Rettung für den „bösen Wolf“? . Reliefs des Künstlers Karl Perl sollen auch nach Auszug von Kindergarten und Musikschule bewahrt bleiben.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 31. Juli 2020 (03:53)
Rotkäppchen und der böse Wolf; Hänsel und Gretel vor dem Knusperhäuschen – Kunst, die es zu bewahren gilt, findet Stadtführer Josef.
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In seiner vorwöchigen NÖN-Kolumne machte sich Stadtführer Josef Sorgen um den „bösen Wolf“ in Hollabrunn. Dabei ging es freilich nicht um das lebende und geschützte Exemplar, sondern um ein Tier, das in der Brunnthalgasse im Hof des alten Kindergartengebäudes, wo jetzt noch die Musikschule untergebracht ist, zu sehen ist. Es klebt mit Rotkäppchen und zwei weiteren Reliefs (Rübezahl sowie Hänsel und Gretel) an der Rückwand im überdachten Bereich. Doch was, wenn dieses Haus nun bald verwaist ist?

Neugierige können eines der rund zwei Quadratmeter großen Reliefbilder über den Zaun blickend gerade noch erspähen. Der Stadtführer hofft, dass die Kunstaffinen in Hollabrunn bzw. die Kulturverantwortlichen der Stadt den langfristigen Verbleib der Kunstwerke sicherstellen. In Zeiten, in denen man bemüht sei, alles Abschreckende von Kinderaugen fernzuhalten, sei es nämlich schwer vorstellbar, dass der „böse“ Wolf in den neuen Kindergarten mitübersiedeln darf.

Einstige Fehler sollen nicht wiederholt werden

Warum man das als besorgter Hollabrunner rechtzeitig in Erinnerung rufen soll? Weil auch das – neben der Stadtpfarrkirche – älteste kulturhistorisch wertvolle Gebäude in Hollabrunn, das alte Spittel in der Wienerstraße, in den 70er-Jahren kommentarlos dem Bagger zum Opfer gefallen ist, weiß der Stadtführer und mahnt: „Heute sucht man das Historische der Stadt.“ 1958 sei in der Stadtpfarrkirche ein spätgotisches, über 500 Jahre altes Fresko – „Christus als Weltenrichter“ – aus Unverstand abgeschlagen worden. „Alles unwiederbringlich und daher unverzeihlich.“

Das Rotkäppchen mit seinem Wolf, der Rübezahl sowie Hänsel und Gretel sollten also kulturhistorisch verantwortungsvoll für nachfolgende Generationen gerettet werden. Die zerstörungsfreie Abnahme der Reliefs sollte durch Fachleute vorgenommen werden.

Zur Geschichte der Werke sei angemerkt, dass diese vom akademischen Bildhauer Karl Perl für Hollabrunn angefertigten Reliefs Seltenheitswert haben. Ursprünglich im Gebäude des heutigen Gymnasiums angebracht, übersiedelten die mannsgroßen Kunstwerke später ins Museum, ehe sie 1985, auf Betreiben des damaligen Stadtrats Schuster, ihren Platz am Gebäude des Kindergartens Brunnthalgasse fanden.

Perl, berühmter Künstler für Großplastiken, der für den noch berühmteren Theodor Charlemont (Erbauer des 1942 eingeschmolzenen Pfarrer Josef Strauß-Denkmals) gearbeitet hat, ist 1965 verstorben und am Südwestfriedhof in Wien begraben. „Was, wenn nicht das wenige Vorhandene, wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern an Kultur in der Stadt denn sonst hinterlassen?“, fragt der Stadtführer.

Beim kulturaffinen Stadtamtsdirektor Franz Stockinger läuft er da offenen Türe ein. „Es ist uns bewusst, dass das ein wertvolles Kleinod ist und einfach zu wichtig, um es verschwinden zu lassen.“ Konkrete Überlegungen zu einem Alternativplatz habe es noch nicht gegeben, aber: „Warten wir mal ab, ob und wann die Kunstwerke überhaupt wegkommen.“ Die Hollabrunner NÖN wird die Spur des Wolfes jedenfalls weiterverfolgen.