Göllersdorfer Bariton: „Ich bleibe optimistisch“. Der Bariton Thomas Weinhappel sieht sich wegen des Coronavirus mit einer Reihe von Absagen konfrontiert. Wie er die aktuelle Situation meistert, schildert er der NÖN.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 19. März 2020 (05:42)
Wie Bariton Thomas Weinhappel mit den Absagen – zehn Don-Giovann-Auftritte wurden abgeblasen – umgeht und mit welchem Gefühl er in die Zukunft blickt, erzählt der gebürtige Göllersdorfer im NÖN-Gespräch.
Weinhappel

Bariton Thomas Weinhappel hätte eigentlich ein gut gefülltes Auftragsbuch. Die Corona-Pandemie macht ihm und seiner Karriere allerdings einen Strich durch die Rechnung. So gut wie alle – vor allem im Opernbereich – internationalen Produktionen sind abgesagt oder auf Eis gelegt. Letztes Indiz für die Gefährlichkeit war für den Sänger die Situation, als er quasi mit dem letzten Flug von Spanien nach Österreich zurückkam. Was dem Göllersdorfer Sorgen bereitet und warum er trotzdem optimistisch bleibt, erzählt er im NÖN-Interview.

NÖN: Ein China-Gastspiel mussten Sie absagen. Wo wären Sie dort aufgetreten?

Thomas Weinhappel: Ich hätte die Ehre gehabt, in einem der größten und berühmtesten Hotels in Peking, dem Kempinski-Hotel, Österreich auf einem großen Ball repräsentieren zu dürfen, wie ich das schon im Vorjahr machen durfte. Sowohl ich als auch die Kollegen sind sehr traurig über die Absage.

„Man darf den Kopf nicht hängenlassen, es wird auch eine Zeit nach Corona geben!“

Wie sieht es in so einem Fall mit dem Honorar aus?

Dass in diesem Fall das Honorar ausfällt, ist angesichts der vielen Erkrankten und Toten eigentlich kein Thema für mich. Zum Glück bin ich nicht mit dem goldenen Löffel im Mund groß geworden und kann mich einschränken. Auch die Soforthilfe der Bundesregierung, die so schnell angekündigt wurde, macht mir Mut, dass ich nicht nur diesen Honorar-Ausfall, sondern auch den der entgangenen zehn „Don Giovanni“-Vorstellungen wirtschaftlich verkraften werde.

Sind Sie selbst ob der Lage beunruhigt?

Als Künstler und als Familienvater mache ich mir natürlich Gedanken, wie jeder von uns. Aber ich bleibe trotzdem optimistisch, gehe kaum aus dem Haus, widme mich meiner Familie und meinen Rollen, an denen ich ohnehin weiterarbeiten wollte. Man darf den Kopf nicht hängenlassen, es wird auch eine Zeit nach Corona geben! Ich glaube an die Botschaft eines wunderschönen griechischen Volksliedes: „Es wird bessere Zeiten geben, auch für uns!“

Machen Sie sich Sorgen um die Sommerengagements?

Obwohl ich mich auf die Produktion im Badener Stadttheater, „Die blaue Mazur“, und die Zusammenarbeit mit Michael Lakner sowie den Danilo in der „Lustigen Witwe“ in Schloss Wilfersdorf bei Mistelbach eigentlich ganz besonders freue, versuche ich, diesbezügliche Sorgen jetzt zu verdrängen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, ob die drei alten Familien bei mir im Haus genug Medikamente und Lebensmittel haben, die ich für sie einkaufen gehe. Und wichtig ist auch, dass unser Staat diesen Wahnsinn möglichst gut überlebt und möglichst viele gesund bleiben!