Rührselige Geschichte war ein großer Fake

Ein 48-Jähriger tischte seinen Opfern aus dem Bezirk Hollabrunn Lügen auf, um Geld zu erschnorren. Auf der Anklagebank war er kleinlaut und gestand seine Schuld ein.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:09
Lesezeit: 2 Min
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Am Hollabrunner Bezirksgericht zeigte sich ein Betrüger geständig, der seinen Opfern Geld abschnorrte. 
Foto: NÖN

Er sei ein syrischer Flüchtling, der alleine nach Österreich flüchtete, seine gesamte Familie sei ermordet worden. Er sei so dankbar, aufgenommen worden zu sein. Jetzt habe er sogar einen Job und brauche nur Geld für ein Fahrticket.

Diese rührselige Geschichte tischte ein 48-jähriger Arbeitsloser seinen Opfern auf, wenn er sie um Geld anschnorrte. In den meisten Fällen versprach er, es zurückzugeben. Nun musste sich der Mann am Bezirksgericht Hollabrunn wegen Betrugs verantworten.

Die Masche funktionierte lange, ehe es zur Anzeige kam. Sechs Personen wurden ausgeforscht, die um ihr Geld betrogen worden sind. „Ich bin momentan spielsüchtig“, erklärte der Wiener Neustädter kleinlaut und bekannte sich schuldig. „Ich fange morgen an zu arbeiten und kann dann das Geld zurückzahlen“, behauptete er vor Richter Erhard Neubauer.

150 Euro für Fahrkarten und Essen

Unter den Opfern waren auch zwei Personen aus dem Bezirk: „Ich saß im Auto, als er an mein Fenster klopfte“, schilderte ein 62-jähriger Zeuge aus dem Land um Hollabrunn. Der Mann habe erzählt, er hätte Arbeit im Hollabrunner Pflegeheim bekommen, wohne aber in Reichenau an der Rax. Für die Fahrkarte brauche er Geld. „Also hab’ ich ihm 50 Euro gegeben.“ Doch das war nicht genug: „Er hat gesagt, er muss öfter fahren“, zückte der 62-Jährige einen weiteren 50er. „Essen muss er auch …“, und ein weiterer 50-Euro-Schein wechselte den Besitzer. Der Angeklagte habe gesagt, er zahle das Geld zurück.

Derselben Version ging eine 61-jährige Hollabrunnerin auf den Leim. Der vermeintliche Syrer habe sie in ein Gespräch verwickelt, von seiner ermordeten Familie erzählt. „Ich spende sonst auch“, dachte sich die Dame und gab 20 Euro. „Er hat noch einen 50er in meiner Geldbörse gesehen und mich bedrängt, ihm den auch zu geben.“ Er wollte außerdem ihre Adresse, damit er ihr das Geld zurückgeben kann. „Das wollte ich aber nicht, ich hatte Angst, dass er dann vor meiner Tür steht.“ Die 50 Euro gab sie dem Mann dann doch.

Insgesamt waren vier Opfer im Zeugenstand, zwei konnten aufgrund ihres hohen Alters den Gerichtstermin nicht wahrnehmen. Nur ein Opfer schilderte, vom Angeklagten beschimpft worden zu sein. „Er hat alle Österreicher als Nazis bezeichnet.“ Darum habe er ihm kein Geld gegeben. Und: „Ich würd’ ihm den Flug nach Syrien bezahlen, weil er sich bei uns ja nicht wohlfühlt.“

„Er ist gar nicht aus Syrien, er ist Marokkaner“, klärte der Richter auf. „Das ist lupenreiner Betrug“, verhängte er eine zweimonatige Bewährungsstrafe. Der 48-Jährige nahm das Urteil an und muss das erbettelte Geld zurückzahlen.

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