatssitzung. „Es wird immer noch zu schnell gefahren“, erklärte Stefan Hinterberger, Vorsitzender der Roten. Zum einen wurde der Bürgermeister aufgefordert, Gespräche mit der zuständigen Abteilung im Land aufzunehmen. Zum anderen wünscht sich die SPÖ, dass die Straßenseite, die noch keinen Gehsteig hat, 2020 einen bekommt.

„Wenn die Frequenz nicht passt, dann ist die Straße mit Schutzweg gefährlicher, als ohne.“Josef Reinwein, ÖVP-Bürgermeister

ÖVP-Bürgermeister Josef Reinwein hat bezüglich der ersten Forderung bereits vorgearbeitet: Mitte September hat er bei der Bezirkshauptmannschaft einen Antrag für eine Verkehrsverhandlung gestellt. „Es soll dort miteinander etwas gemacht werden“, bat er, dass sich Vertreter aller Parteien Zeit dafür nehmen, sobald der Termin – voraussichtlich im Oktober – feststeht. Stellt sich dann heraus, dass ein Gehsteig am gewünschten Ort möglich ist, so soll in der Dezembersitzung über die Errichtung entschieden werden, damit das Vorhaben 2020 ins Straßenbaubudget aufgenommen werden kann, formulierte Reinwein einen Zusatzantrag.

Michael Deninger (Die Grünen) meinte, dass es sinnvoll wäre, über einen Zebrastreifen nachzudenken, sollte ein Gehsteig nicht realisierbar sein. „Wenn ich als Autofahrer einen Zebrastreifen seh‘, fahr‘ ich automatisch langsamer“, meinte er. Mit dieser Idee konnten sich die ÖVP-Mandatare Martin Holzer und Martin Schirmböck anfreunden. Der Gemeindechef war nicht davon überzeugt, er weiß von Experten: „Wenn die Frequenz nicht passt, dann ist die Straße mit Schutzweg gefährlicher, als ohne.“

Nachdem beide Ideen einstimmig angenommen waren, meldete sich Schirmböck erneut zu Wort. „Die billigste Maßnahme haben wir noch gar nicht besprochen!“ Die Polizei solle in der Wienerstraße öfter Verkehrskontrollen durchführen, sagte er in Richtung Herbert Poisinger. Der Sozialdemokrat ist auch Chef der Göllersdorfer Polizei. Klampfer unterstützte seinen Parteikollegen: „In Sierndorf stehen s‘ auch.“ Und da werde langsamer gefahren.

„Es macht langfristig keinen Sinn, den Ball der Exekutive zuzuspielen“FPÖ-Mandatar Ernst Suttner

„Durch Einsparungen muss ich mit sechs Leut‘ kämpfen“, erklärte Poisinger, dass ihm ein Viertel seiner Belegschaft fehle, das nicht nachbesetzt werde. „Und die meiste Zeit kämpfen wir dort drüben“, deutete der Polizist auf die benachbarte Justizanstalt. In der Nachbargemeinde Sierndorf können regelmäßigere Verkehrskontrollen stattfinden, weil der Hausleitner Posten über 13 Beamte verfüge. „Wir stehen, soweit es möglich ist“, beteuerte Poisinger.

Klampfer war das zu wenig: „Es wird nicht zu viel verlangt sein, dass dort kontrolliert wird.“ Dass dann auch Göllersdorfer zur Kasse gebeten werden, stört den VP-Mandatar nicht. „Wenn ich zu schnell fahr‘, dann muss ich zahlen. Das ist halt so, wir wollen Verkehrssicherheit.“

„Es macht langfristig keinen Sinn, den Ball der Exekutive zuzuspielen“, hält FPÖ-Mandatar Ernst Suttner bauliche Maßnahmen für nachhaltiger. Etwa Verkehrsinseln. „Das bringt Nüsse, die beschleunigen trotzdem“, meinte Schirmböck. Suttner blieb dabei: „Aber wenigstens nicht auf 80 oder 100 km/h!“

Martin Holzer schlug vor: „Und wenn wir als Gemeinde bei der Polizei um vermehrte Kontrollen ansuchen?“ Eine Aussage, die Deninger zurück in die Diskussion holte. Er habe einen solchen Antrag bereits 2015 gestellt. Reinwein formulierte daraufhin den Antrag, dass der Gemeinderat ein Ersuchen an die PI Göllersdorf sowie ans Bezirkspolizeikommando Hollabrunn um verstärkte Geschwindigkeitskontrollen in der Wienerstraße stellen werde.

Poisinger fühlte sich befangen und verließ den Sitzungssaal, sein Parteikollege Stefan Hinterberger enthielt sich, die restlichen Mandatare stimmten dem Antrag zu.