Weber und Naderer: „Naturschutz als Ganzes sehen“. Roland Weber und Walter Naderer wollen die Situation für Natur, Landwirtschaft und Handel verbessern.

Von Sandra Frank. Erstellt am 20. Juni 2018 (04:45)
Sandra Frank
Die erste Diskussionsrunde zu „Lebensräume in Balance“ war ein Erfolg. Darauf stießen die Diskutanten (v.l.) Johannes Hohenegger, Josef Stefan, Philipp Maier, Walter Naderer, Benedikt Felsinger und Roland Weber an.

Politisch sind sie nicht einer Meinung, im Naturschutz schon: Roland Weber, Bürgermeister von Guntersdorf, und Walter Naderer, ehemaliger Landtagsabgeordneter, taten sich zusammen, weil sie etwas verändern und Bewusstsein schaffen wollen.

Mäusebussard, Hase und Rebhuhn

„Lebensräume in Balance“ war der Überbegriff, zu dem im Guntersdorfer Gemeindezentrum diskutiert werden sollte. „Am Vormittag hatten wir eine Veranstaltung, bei der es darum ging, den Mäusebussard zu schützen, am Nachmittag wurden wir informiert, wie wir Hase und Rebhuhn schützen. Das passt nicht zusammen. Wir müssen das als Ganzes sehen“, erinnert sich Weber an einen Tag, der für ihn sinnbildlich war.

Eine ganzheitliche Betrachtung ist dem Landwirten wichtig. „Einer, der hier aufgefallen ist und einer, der immer wieder hinbeißt, ist Walter“, stellte er den Limberger vor. Walter Naderer ist seit seiner Kindheit authentischer Naturschützer, der Respekt vor der Vielfalt hat. Und diese gelte es zu schützen.

Betriebs-Dichte ist einzigartig in Europa

„Jeder hat seinen Bereich und kann darin etwas beitragen, damit wir gemeinsam etwas weiterbringen“, ist Bezirksbauernkammerobmann Fritz Schechtner an einem gemeinsamen Dialog interessiert. „Wir müssen aber auch die Landwirte verstehen, wir müssen von unseren Produkten leben.“

Eine Dichte an bäuerlichen Betrieben, wie es sie in Österreich noch gibt, sei einzigartig in Europa, weiß der Kammerobmann. Dass diese kleinen Strukturen bewahrt werden müssen, darin waren sich die Diskutanten einig.

Verschwinden die kleinen Betriebe, verschwindet auch der kleine Handel, meint Philipp Maier, Veterinärmediziner und Imker. Die Vielfalt gehe so verloren, wie bereits in großen Supermärkten zu sehen sei: „Dort werden immer die selben Produkte angeboten, die Diversität verschwindet.“

Landwirt sieht schwarz, wenn Betriebe immer größer werden

„Es leidet alles, wenn die Betriebe immer größer werden“, sagt Rudolf Grötzer, FP-Gemeinderat und Landwirt in Guntersdorf. „Ich sehe sehr, sehr schwarz für die Zukunft“, glaubt er nicht daran, dass es die rund 15 Landwirte, die es jetzt in seinem Heimatort noch gibt, auch in 20 Jahren noch geben wird.

„Jeder Bauer will seinen Betrieb weitergeben“, spricht Weber über das Bestreben der Landwirte. Und zwar besser, als er ihn selbst von seinen Eltern übernommen hat. „Die Rahmenbedingungen müssen aber passen, man muss davon leben können.“ Weber ist überzeugt: „Familienbetriebe haben mehr Hausverstand. Großbetriebe sehen nur die Bilanz.“

„Wohlstand macht gierig, Wohlstand macht neidisch“

Und dieser Hausverstand sei es, der gefragt ist, um eine Balance der Lebensräume wieder herzustellen. Das sei schwierig, wie Manfred Marihart, Bürgermeister von Pulkau und Bio-Landwirt, zu bedenken gibt: „Wohlstand macht gierig, Wohlstand macht neidisch.“ Herbert Goldinger, Bürgermeister in Mailberg, stimmte mit ein: „Je reicher eine Gesellschaft ist, desto egoistischer ist sie.“ Er sieht auch, dass die Konsumenten den Einsatz der heimischen Bauern nicht honorieren und lieber zu günstigeren Produkten greifen.

„Wir müssen in die Köpfe der Konsumenten – das geht über die Kinder“, zeigte Gebietsbäuerin Anna Dommaier einen Weg auf, wie die Balance wiederhergestellt werden kann. Denn schließlich sei es der Konsument, der bestimmt, was angeboten wird. „Jeder für sich kann sein Verhalten ändern; wenn wir da ansetzen, können wir auch etwas bewirken“, ist Landwirt Reinhard Fleischmann ebenso überzeugt.

Nächster Termin: Spaziergang in der Wildnis

„Es wurde in der Runde sehr gut gehört“, war Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger am Ende der etwa dreistündigen Diskussion positiv überrascht. „Es soll kein einmaliges Treffen bleiben“, will Weber weitermachen. „Wir können reden, tun, reden, tun“, ist es Naderer wichtig, dass es nicht nur bei Diskussionen bleibt. Darum wird der nächste Termin auch in der „freien Wildnis“ stattfinden.

Bei einem Spaziergang wollen die Experten veranschaulichen, wie Lebensräume geschützt werden können. Etwa, wenn gemäht anstatt gehäckselt wird. „Beim Häckseln wird alles ausgelöscht. Die Wildnis sollte erhalten werden.“

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