Nordwestbahn: „Müssen Phalanx zum Bund bilden“. Grün und Rot im Bezirk Hollabrunn sind überzeugt: Ziehen alle an einem Strang, ist zweigleisiger Ausbau bald zu realisieren.

Von Sandra Frank und Christoph Reiterer. Erstellt am 16. Januar 2019 (05:36)
SP, Enzmann
SP-Bürgermeister Herbert Goldinger versteht Hogls Anfeindungen nicht.

Seine Wutrede zum Bahnstreit beim VP-Neujahrsempfang bescherte Landtagsabgeordnetem Richard Hogl einen Rauswurf aus der Facebook-Gruppe „Infos für ÖBB-Reisende zwischen Retz und Wien“. Den Administrator ärgerte, „dass sich Hogl so derb über uns Pendler geäußert hat“.

„Von Schuldzuweisungen haben die Pendler nichts“

Nicht nur auf der Social-Media-Plattform stößt der Landtagsabgeordnete auf Kritik. Georg Ecker, der für die Grünen im Landtag sitzt, reagierte – wie auf NÖN.at berichtet – als Erster: „Von Schuldzuweisungen und dem Abschieben der Verantwortung haben die Pendler auf der Nordwestbahn nichts“, liege der Handlungsbedarf klar auf niederösterreichischem Boden. Der Hollabrunner ist überzeugt: Setzen sich alle Fraktionen auf Landes- und Bundesebene mit Vehemenz für den Ausbau der Nordwestbahn ein, wird auch etwas passieren.

Richard Pregler, SP-Vorsitzender im Bezirk, ist ebenfalls Mitglied der Social-Media-Gruppe. „Die ist super, da werden Verspätungen sofort gepostet.“ Weil die Gruppe eben eine Informationsfunktion habe, gebe er dort keine politischen Statements ab. Dass Hogl aus der Gruppe geworfen wurde, bedauert er: „Dort hat er wenigstens noch mitbekommen, wie die Situation wirklich ist.“

Er konzentriere sich mittlerweile hauptsächlich auf die Gemeindepolitik, die Anfeindungen von ÖVP-Bezirkschef Hogl rund um die Forderungen eines zweigleisigen Nordwestbahn-Ausbaus locken aber auch SPÖ-Urgestein Herbert Goldinger aus der Reserve. „Mit dieser Mehrheit könnte er viel gelassener sein und auf die Opposition zugehen“, versteht der Mailberger Bürgermeister die verbalen Angriffe nicht. Und ergänzt mit einer Portion Galgenhumor: „Wir sind ja schon fast eine schützenswerte Minderheit.“

Goldinger hält es jedenfalls für völlig unrealistisch, dass Wien zusätzliche Milliarden wegen eines Verspätungsproblems investiert, das in Niederösterreich aufgeht. Abgesehen davon spreche nicht nur der Kostenfaktor, sondern auch der Zeithorizont für ein NÖ-Projekt: „Wenn wir Bürgermeister geschlossen darauf drängen, anstatt auf andere hinzuhacken, und eine Phalanx zum Bund bilden, dann ist der zweigleisige Ausbau in den nächsten fünf Jahren zu realisieren“, ist Goldinger überzeugt und appelliert, lösungsorientiert statt gehässig zu agieren.