Nordwestbahn: Zweites Gleis steht nun am ÖBB-Plan. ÖBB-Rahmenplan berücksichtigt selektiven zweigleisigen Ausbau. Ein konkreter Zeitplan fehlt aber noch.

Von Christoph Reiterer und Sandra Frank. Erstellt am 21. Oktober 2020 (04:24)
Eine Verbesserung für die Pendler sei durch den ÖBB-Rahmenplan 2021-2026 nun immerhin in Sicht. Jubeln wollen Alfred Babinsky, Richard Hogl und Eva-Maria Himmelbauer aber erst, wenn ein konkreter Zeitplan vorgelegt wird.
Hans Gschwindl

Nachdem der Hollabrunner Grünen-Landtagsabgeordnete Georg Ecker über einen konkreten Planungsauftrag für einen selektiven zweigleisigen Ausbau der Nordwestbahn jubelte und von einem Meilenstein für leidgeplagte Pendler im Bezirk Hollabrunn sprach, meldeten sich nun auch ÖVP und SPÖ zum ÖBB-Rahmenplan 2021-2026 zu Wort. Allerdings wesentlich verhaltener. Ecker unterstreicht: „Der Ausbau kommt!“

Der ÖBB-Rahmenplan, den Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Die Grünen) präsentiert habe, bringe „eine realistische Chance auf eine baldige Verbesserung der Situation für die Pendler der Region“, heißt es in einer Aussendung der Bezirks-ÖVP. Landtagsabgeordneter Richard Hogl ist erfreut: „Endlich wird die von mir seit Langem geforderte Verlängerung von Bahnsteigen, insbesondere in Wien, angegangen.“ So können auf der Strecke längere Züge zum Einsatz kommen. Damit ist es möglich, die Transportkapazitäten speziell in den Morgen- und Abendstunden deutlich zu erhöhen.

„Die Schnellstraße S3 kam bereits 1967 im Rahmenplan des damaligen Verkehrsministeriums vor!“ ÖVP-LandtagsabgeordneterRichard Hogl

Hogl habe nämlich bereits einen selektiven zweigleisigen Ausbau der Strecke Stockerau-Retz gefordert, als alle anderen noch auf einen durchgehenden zweigleisigen gepocht hätten. Letzterer sei aufgrund der zu geringen Personen- und Gütertransportzahlen weder notwendig noch finanzierbar. Georg Ecker, aber auch die SPÖ, hätten in den Diskussionen das Land NÖ und das (schwarze) Finanzministerium für einen solchen Plan verantwortlich gemacht.

Hogl erinnert daran, dass er gemeinsam mit seinen Landtagskollegen Manfred Schulz (Bezirk Mistelbach) und Jürgen Maier (Bezirk Horn), der außerdem Verkehrsausschussobmann ist, seit dem Frühjahr dieses Jahres durch Pressekonferenz und Briefe Druck auf die zuständige Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) aufgebaut habe. „Ecker sagte damals, er bekomme keinen Termin bei der Verkehrsministerin“, sagt Hogl, dem es wichtig ist, einige Dinge klarzustellen. „Ich frage den jubelnden Abgeordneten Ecker: Wie sieht der Zeitplan der Umsetzung im Rahmenplan aus?“

ÖVP-Himmelbauer: „Wir bleiben dran“

Diese Frage sei eben besonders wichtig, weil: „Die Schnellstraße S 3, die jetzt kurz vor der Fertigstellung steht, kam bereits 1967 im Rahmenplan des damaligen Verkehrsministeriums vor!“

Georg Ecker, Landtagsabgeordneter der Grünen, am Göllersdorfer Bahnhof. Hier verbringen die Pendler oft eine ungeplante lange Wartezeit aufgrund der Eingleisigkeit der Nordwestbahnstrecke, da mitunter verspätete Gegenzüge abgewartet werden müssen.
Reiterer

Tatsächlich ist im ÖBB-Rahmenplan vom selektiven zweigleisigen Ausbau der Nordwestbahn als „strategischer Ausblick“ und „Planungsprojekt“ die Rede. Hier schaltet sich ÖVP-Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer ein: „Da müssen und werden wir dranbleiben, damit es nicht nur bei einem Planungsprojekt bleibt, sondern auch zum Bau kommt.“ Sie ist froh, dass nach jahrzehntelangem Stillstand – „unter blauen und roten Verkehrsministern“ – endlich Bewegung in die Sache kommt. „Aber jetzt schon in Jubel auszubrechen halte ich für verfrüht.“

Der Bahnausbau ist auch für den Stadtchef Alfred Babinsky ein vorrangiges politisches Anliegen, immerhin wachse die Bezirkshauptstadt dynamisch. „Der Ausbau des Mobilitätsangebots muss mit dieser Entwicklung unbedingt Schritt halten.“