Matura: Wenn das Ziel in Schwebe ist. Die NÖN sprach mit den drei HTL-Maturanten Lukas Damianschitz, Phillip Oberndorfer und Julian Kandlhofer über ihre Erfahrungen mit der Coronakrise.

Von Belinda Krottendorfer. Erstellt am 07. April 2020 (20:49)

NÖN: Welche Auswirkung hat die Verschiebung der Matura für euch? 

Lukas Damianschitz: Die einzige Auswirkung, die mich stört, ist, dass die mündliche Matura auch verschoben wird und somit die Maturareise vielleicht in oder vor der mündlichen Matura-Woche wäre.

Phillip Oberndorfer: Die tatsächlichen Auswirkungen sind bislang noch nicht absehbar, sollten jedoch für mich persönlich relativ gering ausfallen, da ich erst Anfang Oktober zum Bundesheer muss und bereits einen Studienplatz für das zweite Semester an einer Fachhochschule habe. Für jene Schüler, die bereits im Juli mit dem Zivildienst/Grundwehrdienst starten, könnte jedoch ziemliche Zeitnot entstehen.

Ihr müsst keine Diplomarbeits-Präsentation halten, ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Damianschitz: Das kann gleichzeitig ein Vor- oder Nachteil sein, da die Note von der schriftlichen Diplomarbeit abhängig ist. Aber für mich ist das ein Vorteil, da ich mich für die Präsentation nicht vorbereiten muss.

Julian Kandlhofer: Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich denke, ich kann vieles meiner Arbeit besser mündlich erklären, wenn mir jemand direkte Fragen stellt. So muss meine Dokumentation umso ausführlicher sein.

Oberndorfer: Das ist momentan noch schwierig zu beantworten. Ich denke aber, dass die Präsentation eine gute Möglichkeit gewesen wäre, zu argumentieren, warum man eine gute bzw. sehr gute Note verdient hätte.

Wie funktioniert das E-Learning, habt ihr gefühlt mehr oder weniger zu tun als im „Offline-Unterricht“?

Damianschitz: In der HTL gibt es eine Kernzeit, die von 8 bis 13 Uhr geht. Dadurch habe ich weniger Unterrichtsstunden, jedoch werden Aufgaben aufgegeben, die in der „Freizeit“ abgearbeitet werden sollen. Da ich aus Laa an der Thaya komme, erspar ich mir den Weg nach Hollabrunn und habe im Endeffekt mehr Freizeit.

Kandlhofer: Es gibt ohnehin nicht mehr viel neues Lehrmaterial, somit fühle ich mich nicht sehr betroffen. In den meisten Fächern sind noch Projekte abzuschließen oder Texte zu schreiben. Es ist aber praktisch, seinem Lehrer direkt eine Chatnachricht schicken zu können, wenn man ein Problem hat.

Oberndorfer: Das E-Learning funktioniert an der HTL Hollabrunn über Microsoft Teams. Bis jetzt war definitiv weniger zu tun als im herkömmlichen Unterricht, was aber vor allem auch daran liegt, dass unsere Lehrer Rücksicht aufgrund der Diplomarbeitsabgabe nehmen bzw. genommen haben.

Wie intensiv ist der Kontakt zu den Lehrern? Wurdet ihr bereits informiert, welche Schularbeiten nachzuholen sind?

Damianschitz: Der Kontakt zu unseren Lehrern ist sehr gut. Die Software, welche für alle 1.500 Schüler und Lehrer zugänglich ist, läuft sehr gut und flüssig. Dadurch ist die Kommunikation sehr schnell und einfach über Chat-Nachrichten oder Video-Calls. Da unsere Klasse alle Tests und Schularbeiten vor der Krise schon abgearbeitet hat, haben wir keinen Nachholbedarf.

Kandlhofer: Mehrmals täglich gibt es Videokonferenzen, welche den Unterricht ersetzen, weshalb die „Anwesenheitspflicht“ trotzdem um 8 Uhr startet. Zum Glück haben wir alle Tests noch vor dem Ganzen abgeschlossen.

