Naderer verlässt Polit-Bühne. In einen Wahlkampf will sich Walter Naderer in nächster Zeit nicht mehr einmischen, sagt er. Seine Tage als Landtagsabgeordneter sind damit gezählt.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 15. November 2017 (04:48)
„Die Glorifizierung des Föderalismus ist antiquiert“, meint Walter Naderer.
NOEN, privat

Neben VP-Bezirksparteichef Richard Hogl ist Walter Naderer aktuell der zweite amtierende Landtagsabgeordnete aus dem Bezirk Hollabrunn. Im NÖN-Gespräch bestätigte der 55-jährige Limberger nun, dass er die Polit-Bühne wohl endgültig verlassen wird.

Der einstige Wahlkampfmanager von Frank Stronach, zuletzt als parteiloser Mandatar im NÖ Landtag, hatte in letzter Zeit Kontakt zu drei Gruppierungen, die planen, bei der Landtagswahl am 28. Jänner 2018 anzutreten. „Zwei halte ich für realistisch, eine für völlig illusorisch.“ Aktiv unterstützen will er diese aber nicht; vor allem auch deshalb, weil sich für ihn mittlerweile eine neue berufliche Perspektive im Bereich der Verfahrens- und Anlagentechnik ergeben habe. „Das ist so weit gediehen, dass ich es nicht mehr revidieren werde“, sagt Naderer. Schmunzelnder Nachsatz: „Außer man macht mich zum Spitzenkandidaten mit chancenreicher Konstellation auf das Amt des Landeshauptmanns und ausgestattet mit ein bisschen Geld, um auch medial präsent zu sein. Dieser Ehre könnte ich nicht widerstehen.“

„Eine Verwaltungsreform zu verkaufen, wo am Ende des Tages kaum weniger Bedienstete im öffentlichen Sold stehen, ist Quaqua …“ Die Zeit im Landesparlament wolle er nicht missen. „Ich habe irrsinnig viele Erfahrungen gesammelt und war beeindruckt von der Art, wie die Gesetzgebung vermittelt wird. Die administrative Umsetzung funktioniert vorbildlich.“

Noch ein bissiger Kommentar...

Doch es wäre nicht Walter Naderer, wenn er nicht auch noch einen bissigen Kommentar übrig hätte. Was hat ihn also gestört? „Dass in Niederösterreich die verordnete heile Welt regiert; der unkritische Umgang und die Huldigung gegenüber der Landesobrigkeit; die fehlende Selbstkritik.“ Die Glorifizierung des Föderalismus halte er nicht nur für weltfremd, sondern für antiquiert, sagt Naderer. „Wenn man die Verwaltung wirklich straffen will, dann muss man das in einem Ausmaß tun, wo am Ende des Tages tatsächlich weniger Beamte im öffentlichen Sold stehen.“ Österreichweit spricht der Limberger hier von 70.000 bis 100.000 Köpfen, die nicht abgehen würden. Vorherrschende Parallelstrukturen seien hochgradig ineffizient.

In beratender Funktion sei er aufgrund einer persönlichen Bekanntschaft in einem anderen Bundesland übrigens noch aktiv, verrät Naderer. „Da geht es ausschließlich um Sachpolitik im Bereich der Bildung und erneuerbarer Energie.“