Artgerechte Haltung: Hühner sind mobil. Johannes und Ingrid Kraus versorgen mit Lebensmitteln, die sie – oder andere Landwirte – herstellen.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 01. August 2020 (05:48)
Johannes Kraus besucht seineHühner in ihrem mobilen Stall. Der Maria Roggendorfer Landwirt setzt damit auf artgerechte Tierhaltung.
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Direkt bei der Ortseinfahrt von Maria Roggendorf kann man Hühner und deren mobiles Zuhause beobachten. Ein großes Plakat enthüllt, wer dahinter steckt: Johannes und Ingrid Kraus. Das Ehepaar hat nämlich vor zweieinhalb Jahren beschlossen, die mobile Behausung für Hühner auszuprobieren.

Bei diesem Konzept ist der Stall beweglich und wird regelmäßig verschoben, damit der Boden nicht überdüngt wird und sich die Hühner nicht ständig auf den Stellen mit wenig frischem Gras bewegen. Diese Art der Haltung sei immer öfter zu finden und boome zurzeit in Deutschland sehr stark.

Johannes und Ingrid Kraus in ihrer Verkaufshütte in Maria Roggendorf. Dort gibt’s auch Produkte anderer Landwirte.
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Alles begann mit einem selbst umgebauten Bauwagen, ehe ein alter Kühlwagen folgte, den die Familie wieder selbst umfunktionierte.

Die Motivation für den Umstieg auf die mobile Haltung war, den Tieren eine artgerechte Haltung zu bieten. Zu Beginn sei das Konzept vor allem von anderen Bauern skeptisch betrachtet worden, aber bald wurde die Idee angenommen. In Maria Roggendorf selbst wurde das Projekt mit viel Interesse aufgenommen.

Hühnermobile & Hütte sind energieautark

Mittlerweile ist das Hühnermobil zu einem Platz geworden, an dem Familien mit ihren Kindern den Hühnern zusehen. Die derzeitige Herde an Junghühnern sei allerdings ziemlich scheu und entferne sich nicht weit weg von ihrem Stall.

Die beiden Hühnermobile der Familie verfügen über Licht und automatisierte Klappen, die die Hühner abends hinein- und morgens herauslassen. Die benötigte Energie – ebenso wie für die Verkaufshütte der Familie – wird durch Photovoltaik erzeugt, das macht die Mobile völlig autark. Dafür habe Kraus immer wieder etwas tüfteln und neue Lösungen finden müssen. „Man muss von klein auf wachsen“, erklärt der Landwirt die Wichtigkeit des Lernens.

Ihre Hühnermobile blieben nicht das einzige Wagnis: Aus einem Eierüberschuss resultierte die erste Produktion an Nudeln, später avancierten diese zu Favoriten der Kunden und überzeugten heuer auf der „Ab Hof“-Messe in Wieselburg: Die Nudeln wurden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Auch die Gründung des „Wullersdorfer Schmankerlmarkts“ gemeinsam mit der Schalladorfer Brauküche 35 erwies sich als wahrer Erfolg. Das derzeitige „Experiment“: Es werden Bruderhennen, also männliche Hühner, gemästet.

Das Ehepaar beobachtet, dass die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. Die Corona-Pandemie hat einen weiteren Anstieg ausgelöst. „Die Leute schätzen es, wenn die Lebensmittel vor Ort produziert werden.“ Das gebe den Kunden eine gewisse Sicherheit, meint Ingrid Kraus. Zudem hätten manche Leute nicht in Geschäfte einkaufen gehen wollen.

Die Verkaufshütte in Maria Roggendorf, die rund um die Uhr geöffnet ist, erfreue sich an immer größerer Beliebtheit. Dort gibt es nicht nur Eier aus dem Hühnermobil oder Kartoffeln zu erstehen, sondern auch Produkte anderer Landwirte.

Positives Feedback bei direktem Kontakt

Kraus sieht darin einen großen Nutzen für die Konsumenten: „Wir machen es ihnen einfach, so können sie mehrere Lebensmittel auf einmal kaufen.“

Neben der Verkaufshütte werden die Produkte am Wullersdorfer Schmankerlmarkt angeboten und an Fixabnehmer wie die Bäckerei Gerstenbauer, Wagner’s Wirtshaus und die Genusswirtschaft Mailberg verkauft.

Supermärkte beliefert die Familie bewusst nicht. Eine faire Entlohnung und die Wertschätzung der Kunden sei da nicht mehr gegeben. Der direkte Kontakt am Schmankerlmarkt ist dem Paar wichtig, weil es dort viel positives Feedback erfahre und die Kunden so die Gesichter hinter den Produkten sehen können.