„Jedes Tier hat Geruch“. Nach Infoaustausch / Kammerobmann Fritz Schechtner stellt klar: Hollabrunn ist ein Agrar- bezirk, darum darf ein Schweinemastbetrieb nach modernen Auflagen gebaut werden.

Von Sandra Frank. Erstellt am 29. Juli 2014 (09:19)
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Ein Schweinemastbetrieb soll in der Nähe von Wilhelmsdorf entstehen. Vertreter der Landwirte sprechen sich für dieses Projekt aus. Foto: Wodicka

Ulrike Vojtisek-Stuntner lud im Namen ihrer parteiunabhängigen Initiative „Kein Schweinemastbetrieb vor den Toren der Stadt Maissau“ ins Kulturzentrum in Burgschleinitz (Bezirk Horn) zum Infoaustausch ein. Die Presse lud sie von diesem Termin mit Nachdruck aus, stand der NÖN in der Vorwoche dann aber für ein Interview zur Verfügung .

„Das Projekt ist durch, was will sie eigentlich?“

Ihren Aussagen kann nicht jeder der Teilnehmer des Infoaustauschs zustimmen. „Sie hat die Tatsachen verdreht“, ärgert sich ein Landwirt aus Maissau. Er selbst nimmt keinen Widerstand gegen das Projekt – Johannes Lembacher will einen Schweinemastbetrieb mit 600 Tieren außerhalb seines Heimatortes Wilhelmsdorf errichten – wahr.

„Das Projekt ist durch, was will sie eigentlich?“, fragt sich der Maissauer. „Sie bringt nur Unruhe in die Sache.“ Denn für ihn ist eines klar: Wer am Land wohnt oder aufs Land zieht, der weiß, worauf er sich einlässt. „Wenn ich mir am Gürtel in Wien eine Wohnung kauf, dann muss ich damit rechnen, dass es nach Diesel stinkt“, vergleicht er.

Betroffene hätte sich Ortschef als Teilnehmer gewünscht

Eine betroffene und skeptische Schmidatalerin, die ebenfalls Teil der kleinen Runde war, die sich in Burgschleinitz zum Infoaustausch traf, hätte sich gewünscht, dass auch Bürgermeister Josef Klepp den Weg zum Kulturzentrum gefunden hätte.

Denn ob durch den Schweinemastbetrieb zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden können, hätte er beantworten können, meint sie.

Einer, der den Weg nach Burgschleinitz gefunden hat, war Bauernkammerobmann Fritz Schechtner.

„Müssen Weg finden, zusammenzuleben“

„Es ist traurig, wenn man nicht einmal in unserer Gegend einen solchen Betrieb errichten kann“, betont der Niederfladnitzer, der selbst einen Stall mit 60 Maststieren betreibt, dass Hollabrunn nun einmal ein Agrarbezirk ist. „Jedes Tier gibt einen Geruch ab.“ Doch durch die technischen Möglichkeiten sei die Geruchsbelästigung gut in den Griff zu bekommen.

„Wir müssen einen Weg finden, zusammenzuleben“, sagt Schechtner. Die Landwirte müssen sich an Gesetze halten. Werden alle Auflagen erfüllt, dann müsse man es auch als Nachbar akzeptieren, dass ein Schweinemastbetrieb entsteht. Der Kammerobmann weiß, dass heute alles „in größere Einheiten geht“. Von einer Industrialisierung der Betriebe „sind wir aber weit weg“, berichtet er, dass es im Ausland Betriebe gibt, die Zigtausende Tiere halten.

Auch Wirtschaft werde dadurch angekurbelt

Schechtners Vorgänger in der Kammer, Landtagsabgeordneter Richard Hogl, meldet sich in dieser Causa ebenfalls zu Wort. Er kann Vojtisek-Stuntners Aufruhr nicht nachvollziehen, für ihn ist klar: „Auf dem Land darf Landwirtschaft noch sein!“

Die Bevölkerung sollte es fördern, wenn sich ein Betrieb vergrößern möchte. „Das ist ja unsere Wertschöpfung!“ Denn auf dem wirtschaftlichen Sektor tue sich der Bezirk sehr schwer. Und von einer Betriebsvergrößerung lebe nicht nur der Bauer alleine, auch die Wirtschaft werde dadurch angekurbelt. „Die Leute sind nicht dumm, sie können einfach damit leben“, ist Hogl überzeugt.

Die Sorgen, die sich die Maissauerin um den Tourismus in ihrer Heimatstadt macht, kommentiert Hogl ebenfalls: „Dem Tourismus in Maissau schadet es sicher mehr, dass es keine Gastronomie mehr gibt, als ein Schweinestall ...“ Der Landtagsabgeordnete weiß außerdem: „Außer Retz nimmt keine Gemeinde im Bezirk mehr durch Tourismus als durch Landwirtschaft ein.“