„Ich bau‘ keinen Atomreaktor, nur einen Saustall!“. Angst vor Geruchsbelästigung / Ein Schweinemastbetrieb soll verhindert werden, da einige Anrainer den Gestank der Tiere und der Gülle fürchten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 15. Juli 2014 (09:50)
NOEN, Wodicka/www.BilderBox.com
Ein Schweinemastbetrieb, der in der ersten Ausbaustufe 600 Tiere beherbergen wird, soll außerhalb von Wilhelmsdorf, in der Nähe von Maissau, entstehen. Foto: Wodicka

Johannes Lembacher plant, seinen Schweinemastbetrieb in Wilhelmsdorf zu erweitern. Um im Ort niemanden zu belästigen, entschied sich der Landwirt dafür, einen ganz neuen Betrieb außerhalb des Dorfes zu errichten. Doch genau diese Tatsache stört einige Maissauer ( die NÖN hatte berichtet ).

„Immobilien verlieren unter diesen Umständen enorm an Wert“

Ulrike Vojtisek-Stuntner will verhindern, dass sich ein Schweinemastbetrieb vor den Toren der Stadt Maissau niederlässt.

NOEN
x
Sie will dem Landwirt keine Steine in den Weg legen, fürchtet aber um die touristische Infrastruktur, die Maissau aufgebaut hat sowie um die Immobilien der Stadt: „In Maissau und in den Katastralen werden derzeit viele Häuser gebaut. Immobilien in guter Lage und dementsprechend wertvoll, scheinen unter diesen Umständen unverkäuflich oder verlieren enorm an Wert.“

Vojtisek-Stuntner wollte anfangs mit einer Unterschriftenliste gegen den Mastbetrieb vorgehen. Von dieser Idee ist sie mittlerweile abgekommen. „Es rumort in der Gemeinde, aber die Leute trauen sich nicht, ihren Unmut offen zu artikulieren. Sie haben Angst, dass sie dann auf die eine oder andere Weise ,bestraft‘ werden.“

Grüne Gemeinderätin Hofmann weiß: „Es wird stinken“

Elfriede Hofmann ist Gemeinderätin der Grünen in Maissau. Auch sie erfuhr erst durch Vojtisek-Stuntner von dem Bauvorhaben. „Es wird stinken – von den notwendigen Arbeiten im Betrieb, der Lagerung bis zum Transport der Gülle“, fürchtet auch die Mandatarin eine enorme Geruchsbelästigung, von der nicht nur die direkten Anrainer betroffen sein werden.

Vojtisek-Stuntner lädt nun zu einem Informationsaustausch ein, kommenden Samstag in Burgschleinitz. „Jeder, den es betrifft, kann kommen. Auch Menschen außerhalb unserer Gemeindegrenzen. Zum Beispiel Ravelsbacher, die schon durch Pfaffstetten betroffen sind.“


„Lösung zur Zufriedenheit aller Beteiligten ist sicher möglich“

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, gestaltete die Maissauerin ein Flugblatt, auf dem sie den Standpunkt der parteiunabhängigen Initiative „Kein Schweinemastbetrieb vor den Toren der Stadt Maissau“ darlegte und zum Info-Austausch einlud.

„Wir sind sicher, dass eine Lösung zur Zufriedenheit aller Beteiligten möglich ist“, ist dort zu lesen. Die Initiative hat sich bereits Gedanken gemacht, wie diese Lösung aussehen könnte: „Wir meinen, dass es wirtschaftlich Sinn machen würde, so einen Betrieb neben der Biogasanlage Ziersdorf anzusiedeln: Die komplette Infrastruktur wäre schon vor Ort.“

Lembacher hält diesen Vorschlag für wenig sinnvoll: „Ich muss dann 40 Kilometer hin und her fahren, um meine Schweine zu füttern. Das ist sicher nicht besser ...“ Der Landwirt suchte in den vergangenen Wochen vermehrt das Gespräch mit der Bevölkerung.

Lembacher: „Sie macht mit Gewalt ein Problem“

„In Wilhelmsdorf stört es keinen“, haben die Bewohner seines Heimatortes kein Problem mit den 500 Schweinen, die Lembachers Betrieb jetzt bereits zählt. „Ich habe mit Leuten in der Weinberg-Siedlung gesprochen. Die haben auch kein Problem damit“, suchte er den Kontakt zu jener Siedlung, in der Vojtisek-Stuntner lebt.

Lembacher glaubt den wahren Grund für den gewünschten Informationsaustausch zu kennen: „Es unterschreibt ihr keiner und jetzt macht sie mit aller Gewalt ein Problem daraus.“

Er kann die ganze Aufregung um seine Betriebsumsiedelung nicht nachvollziehen: „Ich bau‘ ja keinen Atomreaktor! Ich bau‘ nur einen Saustall!“  Außerdem sei das ganze Projekt bereits genehmigt. „Es gibt Behörden, die entschieden haben, dass alles okay ist“, ist der Landwirt abgesichert.

Zweifel an Auswirkungen auf den Tourismus

Das weiß auch Vojtisek-Stuntner: „Ein Amt in Mödling befindet in einem Gutachten, dass von Landesseite her keine Bedenken gegen eine Schweinemastanlage in einer Tourismusgemeinde bestehen.“ An diesem Befund stört die Maissauerin vor allem eines: „Mit den Auswirkungen dieses Gutachtens müssen Menschen, die 100 Kilometer von diesem Amt entfernt wohnen, dann leben.“

Lembacher bezweifelt, dass die Errichtung seines Schweinemastbetriebes Auswirkungen auf den Tourismus haben wird. Zum einen sehe er dort, wo er den Betrieb errichten wird, kaum Menschen wandern, zum anderen „gibt es auch in großen Tourismusgebieten Ställe und das stört dort niemanden“.

„Wir wollen Schnitzel essen, also müssen wir auch das Fleisch dazu produzieren.“ Und es sei besser, wenn das Fleisch in der Region produziert werde, als „irgendwo im Ausland, wo man nicht weiß, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden“, gibt der Wilhelmsdorfer zu bedenken.


Die Initiative

Die parteiunabhängige Initiative „Kein Schweinemastbetrieb vor den Toren der Stadt Maissau“ will eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind.

Sie schickte eine Aussendung mit ihren Bedenken rund um das Projekt aus:

  • Geruchsbelästigung ist keine Kleinigkeit: Besonders betroffen werden die Anrainer am Weinberg und am südwestlichen Teil der Stadt Maissau sein. Aber nicht nur dort, denn die Gülle wird im ganzen Gemeindebetrieb verteilt. Es wird massenhaft Gülle anfallen, da es ein Großbetrieb werden soll.

  • Die Initiative will eine Abwertung des Siedlungsgebietes der Tourismusgemeinde Maissau durch massive Geruchsbelästigung nicht in Kauf nehmen.

Info-Austausch

  • Ulrike Vojtisek-Stuntner lädt am Samstag, dem 19. Juli zum Informationsaustausch ein.

  • Dieser beginnt um 18 Uhr im KumKum, Kulturhaus Manhartsberg/Burgschleinitz