Bayer-Farm in Hollabrunn: Innovationen werden getestet. Innovationen für die Landwirtschaft werden in der Schule auf praktischen Nutzen getestet.

Von Hans Radl. Erstellt am 12. September 2019 (06:08)
Bayer/APA-Fotoservice/Hörmandinger
In der LFS Hollabrunn werden in Partnerschaft mit Bayer die Möglichkeiten nachhaltiger Landwirtschaft in der Praxis getestet. Am Foto, v.l. Peter R. Müller (Bayer), LFS-Direktor Rudolf Reisenberger, Lehrer Harald Summerer sowie Karl Neubauer und Klaus Kirsch von Bayer.

Gemeinsam mit Bayer Austria eröffnete die Landwirtschaftliche Fachschule (LFS) Hollabrunn vergangene Woche Österreichs erste „Forward Farm“ für zukunftsorientiertes Landwirtschaften. Das Projekt ist weltweit das 14. seiner Art – und doch ein wenig anders.

Die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind vielfältig und benötigen innovative Lösungsansätze, waren sich Vertreter von Bayer und der LFS sicher. „Laut einem Bericht der UNO muss sich international die Lebensmittelproduktion von 2009 bis 2050 fast verdoppeln, um die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung sicherstellen zu können“, leitete Peter R. Müller, Geschäftsführer der Bayer CropScience in Deutschland, ein.

Selbst in Österreich, einem Land, in dem die Landwirtschaft fest in den Gesellschaftsstrukturen verankert ist, sei die Bevölkerung zusehends auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln liegt laut Statistik Austria außer bei Fleisch und Wein in allen anderen Sparten deutlich unter 100 Prozent.

Für Lösungsansätze zu den vielfältigen Problemen demographischer und klimatischer Veränderungen investiert Bayer in die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen: Dazu zählen Digitalisierung, Saatgutausstreuung mit GPS und Drohnen oder die Forschung an neuen Unkrautbekämpfungsmethoden. Das Pharmaunternehmen, das vergangenes Jahr den international unter heftige Kritik geratenen Saatgut- und Herbizidhersteller Monsanto übernommen hat, errichtete dazu bisher 13 sogenannte „Forward Farms“.

„Verantwortung für den Nachwuchs“

„Mit der Landwirtschaftlichen Fachschule wurde nun die erste dieser Farmen errichtet, die nicht mit privaten Unternehmen, sondern mit einer Schule kooperiert“, erklärte Karl Neubauer, der die Bayer CropScience in Österreich leitet. Auf der einen Seite erhält Bayer die Möglichkeit, seine Technologien und Spritzmittel tiefer im österreichischen Markt zu etablieren. Auf der anderen Seite soll die Kooperation der Schule nützen, Lösungsansätze für spezifische Herausforderungen zu suchen, und den Schülern den Umgang mit modernen Technologien zu ermöglichen.

„Als Koordinationsstelle für Landwirtschaftsschulen in Niederösterreich sehen wir uns in der Verantwortung, dem Nachwuchs eine ganzheitliche und nachhaltige Philosophie sowie die technischen Fertigkeiten für eine zukunftsgerichtete Bewirtschaftung zu vermitteln“, sagte dazu Harald Summerer, Lehrer an der Schule.

Innerhalb der ersten Monate der Kooperation konnten schon verschiedene Technologien implementiert und getestet werden. Bei einem Rundgang am Gelände der Schule wurden verschiedene Konzepte der Forward Farm vorgestellt. Eines davon ist das sogenannte „Phytobac™“-System, das verhindert, dass bei der Befüllung und Reinigung von Spritzgeräten Schadstoffe in Kläranlagen oder umliegende Gewässer gelangen. „Der Schutz unseres Trinkwassers ist bei uns ein sehr präsentes Thema“, betonte Summerer, der dabei auf die Klimaveränderungen und unsichere Niederschlagsprognosen hinwies.

In Hollabrunn stehe jedenfalls nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, sondern das Austesten von modernen Lösungen. Ziel ist es, aus erster Hand zu erfahren, dass innovative und nachhaltige Landwirtschaft mit einer ökologischen und sozialen Verantwortung harmonieren kann.