Landwirt schikaniert: Tote Ziege als neue Hassaktion?. 37-Jähriger, der vor Jahren alten Bauernhof in Glaubendorf (Gemeinde Heldenberg) im Weinviertel kaufte, erzählt von massiven Schikanen.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 20. Dezember 2017 (05:35)
NÖN, privat
Zaun kaputt. Zoran „Gabriel“ Gajic erzählt von ständiger Zerstörungswut auf seinem Anwesen, die ihn an den Rande der Verzweiflung treibt.

Wird ein Dorfbewohner von Glaubendorf massiv gemobbt, weil er fremd und im Weg ist? Oder weil er homosexuell ist? Eva und Wolfgang Veith, die mit Zoran Gajic befreundet sind, sind jedenfalls überzeugt davon. Bürgermeister Peter Steinbach zweifelt.

Bewusst Prügel vor die Füße? „Alles wird ihm angehängt“

Jüngstes Vorkommnis: Dem 37-Jährigen, der serbische Wurzeln hat, aus Wien stammt, und von allen nur „Gabriel“ gerufen wird, wurde eine tote Ziege neben die Pferdekoppel gelegt.

„Man hat den Eindruck, es werden ihm bewusst Prügel vor die Füße geworfen. Alles wird ihm angehängt“, erzählt Eva Veith, die mit ihrem Mann vor zehn Jahren aus Wien nach Glaubendorf gezogen ist. Was berichtet wird, klingt wie aus einem schlechten Film.

So sei einem Pferd frisches Brot in die Koppel geworfen. Das Tier ging daran ebenso zugrunde, wie zehn Ziegen, denen frisches Heu gegeben wurde. „Es ist wirklich schlimm, es wird immer wieder was reingeschmissen“, nickt Gabriel.

„Wenn ich Tierhaltung aufgebe, habe ich Ruhe“

Er vermutet, dass ihm jemand die tote Ziege hingelegt hat, um ihm schlechte Tierhaltung zu unterstellen. „Dabei hat derjenige wahrscheinlich nicht gewusst, dass ich gar keine Ziegen mehr habe.“

Alle paar Monate müsse er sich neue Zäune kaufen. Die Stromversorgung sei ihm schon gekappt worden. Der Vorgarten, den er hergerichtet hatte, sei ruiniert worden. Wasser sei umgeschüttet worden, um ihm vorzuwerfen, er versorge seine Tiere nicht. Anrainer beschweren sich über seine Katzen und Hunde. Pferde tauchten in der Nachbarortschaft wieder auf. „Sie wurden abgehängt und gehetzt“, ist Gabriel überzeugt.

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Bürgermeister Peter Steinbach ist nicht überzeugt, dass die tote Ziege einegezielte Aktion war. „Dann hätte man das Tier doch hinter den Zaun gelegt.“

Alle Ersparnisse seien mittlerweile draufgegangen. „Eigentlich wollte ich von dem Geld das Haus renovieren.“ Ein Pachtvertrag für eine Weide wurde gekündigt. „Ohne den hätte ich das Geld nie investiert.“ Drei Milchkühe einer seltenen Rasse, für die er lange gespart hatte, musste er wieder verkaufen. „Ich habe geheult.“

„Die Gemeinde sagt, wenn ich die Tierhaltung aufgebe, habe ich Ruhe“, erzählt Gabriel, der hier 2010 einen alten Bauernhof erworben hat, um Landwirtschaft zu betreiben und verschiedene Produkte herzustellen. Aktuell züchtet er Dalmatiner, beherbergt außerdem noch vier Pferde, einen Esel, sechs Schweine und Legehühner. „Ich störe wirklich niemanden, grüße jeden, räume alles weg – und trotzdem bin ich der Buhmann“, ist er verzweifelt.

„Manchmal kommen mir daheim die Tränen“

Der psychische Stress habe sich auf seine Gesundheit ausgewirkt. Eine Freundin und ein Partner, der bei ihm gewohnt haben, haben wieder das Weite gesucht, erzählt der 37-Jährige.

„Es nutzt nichts, wenn wir Gutes sagen oder seine Produkte loben“, schildert Eva Veith. Den Vorgarten habe Gabriel kaufen müssen, weil ihm sonst Parkgebühr verrechnet worden wäre. Parkgebühr im Dorf? Das verweist der Bürgermeister ins Reich der Märchen.

„Manchmal kommen mir daheim die Tränen“, sagt Gabriel, der auch von Mobbing an seinem letzten Arbeitsplatz erzählt. „Du schwule Sau gehörst gesteinigt“ und Ähnliches habe er sich da anhören müssen. Ans Aufgeben denkt er trotzdem nicht: „Mein Traum ist in weite Ferne gerückt. Aber ich rapple mich jedes Mal wieder auf.“

Ortschef weiß von Beschwerden, begrüßt Anzeige

Peter Steinbach weiß von Beschwerden, doch in den letzten ein bis zwei Jahren sei seines Wissens nichts vorgefallen. Dass Gajic den Vorfall mit der Ziege angezeigt hat, sei gut gewesen. „Egal, wem das Tier gehört hat, das ist ja kein Spaß.“

Die Markierung am Ohr der Ziege konnte übrigens nicht zugeordnet werden, wie die NÖN von der Polizei erfuhr. Es habe sich um keine registrierte Nummer gehandelt.

Fakt sei, so Steinbach, dass bei Gajic‘ Anwesen nicht alles in Ordnung ist, der Betrieb teilweise nicht geführt wird, wie es sein sollte. „Das ist ihm schwer zu erklären. Oft kommt er mit Ausreden. Dass ihn Nachbarn nicht lieben, kann ich mir vorstellen. Es schaut teilweise fürchterlich aus. Alles andere kann ich nicht bestätigen.“

Er wolle sich auf keine Seite schlagen, so Steinbach, wisse aber, dass sich Gajic oft benachteiligt fühlt. „Den Vorfall mit der Ziege hätte ich jetzt aber nicht auf ihn bezogen.“