Messe in Hollabrunn: SPÖ pocht auf Ganztagsschule

Erstellt am 12. Mai 2022 | 11:48
Lesezeit: 4 Min
Im Zuge der Job- und Bildungsmesse lud die SPÖ zum Pressegespräch. Es ging um die Lehre, den Facharbeiter machen, die hohe Qualität der Bildung, und darum, wie man den Druck von Familien und Studierenden nehmen könnte.
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„Bildung ist nicht selbstverständlich. Es kommt leider immer noch darauf an, wer deine Eltern sind und wo du wohnst“, sagte David Rein, als die SPÖ am Rande der Job- und Bildungsmesse in Hollabrunn zu einem Pressegespräch lud. Der Hollabrunner war vor drei Jahren noch als Schüler bei der Messe unterwegs, heute studiert er Geographie und freut sich, dass die Messe gewachsen ist. 

„Österreich ist in der EU-Spitzenreiter, wenn es darum geht, dass die Bildung vererbt wird“, stimmte Rudolf Silvan, Abgeordneter zum Nationalrat, dem 20-Jährigen zu. Beide sind sich einig: „Es ist extrem wichtig, eine moderne Ganztagsschule zu schaffen.“ Silvan betonte: „Wir wollen die Kinder den Eltern nicht wegnehmen, es geht um den Rechtsanspruch.“ Gibt es die Möglichkeit einer Ganztagsschule, werde von den Eltern Druck weggenommen. Wenn Kinder bereits dort ihre Hausübung machen, können sie sich daheim dem Familienleben widmen.

Bezirkshauptstadt braucht Lehrwerkstätten

Das findet auch Silvans parlamentarischer Mitarbeiter, SPÖ-Bezirksvorsitzender Stefan Hinterberger, wichtig. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn die Hausübung noch zu machen ist, aber das Kind – und auch die Eltern – lieber etwas anderes tun würden. Der Göllersdorfer ist erfreut über die Job- und Bildungsmesse, wünscht sich aber, dass Lehrwerkstätten in die Bezirkshauptstadt geholt werden. Dann kann vor Ort ausgebildet werden. Im besten Fall finden die Menschen in der Region einen Job und ersparen sich das Pendeln nach Wien.

Hinterberger bricht generell eine Lanze für die Lehre. Er selbst brach die Schule ab, um eine Lehre als Bürokaufmann zu machen. „Für mich war das genau das Richtige“, appelliert er an die Eltern, ihren Kindern die Wahl zu lassen. 

Hier schaltete sich Silvan ein, der übrigens gelernter Bäcker ist. Ein verzweifelter Vater habe sich an ihn gewandt, weil sein Sohn keine Lehrstelle findet. „Er hat ein schlechtes Zeugnis“, weiß Silvan. Kein „Fleck“, aber eben Dreier und Vierer. „Die Betriebe nehmen lieber HTL- oder HAK-Abbrecher. Ich fürchte, dass die, die mit dem Lernen ein Problem haben, auf der Strecke bleiben.“ Dem müsse entgegengewirkt werden. 

Das sagt der Abgeordnete auch mit Blick auf den Fachkräftemangel, der in Österreich extrem sei. Darum ist er ebenfalls froh über die Job- und Bildungsmesse, weil hier sehr viele Perspektiven aufgezeigt werden.

SPÖ-Silvan: "Wir haben eine sehr gute Ausbildung für Fachkräfte"

Fachkräfte fehlen in Österreich zwar, das bestätigten die Gespräche mit den Ausstellern der Bildungsmesse, „was wir aber haben, ist eine sehr gute Ausbildung“, betonte Silvan, dass Betriebe, wie zum Beispiel die Voest, die hochqualifizierten Fachkräfte zu schätzen wissen, ebenso wie den sozialen Frieden und die Rechtssicherheit. Der SPÖ-Abgeordnete unterstrich, dass Unternehmen „Fachkräften gutes Geld zahlen, sogar schon mehr als Akademikern“.

Wie es sich anfühlt, neben einem Fulltime-Job auch noch Vollzeit zu studieren, weiß Esma Öztürk, die auf der SPÖ-Kandidatenliste für die Landtagswahlen steht. „Das ist schon ein heftiger Brocken, da geht man schnell unter.“ Ihr soziales Leben hat sie in dieser Zeit komplett zurückgeschraubt. „Ich wollte arbeiten gehen, um finanziell frei zu sein“, erzählte die Ziersdorferin von einer „nicht prickelnden“ Studienbeihilfe. 

„Das 3G-Programm der SPÖ ist hier ein Meilenstein“

Neben ihrem Job bei den ÖBB studierte Öztürk Betriebswirtschaft. Was sie sich wünscht, ist mentale Unterstützung des Arbeitgebers, denn dieser wolle studierte Mitarbeiter mit Berufserfahrung. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass bei Bewerbungsgesprächen immer mehr darauf geachtet wird, wie lange jemand für sein Studium gebraucht hat. In Mindestzeit zu studieren sei aber eine Herausforderung. „In Studentenheimen zahlt man bis zu 750 Euro, da muss man erst recht wieder nebenbei arbeiten und dann verzögert sich das Studium“, sprach sie von einem Teufelskreis.

Für die Ziersdorferin ist klar, dass sie Karriere machen will, diese möchte sie nicht aufgeben, wenn sie einmal Kinder hat. „Das 3G-Programm der SPÖ ist hier ein Meilenstein“, hofft sie, dass dieses umgesetzt wird. „3G“ steht für ganzjährig, ganztägig und gratis. „Eine Frau sollte nicht vor der Wahl stehen müssen, ob sie Karriere macht oder Kinder bekommt“, stimmte Hinterberger zu.

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