Oberndorfer: In der Kernzeit werden regelmäßig Meetings anberaumt, in denen Unterricht abgehalten bzw. Organisatorisches abgehandelt wird. Schularbeiten müssen keine nachgeholt werden, da diese bereits im Februar bzw. März geschrieben wurden.

Wie intensiv sind derzeit die Fächer, in denen ihr nicht maturieren müsst?

Damianschitz: Da in fast allen Fächern Schüler maturieren, wird der Stoff dafür mit Arbeitsaufgaben oder Referaten wiederholt.

Kandlhofer: Es ist noch alles schaffbar.

Oberndorfer: Momentan nicht allzu intensiv, was, wie bereits erwähnt, mit der bevorstehenden endgültigen Diplomarbeitsabgabe zu tun hat.

Habt ihr schon Zeit gefunden, für die Matura zu lernen? Wie gut vorbereitet fühlt ihr euch?

Damianschitz: Unsere Lehrer haben uns den Stoff, der zur Matura relevant ist, sehr gut und ausführlich beigebracht. Deshalb habe ich ein gutes Gefühl, dass ich die Matura bestens bestehe.

Kandlhofer: Nein. Ich sollte anfangen, oder?

Oberndorfer: Explizit für die Matura habe ich bislang noch nicht gelernt, vieles, was momentan wiederholt wird, ist aber ohnehin relevant für die Matura. Generell fühle ich mich gut vorbereitet, da wir den gesamten relevanten Stoff bereits abgearbeitet haben. Natürlich wäre es aber besser gewesen, wenn man diesen Stoff in Form von herkömmlichem Unterricht gemeinsam mit den Lehrern noch vertiefen hätte können.

Habt ihr bereits eine Maturareise geplant? Wenn ja, wann, wohin? Werdet ihr stornieren oder verschieben?

Damianschitz: Ja, wir haben Summer Splash, welches von 23. Juni bis 30. Juni in Kalabrien (Italien) stattfindet, geplant. Wir werden noch abwarten, ob dieses Datum verschoben bzw. abgesagt wird. Falls heuer keine Maturareise stattfindet, werden wir diese sicher in irgendeiner Form nachholen.

Kandlhofer: Ja, Kroatien. Mal schauen, ob der Veranstalter den Termin aufrecht hält. Wenn nicht, habe ich die Stornoversicherung gebucht und werde irgendwie anders feiern müssen.

Oberndorfer: Unsere gesamte Klasse hat bereits Summer Splash, was in Kalabrien stattfindet, gebucht. Momentan warten wir noch ab, welche Maßnahmen der Veranstalter setzen wird bzw. ob die Veranstaltung in dieser Form überhaupt stattfinden kann, da wir bei einer Stornierung 20 Prozent der Kosten übernehmen müssten. Der Veranstalter hat aber bereits etwaige Maßnahmen zur Verschiebung o.Ä. angekündigt.

Rechnet ihr noch damit, dass der Maturatermin hält und wie sehr zehrt diese Unsicherheit mittlerweile an den Nerven?

Damianschitz: Da die gesetzten Maßnahmen von der Bundesregierung bis Ende April und wahrscheinlich darüber hinaus noch gelten werden, nehme ich stark an, dass die Matura nicht am 18. Mai beginnen wird. Obwohl ich sie natürlich sehr gerne so schnell wie möglich erledigen möchte, werde ich auch zu einem späteren Zeitpunkt der Matura gut vorbereitet sein. Also eine Verschiebung kann mich nicht verunsichern.

Kandlhofer: Ich hoffe, der Termin hält; wenn nicht, ist es mir auch recht, solange ich meine Matura dieses Jahr noch bekomme.

Oberndorfer: Wenn ich ehrlich bin, nein. Natürlich ist das eine unangenehme Situation, weil man somit nicht genau weiß, wann man am besten mit dem Lernen beginnen sollte. Außerdem ist es natürlich psychisch belastend, wenn das Ziel, worauf man seit fünf Jahren hinarbeitet, momentan so in der Schwebe hängt.