Nationalparkwandern am Nationalfeiertag. Bunte Herbstfarben, milde Temperaturen und die letzten Sonnentage vor dem grauen November – der Nationalfeiertag wird gerne für Wanderungen genutzt. Der Nationalpark Thayatal lädt heuer zu einem besonderen Besuch ein.

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 25. Oktober 2020 (15:30)
D. Manhart

Nationalpark-Ranger stellen bei Aussichtspunkten und besonderen Plätzen die Highlights des Thayatals vor und berichten, wie sich die Natur seit der Gründung des Nationalparks vor 20 Jahren entwickelt hat. 

Das Thayatal bei Hardegg wurde am 1. Jänner 2000 zum Nationalpark erklärt und schützt seit nun mehr als 20 Jahren gemeinsam mit dem benachbarten Národní park Podyjí in Tschechien die natürliche Entwicklung der Waldlandschaft auf einer Fläche von 7.700 Hektar. Am Beginn der Naturschutzbemühungen standen die Pläne der damaligen ČSSR Mitte der 1980er-Jahre, hier ein Staukraftwerk zu errichten. Eine Bürgerinitiative und das Engagement der Stadtgemeinde Hardegg konnten das Projekt verhindern und schließlich die Errichtung des Nationalparks erreichen.  

Meilensteine bis zum Wildkatzen-Camp 2018

„In den letzten Jahren gab es zahlreiche Meilensteine, die die Entwicklung des Nationalparks zu einer Erfolgsgeschichte machen", sagt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, der als Naturschutzlandesrt seit 2009 für die Entwicklung des Nationalparks verantwortlich ist. 

2001 erhielt der Nationalpark Thayatal die internationale Anerkennung durch die IUCN (Weltnaturschutzunion). 2003 öffnete das Nationalparkhaus seine Pforten, bereits 2005 wurde das Besucherzentrum mit dem Nationalpark als "TOP Ausflugsziel" ausgezeichnet. 2007 konnten die Forscher im Thayatal die Rückkehr der Wildkatze melden, sie wurde zum Wappentier des Nationalparks. Neben Österreichs größter Wildkatzenanlage wurde 2018 das Wildkatzen-Camp eröffnet, das Kindern und Jugendlichen spannende Naturerfahrungen im wilden Nationalparkwald bietet.

Stefan Leitner

Das tief eingeschnittene Flusstal der Thaya beeindruckt durch seine Talmäander und Umlaufberge und beherbergt eine enorme Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Hier darf sich die Natur frei entwickeln. Viele seltene Arten, die anderswo längst verschwunden sind, haben hier ein Refugium gefunden. 

Kleiner Nationalpark, große Artenvielalt

In den letzten 20 Jahren haben sich die Populationen einiger Spechtarten deutlich vergrößert, der Wanderfalke brütet wieder hier und seltene Pilzarten wie der Ästige Stachelbart nutzen das reiche Totholzangebot. 

„Obwohl der Nationalpark Thayatal mit 1.360 Hektar der kleinste Nationalpark in Österreich ist, kann er aufgrund seiner hohen Artenvielfalt mit den großen Schutzgebieten in Österreich mithalten",  hebt Bundesministerin Leonore Gewessler die große Bedeutung des kleinen Schutzgebiets zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in Österreich hervor. 57 Prozent aller Säugetierarten, 50 Prozent aller Reptilienarten und 52 Prozent aller Amphibienarten Österreichs kommen in dem Schutzgebiet an der Thaya vor, obwohl dieses nur knapp 0,017 Prozent der Landesfläche Österreichs einnimmt. 

A. Kulowska

Einige Arten, wie das Hohe Perlgras oder die Wegerich-Grasnelke, haben ihr einziges österreichisches Vorkommen im Thayatal bei Hardegg. "Der Nationalpark ist eine Schatzkammer der Natur, die es zu bewahren gilt“, betont Gewessler.

Ranger erwarten die Nationalpark-Wanderer

„Am Nationalfeiertag stehen bei den Aussichtspunkten und an besonderen Plätzen des Nationalparks Ranger bereit, um Besuchern die Natur-Highlights nahe zu bringen und über die Entwicklung in Richtung Wildnis zu informieren“, erläutert Nationalparkdirektor Christian Übl. Erste Anlaufstelle ist das Nationalparkhaus. Hier erhalten Besucher Informationen zu den Wanderrouten und den Einsatzorten der Ranger. Anders als in den letzten Jahren gibt es keinen gemeinsamen Start, die Besucher wählen ihre Route aus und wandern individuell zu ihren Zielen.