Naderer zu Parteigründung: „Wir wollen die Goscherten“. „Meine Stimme gilt“ heißt die Partei, die Kabarettist Roland Düringer vergangenen Woche gründete. Ein Video dazu, gedreht vor dem Innenministerium, machte in den (sozialen) Medien rasch die Runde. Der „erste Hackler“, also Parteiobmannstellvertreter, ist in Niederösterreich ebenfalls kein Unbekannter, es ist der Limberger Landtagsabgeordnete Walter Naderer.

Von Sandra Frank. Erstellt am 28. September 2016 (05:49)
Klub-Frank-Abgeordneter Walter Naderer ist jetzt Mitglied in der neu gegründeten Partei von Roland Düringer.
NOEN, NÖN

NÖN: Die Parteigründung mit der Absicht, bei den Nationalratswahlen anzutreten, sorgte für Aufsehen. Viele Menschen fragen sich: Meinen Düringer und Sie das ernst?
Walter Naderer: Todernst.

Düringer sieht sich also als Abgeordneter im Parlament?
Nein, er sieht sich nicht im Nationalrat. Er sieht sich viel mehr als Übersetzer, als Drehscheibe, um Menschen in die Politik zu bringen, die sich die Zeit dafür nehmen wollen.

Im Kampf gegen die Scheinrealität brauche ich keinen Strohhalm
 

Politisch engagierte Menschen können sich bei Ihnen melden?
Alle, die Zeit aufwenden und politisch aktiv werden wollen, können sich bei mir melden. Alle, die mit der Politik sofort Geld verdienen möchten, sollen sich bei der ÖVP melden. Aber auf Knien, um zu zeigen, dass sie unterwürfig sind.

Gerade in ÖVP-Kreisen wird die Parteigründung belächelt. Ihnen wird nachgesagt, dass Sie sich an jeden Strohhalm klammern müssen, um politisch am Leben zu bleiben.
Im Kampf gegen die Scheinrealität, die von der ÖVP gebastelt wird, brauche ich keinen Strohhalm. Das Urteil der politischen Mitbewerber, die alle drei oder vier Funktionen haben und von Steuergeldern bezahlt werden, ist mir herzlich wurscht. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Ich reiß‘ mich auch nicht drum, im Nationalrat zu sitzen. Bei so einer kleinen Fraktion ist das richtige Arbeit. Ich bin aber stolzer Provinzpolitiker und würd‘ daher in der nächsten Periode gerne wieder im Landtag sitzen.

Was heißt Scheinrealität?
Leute, die sichin der Wirtschaft nicht auskennen, denen kann man einreden, dass Spitäler oder die Landwirtschaft Motoren der Wirtschaft sind. Das meine ich mit der Scheinrealität, die die ÖVP bastelt. Spitäler sind keine Wirtschaftsmotoren. Die Landwirtschaft ebenfalls nicht, ohne Förderung würde hier gar nichts gehen. Dass die Machthaber die Ahnungslosigkeit der Bevölkerung ausnutzten, ist verantwortungslos.

Die institutionalisierten Abnicker gehören weg


Warum wurde „Meine Stimme gilt“ genau jetzt gegründet?
(lacht): Dem Düringer und mir war einfach fad. Aber die Staatsposse rund um die Bundespräsidentenwahl ist natürlich ein Grund, warum wir jetzt starten.

Vielfach wird kritisiert, dass Sie kein Parteiprogramm haben.
Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, warum so viele Leute nicht mehr wählen gehen. Um diese zu erreichen, brauchen wir kein Parteiprogramm. Es gibt überall eine Gruppe, die nicht aktiv Medien konsumiert. Diese versuchen wir inhaltlich, philosophisch und humorvoll zu erreichen.

Derzeit herrscht ein großes Ungleichgewicht


Wie gut ist „Meine Stimme gilt“ in Hinblick auf Mitstreiter aufgestellt?
Mit der Qualität von ÖVP-Landespolitikern haben wir genügend, ich kann das ja beurteilen. Wir wollen aber lieber die Goscherten. Wichtig ist: Die institutionalisierten Abnicker gehören weg. Zu uns kommen Menschen in der Hoffnung, dass sich für sie politisch etwas verändern wird. Diesen bieten wir eine politische Plattform an, damit sie in Zukunft mitbestimmen können.

Sie denken dabei besonders an Unternehmer.
Auch. Denn derzeit herrscht ein großes Ungleichgewicht: Einer, der kein Parteibuch hat, hat fast keine Chance auf eine gesicherte Existenz. Darum hat er aber auch keine Zeit, politisch aktiv zu sein. Wir haben heute etwa drei Prozent Bauern und acht Prozent Unternehmer. Die Bauern stellen aber vier Mal so viele Abgeordnete wie Unternehmer. Das heißt für mich: Die Bauern ham alle ka Hack‘n.

Würden Sie Menschen raten, sich selbstständig zu machen?
Auf keinen Fall. Wenn man sich heute selbstständig macht, muss man nicht ganz zurechnungsfähig sein. Den Unternehmern werden unüberwindbare Hürden in den Weg gestellt. Um überleben zu können müssen sie Tag und Nacht arbeiten und dürfen ja nicht krank werden. Mich wundert es nicht, wenn sie nach einem Weg suchen, ihr Geld wo anders als in Österreich hinzutragen.

Fänden die Nationalratswahlen schon 2017 und nicht erst 2018 statt, wäre Ihre Partei bereit?
Wir gehen sogar davon aus, dass wir 2017 wählen werden. Das ist in unserem Arbeitsprogramm – wir haben ja ein Arbeits- und kein Parteiprogramm – berücksichtigt.