„Bauernfreund“ Bauernfeind sagt Adieu aus Hollabrunn. Nachfolger des scheidenden Geschäftsführers Bauernfeind soll wieder ein Österreicher sein.

Von Sandra Frank. Erstellt am 20. Juni 2019 (04:59)
Sandra Frank
Gerhard Bauernfeind (v.l.) richtete zum letzten Mal das Sortensiegerfest von Lamb Weston, bei dem Otto Auer, Richard Hogl und Christian Moser als Ehrengäste dabei waren, aus. Im Juli nimmt er seinen Hut als Geschäftsführer. Foto: Sandra Frank

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Verlässt Hollabrunn nach fünfeinhalb Jahren: GerhardBauernfeind.

Als er von einem Headhunter geholt wurde, um Geschäftsführer von Lamb Weston/Meijer (LWM) am Hollabrunner Standort zu werden, hatte sich Gerhard Bauernfeind alles sehr einfach vorgestellt: „Die Erdäpfel kommen hinten hinein und vorne als Pommes wieder heraus.“

Das ist fünfeinhalb Jahre her. Mit 15. Juli verlässt der gebürtige Salzburger den Tiefkühllebensmittel-Produzenten, um im September seinen Dienst bei Garant Qualitätsfutter in Pöchlarn (Bezirk Melk) aufzunehmen.

Wie das Sortensiegerfest entstand ...

Es habe sich viel verändert. Nicht nur, dass der scheidende Geschäftsführer nun weiß, was tatsächlich hinter dem Prozess vom Erdäpfelanbau bis zu den fertigen Pommes frites steckt. Als er im Februar 2014 die Führung in Hollabrunn übernahm, hatte der Betrieb 90.000 Tonnen Erdäpfel zur Verarbeitung zur Verfügung: „Ich hab mir gedacht: Boah, das sind viele“, lacht Bauernfeind. Doch weit gefehlt. Dem Produzenten von Erdäpfelprodukten fehlten nämlich noch 20.000 Tonnen.

Der Versuch, die fehlende Menge aufzutreiben, schlug fehl. „Aus dieser Situation heraus haben wir uns überlegt, wie wir die Beziehung zu unseren Landwirten stärken können“, erzählt Bauernfeind, wie das Sortensiegerfest, das heuer im Hetzmannsdorfer Lagerhaus abgehalten wurde, entstand.

Einschneidend sei auch das überraschende Fibronil-Verbot im Jahr 2015 gewesen. Weil es die Landwirte unvorbereitet traf, gab es keine Alternative, den Drahtwurm zu bekämpfen. „Es war eine dramatische Situation“, erinnert sich Bauernfeind.

„Unsere Wege werden sich sicher wieder kreuzen“

In Zahlen bedeutete das 3 Millionen Euro Verlust für das Unternehmen. Erschwerend kam eine feuchte Witterung hinzu, die die Erdäpfel faulen ließ. Doch auch wenn die Qualität nicht berauschend gewesen sei, LambWeston wagte den Schritt, die Ware dennoch anzunehmen und händisch auszusortieren. Die Zusatzkosten für mehr Personal wurde zwischen dem Betrieb und den Landwirten geteilt. „Wir hatten große finanzielle Verluste, aber mit der Produktionsmenge sind wir halbwegs drübergekommen.“

Geschichten wie diese, die den Zusammenhalt zwischen Produzent und Verarbeitungsbetrieb deutlich machen, sind es, die Bauernfeind mit einem „sehr großen weinenden Auge“ gehen lassen. „Ich bleib‘ ja Niederösterreich und der Lebensmittelbranche im weiteren Sinne erhalten. Unsere Wege werden sich sicher wieder kreuzen“, fällt ihm der Abschied hörbar schwer, nicht zuletzt, weil Bauernfeind bei LWM ein „tolles Team“ um sich hat.

Stolz ist er, weil der Hollabrunner Standort am Tag des Sortensiegerfestes (14. Juni) exakt 793 Tage unfallfrei war. „Ein sicheres Arbeitsumfeld ist mir ein Herzensanliegen.“

Wenn er den 2010 in Hollabrunn eingestiegenen niederländischen Konzern im Juli verlässt, wird ein interimistischer Geschäftsführer in seine Fußstapfen treten. „Es wird ein Österreicher als Nachfolger gesucht. Das finde ich gut. Es braucht jemanden, der das Land und die Menschen kennt.“