Mit Maske ins Gefängnis. Insassen dürfen seit vergangener Woche wieder Besuch bekommen.

Von Veronika Löwenstein und Sandra Frank. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:55)
Desinfizieren der Hände steht für Justizbeamte seit Wochen an der Tagesordnung, ebenso das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Arbeit hinter den Gefängnismauern.
Justizanstalt Korneuburg

Wer seinen Wohnsitz in einer Justizanstalt hat, der darf nie kommen und gehen, wann er möchte. Doch so streng wie in den vergangenen Wochen war der Alltag für Insassen – und auch für die Mitarbeiter der Anstalten – noch nie.

Erst seit 11. Mai dürfen Angehörige die Gefangenen wieder besuchen. „Allerdings ist vorerst nur ein Glasscheibenbesuch zulässig“, wie Christina Ratz, Sprecherin des Justizministeriums auf NÖN-Nachfrage mitteilt. Langzeitbesuche – Insassen treffen ihren Partner in sogenannten „Kuschelzellen“ – sind derzeit nicht gestattet.

Trotz der langen Trennungsphase gebe es keinen Besucherandrang, zumindest in der Sonnberger Justizanstalt (Bezirk Hollabrunn). Seit 11. Mai wurden etwa 20 Anmeldungen für Besuche pro Woche verzeichnet, vor Corona waren es durchschnittlich 50. Aber: „Das Angebot der Videotelefonie in der JA Sonnberg wird mit rund 60 Telefonaten pro Woche sehr gut genutzt“, betont Ratz. Gleich geblieben sind die Besuchsanfragen in der Justizanstalt Göllersdorf (Bezirk Hollabrunn) mit etwa 25 pro Woche.

In der Korneuburger Justizanstalt wurden die Angehörigenkontakte ebenfalls mittels Videotelefonie aufrechterhalten, „zusätzlich konnten die Insassen nahezu täglich mit ihren Angehörigen telefonieren“, sagt die stellvertretende Anstaltsleiterin Seada Killinger. Jetzt, wo persönliche Besuche wieder erlaubt sind, verhindert ein Besucheranmeldesystem längere Wartezeiten. „Auch die standardisierten Sicherheitsmaßnahmen, das Abstandsgebot und Flächendesinfektion nach jedem Besuch können so gewährleistenwerden“, verweist die Anstaltsleiter-Stellvertreterin.

Neuzugänge wurden 14 Tage isoliert

Coronafall habe es in der JA Korneuburg keinen gegeben, berichtet Killinger. Die Mitarbeiter müssen sich – abgesehen von den allgemeinen Hygienemaßnahmen – vor jedem Dienstantritt einer Körpertemperaturmessung unterziehen und einen Nasen- und Mundschutz tragen.

Jeder Insasse, der in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert wird, muss sich einer Körpertemperaturmessung unterziehen. Zur Verhinderung einer Ausbreitung einer möglichen Infektion werden die Neuzugänge für 14 Tage in eine spezielle Zugangsabteilung untergebracht.

„Erst nach Freigabe der Anstaltsärztin oder der Anstaltsleitung dürfen sie auf eine andere Abteilung innerhalb der Justizanstalt Korneuburg verlegt werden“, erklärt Killinger. „Uns war es wichtig, die Insassen zu jedem Zeitpunkt über die Ausbreitung der Corona-Pandemie sowie die Maßnahmen regelmäßig und umfassend zu informieren.“ Die entsprechenden Verhaltensregeln wurden als Piktogramme und anderes Informationsmaterial an die Insassen weitergegeben.

Insassen der JA Sonnberg hielten während des Corona-Lockdowns via (Video-)Telefon Kontakt mit ihren Angehörigen.
Frank

Auf dem Gelände der Sonnberger Anstalt sind Pferde eingestellt, um die sich die Insassen kümmern. Ein Monat waren die Pferdebesitzer von ihren Tieren getrennt, seit 15. April dürfen sie ihre Pferde wieder bewegen. „Dies jedoch nur zu festgelegten Zeiten und ausschließlich dann, wenn Insassen der JA Sonnberg nicht im Gutshof arbeiten“, betont die Justizsprecherin. Während ihres Aufenthalts müssen die Pferdebesitzer im Anstaltsbereich eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen, das Abstandsgebot von einem Meter einhalten und auch alle anderen Hygienemaßnahmen wie regelmäßige Desinfektion strikt beachten.

Apropos Schutzmasken: Auf die Nachfrage hat die JA Korneuburg rasch reagiert und eine Maskenproduktion gestartet. „Seit Beginn der Krise wurden über 6.000 Masken hergestellt“, weiß Killinger. Ein Teil davon wird für den Eigenbedarf der Justizanstalt Korneuburg verwendet, der Rest wird anderen Justizanstalten zur Verfügung gestellt.