Retzer „Unterhosen-Affäre“: Warten auf Urteil. Es steht Aussage gegen Aussage: Elisabeth Germann bleibt vor Gericht dabei, dass Helmut Koch vor ihr die Hose geöffnet habe. Der bestreitet das und hält seine Klage auf Widerruf und Unterlassung aufrecht. Richter Oskar Maleczky muss nun ein Urteil fällen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 20. September 2019 (16:03)
NÖN (Rathaus Retz), Enzmann (Koch), SPÖ (Germann)
Wirbel im Retzer Rathaus (Foto links): Stadträtin Elisabeth Germann (SPÖ, rechts unten) behauptet, Bürgermeister Helmut Koch (ÖVP, rechts oben) habe vor ihr seine Hose geöffnet. Der Stadtchef klagt Germann auf Widerruf und Unterlassung. Fotos: NÖN (Rathaus Retz), Enzmann (Koch), SPÖ (Germann)

Die Retzer Unterhosen-Affäre beschäftigte Richter Oskar Maleczky am Landesgericht Korneuburg.

SPÖ
Stadträtin Elisabeth Germann (SPÖ) behauptet, der Bürgermeister habe vor ihr seine Hose geöffnet.

Wie berichtet ( siehe hier und unten)., hatte die Retzer SPÖ-Stadträtin Elisabeth Germann in einem offenen Brief an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Medien im Sommer gefordert, dass ÖVP-Bürgermeister Helmut Koch zurücktreten und aus der Partei ausgeschlossen werden solle, weil er sich ihr gegenüber unsittlich verhalten habe.

In einer Besprechung mit Volksschuldirektorin Susanne Zlöbl soll Koch gesagt haben, dass er seinen Kaffee schwarz trinke, weil er schwarz bis auf die Unterhose sei. Da habe er auch seine Hose geöffnet, um die Unterwäsche zu zeigen. Das stimme nicht, sagte Koch und klagte  Germann auf Widerruf und Unterlassung.

Retzer Stadtchef steht zu seinem Sager

„Zu dem Sager steh‘ ich. Sie können zehn Leute in Retz durchrufen, sie werden Ihnen bestätigen, dass ich das immer sage. So bin ich“, gab der Stadtchef vor Gericht zu. Es stimme aber absolut nicht, dass er nachgesehen habe, welche Farbe seine Unterhose an diesem besagten Tag tatsächlich hatte. „Es war so eine Erniedrigung. Nicht nur für mich, auch für unsere schöne Stadt“, erinnerte sich Koch an die mediale Aufmerksamkeit, die bis nach Deutschland reichte.

Enzmann
Bürgermeister Helmut Koch (ÖVP) klagt Germann auf Widerruf und Unterlassung.

In der Stadtratssitzung Ende Juni habe Germann den Vorfall ansprechen wollen. „Sie war so nervös und hat gezittert wie ein Lampelschwoaf. Keiner hat überhaupt verstanden, worum es geht“, schilderte Koch. Niemand habe darum auf ihre Ausführungen reagiert und die Sache besprochen.

„Ich bin nicht gewohnt, in Sitzungen ausreden zu dürfen und hab‘ mir sogar einen Schummler geschrieben“, erklärte Germann. Auf diesem „Schummler“, den sie dem Gericht vorlegte, waren drei Punkte angeführt, die sie in der Sitzung besprechen wollte. Der letzte war die Unterhosen-Affäre. „Der Bürgermeister hat mich sogar in der Uhrzeit korrigiert und bestätigt, dass seine Unterhose an diesem Tag gestreift und nicht schwarz war“, bestritt Germann, dass die Causa im Stadtrat nicht besprochen worden sei.

Germann stand unter Schock: "Ich war sprachlos"

Wie sie sich gefühlt habe, nachdem Koch angeblich seine Hose geöffnet habe, wollte der Richter wissen. „Ich war sprachlos. Ich kenne die Sprüche, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass er sie in die Tat umsetzt.“ Germann habe selbst gesehen, wie der Bürgermeister die Hose öffnete. „Die Farbe der Unterhose habe ich nicht erkannt, weil er das Hemd so raufgewurschtelt hatte.“ 

NÖN

Heribert Donnerbauer, der Helmut Koch in dieser Sache als Anwalt vertritt, hakte nach: „Aus Ihrer Sicht war das ein massiver Vorfall. Warum haben Sie nicht reagiert? Oder sind zumindest gegangen?“ Sie sei zu schockiert gewesen und habe nicht reagieren können, so Germann.

Volksschuldirektorin hat Unterhosen-Vorfall nicht gesehen

Susanne Zlöbl war zwar während des Vorfalls im selben Raum, aber: „Ich bin mit dem Rücken zu den Herrschaften gestanden, um Kaffee zu machen.“ Sie habe nichts Ungewöhnliches gesehen oder gehört. „Es war wie immer. Die Atmosphäre war gelöst.“

Gerhard Zanger, Verteidiger von Elisabeth Germann, wollte der Volksschuldirektorin einen Sammlung mit Sprüchen des Bürgermeisters vorlegen. „Er kann sonst der größte Rassist sein. Seine verbalen Ergüsse sind hier nicht Thema, es geht um die Handlung, die er gesetzt haben soll“, ließ der Richter die Frage nicht zu.

Zentrale Frage: Hat Koch die Hose aufgemacht?

Stadtrat Walter Fallheier (Liste „Wir für Retz“) war ebenfalls vorgeladen. Er bestätigte, dass Germann in der Stadtratssitzung vorgelesen hatte, was sich in der Volksschule ereignet hatte. „Es hat aber niemand reagiert, es gab keine Stellungnahmen und auch keine Aufregung.“ Er habe mit Koch über die Unterhosen-Sache gesprochen, wann genau, wisse er aber nicht mehr. „Die zentrale Frage ist: Hat er seine Hose aufgemacht“, warf Donnerbauer ein. „Aufmachen war nie ein Thema, nur die Farbe“, erinnerte sich der Stadtrat an das Gespräch.

Ob Koch an diesem Tag einen Gürtel getragen hatte, wollte Donnerbauer von seinem Mandanten wissen. „Selbstverständlich. Ich trage immer einen Gürtel. Auch heute.“ Mit diesen Worten stand Koch auf und zeigte seinen Gürtel her.

Richter Maleczky und Fallheier versuchten zu vermitteln

Fallheier appellierte an die Parteien, einige Schritte zurück zu machen und eine gemeinsame gute Lösung zu finden. „Wer urteilt, kann irren, wer verzeiht, irrt nie.“

Auch der Richter versuchte, ohne Urteil auszukommen: „Würde Ihnen ein Bedauern genügen?“, richtete er seine Frage an Koch und Donnerbauer. Diese verneinten. Es müsse klar zurückgenommen werden, dass der Bürgermeister seine Hose geöffnet habe. „Sie kann nur bedauern, dass es die Medien so aufgenommen haben. Damit konnte sie nicht rechnen“, meinte Zanger. Ihre Aussage selbst könne Germann nicht bedauern, da es sich so zugetragen habe.

„Sie sehen, es ist Wahlkampfzeit“, schloss Maleczky die Verhandlung. Jetzt warten die beiden Parteien auf sein Urteil.