Mutter & Tochter als Hebammen: „Absoluter Traumjob“. Mutter und Tochter sind als Hebammen im Hollabrunner Landesklinikum im Einsatz.

Von Sandra Frank. Erstellt am 15. Januar 2020 (05:16)
Hebamme Ramona Bischof-Ronge tastet bei der Untersuchung der schwangeren Barbara Huber (24) den Bauch ab. Wenige Stunden später brachte sie einen gesunden Buben zur Welt.
Sandra Frank

Wer in den vergangenen drei Jahrzehnten im Hollabrunner Krankenhaus ein Kind bekommen hat, kam an dem Namen Bischof kaum vorbei: Andrea Bischof feierte im Jahr 2019 dort ihr 35. Jahr als Hebamme. Ihre Tochter Ramona hat 2020 ihr zehnjähriges Jubiläum, ebenfalls als Hebamme im Landesklinikum.

Die NÖN traf das Mutter-Tochter-Gespann, um herauszufinden, woher die Leidenschaft für diesen Beruf kommt und warum dieser weit mehr umfasst, als „nur“ ein Kind im Kreißsaal zu entbinden.

Die kleine Larissa Enachi mit ihren Eltern Cerasela und Alex, die die Stillberatung von Andrea Bischof (l.) im „ProMami“, das es im Herbst seit 25 Jahren gibt, gern in Anspruch nehmen.
Frank

Andrea Bischof ist bereits in jungen Jahren Tante geworden. Seitdem stand für sie fest: Ihr Beruf soll etwas mit Kindern zu tun haben. Ihre erste Wahl war Kinderkrankenschwester, doch dieser Beruf war damals überlaufen, sie hätte keine Chance auf eine Ausbildung gehabt. „Darum hab’ ich seit meinem 14. Lebensjahr der Hebammenakademie geschrieben, dass ich komm’“, erzählt die heute 55-Jährige mit einem Schmunzeln.

Mit 18 Jahren kam sie dann tatsächlich und absolvierte die Ausbildung zur Hebamme. „Ich hab’s nie bereut, es ist mein absoluter Traumberuf – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.“ Für die (werdenden) Mütter sind die Bischofs rund um die Uhr erreichbar.

Mutter über Tochter-Reaktion: „Ich hab’ gedacht, es haut sie um“

Kurze Zeit verrichtete Andrea Bischof ihren Dienst in der Wiener Semmelweis-Klinik, seit 1984 ist die Dietersdorferin aber in Hollabrunn stationiert. Und wie entdeckte ihre Tochter Ramona die Liebe zum Hebammenberuf? „Ich war schnuppern und habe am 24.12.2001 meine erste Geburt gesehen.“ Ab da war für die heute 34-Jährige klar, dass sie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten will. Diese hatte mit einer anderen Reaktion gerechnet: „Ich hab’ gedacht, es haut sie um“, erzählt Andrea Bischof lachend.

Nun sind die beiden freiberufliche Hebammen, die 55-Jährige betreibt das „ProMami“ in der Hollabrunner Färbergasse. Dort beantwortet sie Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und die Entwicklung des Kindes.

Im „ProMami“ arbeitet Ramona Bischof-Ronge mit, setzt aber außerdem auf Trage- und Stoffwindelberatung. „Das Tragetuch ist ein tolles Hilfsmittel, um den Alltag zu erleichtern.“ Der Tragende werde entlastet, das Kind durch die Nähe beruhigt. Verwöhnt werde es dadurch nicht, betont die 34-Jährige, die selbst Mutter ist.

Stoffwindeln empfehlen die Hebammen aus ökologischen Gründen, denn ein Kleinkind verbraucht etwa 5.000 Wegwerfwindeln, bis es sauber ist. Durch den Windelgutschein werden Stoffwindeln finanziell gefördert. Außerdem würde sich die Hüfte des Babys besser entwickeln.

 

„Auch die starken Männer werden da ganz emotional.“Ramona Bischof-Ronge über ihre Erfahrungen aus dem Kreißsaal.

Den beiden Frauen fällt in ihrem Beruf auf, dass sich werdende Mütter am Land oft zu wenig auf die Geburt vorbereiten. „Weil der Gedanke vorherrscht, dass unzählige Frauen vor ihnen ja Kinder bekommen haben und es schon irgendwie gehen wird“, kennt Bischof die Einstellung vieler Frauen. Dabei wäre es mit entsprechender Vorbereitung viel einfacher. Ein Steckenpferd von Bischof-Ronge ist etwa das Hypno-Birthing. „Dabei lernen die Schwangeren, sich gut und tief zu entspannen.“

Schön sei, dass dieses sehr intensive Training im Hollabrunner Krankenhaus umgesetzt werden kann. „Dem Paar wird genügend Zeit gelassen, sich zu entspannen“, loben die beiden Hebammen die Zusammenarbeit mit dem Landesklinikum, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt sei. Dass diese Begegnungen auf Augenhöhe nicht selbstverständlich sind, bekommen die beiden in Gesprächen mit Berufskolleginnen anderer Häuser mit.

„Das Team in Hollabrunn ist wirklich eine Ausnahme“, weiß Andrea Bischof. Das habe sich in den 35 Jahren nicht verändert. Einen großen Unterschied zu früher bemerkt sie dennoch: Die Partner sind jetzt bei der Geburt ihres Kindes dabei, früher waren die Frauen alleine im Kreißsaal. „Auch die starken Männer werden da ganz emotional“, beobachtet Bischof-Ronge. „Du erlebst, wie eine Familie entsteht“, spricht ihre Mutter von der „Krönung“. Natürlich gebe es im Kreißsaal neben den wunderschönen auch sehr schlimme Momente. Das gehöre ebenso zum Beruf.

Wenn das Kind auf der Welt ist, ist die Arbeit der Hebammen noch lange nicht vorbei: Die Betreuung der schwangeren Frauen beginnt in der frühen Schwangerschaft und sollte bis zum ersten Lebensjahr des Kindes andauern. In vielen Fällen bleiben Andrea und Ramona Bischof Vertraute der Mütter.

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