Sendlhofer-Buch: 500 Seiten nach 10 Jahren Recherche. Walter Sendlhofer recherchierte ein Jahrzehnt, um alles über Kupferstecher Ferdinand Schirnböck ans Licht zu bringen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 08. September 2018 (07:07)
Walter Sendlhofer verbrachte zwölf Jahre mit der Recherche über Ferdinand Schirnböck.
privat

„Von der Idee bis zum fertigen Buch hat es zwölf Jahre gedauert“, erzählt Walter Sendl-hofer von seinem Werk, das am 10. September erscheint. Der Großstelzendorfer ist Obmann des Hollabrunner Briefmarkensammelvereins (BSV) und verfasste ein Buch über Ferdinand Schirnböck, den vergessenen Weltmeister aus Hollabrunn, wie der Titel lautet.

Schirnböck gilt als Großmeister des Kupferstichs, der einer Familie von Bindermeistern entstammt. Seine Stiche sind auf Briefmarken, wie auch auf Geldscheinen zu finden.

Als 2005 am Heldenberg die Landesausstellung über die Bühne ging, richtete der BSV ein Sonderpostamt ein. Schirnböck, dessen Todestag sich 2005 zum 75. Mal jährte, war Mitglied des Hagenbunds. Bilder dieser Vereinigung von bildenden Künstlern wurden während der Landesausstellung präsentiert.

„Dabei ist mir ein Brief von ihm in die Hände gefallen. Schirnböck hat einer Künstlerin zu ihrem 80. Geburtstag gratuliert, aber keinen Namen genannt“, erzählt Sendlhofer, der herausfand, dass es sich bei der Künstlerin um Marie von Ebner-Eschenbach handelte.

„Zuerst war auch nur eine 60-seitige Broschüre geplant“

So wurde Sendlhofers Interesse an dem Oberhollabrunner geweckt. „In der Literatur gab es aber nur eine halbe A4-Seite über ihn“, erklärt der Großstelzendorfer, warum sich die Entstehung des Buches über ein Jahrzehnt hinzog. „Zuerst war auch nur eine 60-seitige Broschüre geplant. Jetzt ist es ein Buch mit 516 Seiten.“

Und diese Seiten sind gefüllt mit Informationen aus der ganzen Welt, denn Schirnböck hatte Arbeitsplätze auf dem gesamten Globus. Seine ersten trat er 1887 in Buenos Aires an, wo er seine ersten Briefmarken und Banknoten entwarf. „Er hat für über 25 Staaten – damals noch Monarchien – gearbeitet. Von Albanien bis in den Vatikan, von Argentinien bis Siam“, weiß Sendlhofer heute über den Künstler.

Der Grundstock für das Buch stammt aus einem Museum in Buenos Aires, erzählt der Autor im NÖN-Gespräch. Im Laufe der Jahre stellte er Anfragen an alle Länder, wo Schirnböck gearbeitet hatte, ob auch sie Material über den Künstler zur Verfügung stellen können. „Ich hab‘ durchaus auch Diplomaten eingespannt“, lacht Sendlhofer. Schirnböck kehrte auch wieder nach Österreich zurück. Nach einem Auftrag für den russischen Zar Nikolaus begann seine große Zeit bei der österreichisch-ungarischen Bank sowie in der Saatsdruckerei Wien.

Teresa Hausgnost, Künstlerin und Ehrenmitglied des Briefmarkensammelvereins, gestaltete das Cover der Monographie über Ferdinand Schirnböck.
NOEN

Dem BSV-Obmann gelang es, das Leben des Hollabrunner Ehrenbürgers zu rekonstruieren. Auch die Familienchronik arbeitete Sendlhofer akribisch auf. Erstmals wurde die Familie 1683 in Österreich erwähnt. Die Bindermeister-Familie kam von Oberbayern nach Sierndorf und auch nach Untergrub. Sendlhofer fand heraus, dass Schirnböck Briefmarken und Banknoten für das Deutsche Reich angefertigt hatte. „Das wusste niemand, wir haben Abzüge in seinem Nachlass gefunden.“

„Ferdinand Schirnböck war eine hochrangige Persönlichkeit im Kunstbereich, er hat seine Lehrer übertroffen, das zeigen seine Stiche“, ist der Autor beeindruckt von den Werken des Künstlers, von denen einige im Buch abgebildet sind. „Bei manchen kann man gar nicht glauben, dass es sich nicht um Fotografien handelt“, spricht er die feine Arbeit der Kupferstiche an.

Nach einem Jahrzehnt Recherche („Ich war zwei Tage in der Nationalbank und habe Schriftverkehr ausgehoben.“), wurde in den vergangenen beiden Jahren, das Werk erstellt.

In den Philatelie-Kreisen ist das Buch bereits jetzt heiß begehrt. So freut sich Walter Sendlhofer nicht nur über einige Vorbestellungen – es kann über den Briefmarkenverein bezogen werden –, sondern auch über das Angebot eines kanadischen Journalisten, der den 516-Seiten-Wälzer ins Englische übersetzen möchte.

Der Autor will sein Werk in einigen Wochen präsentieren: „Wir haben den 26. Oktober, also den Staatsfeiertag, dafür angedacht“, erzählt Sendlhofer, dass die Präsentation noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Ferdinand Schirnböck wurde am 27. August 1859 in Oberhollabrunn geboren. Er entstammt einer Fassbinderfamilie. Der Künstler starb am 16. September 1930 im Beamtenspital in Wien.