Bis zu 70 Schüler weniger im Bezirk Hollabrunn?. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Belinda Krottendorfer und Elisabeth Hess. Erstellt am 14. April 2021 (04:56)

Für die Musikschulen ist die derzeitige Situation ein Trauerspiel: Direkte Kommunikation, die essenziell ist, ist mit derjenigen des Online-Unterrichts nicht vergleichbar. Gerhard Forman, Leiter des Retzer Musikschulverbandes, seufzt: „Der Grund, warum man musiziert, wird momentan nicht erfüllt.“

Wenn gerade kein Lockdown ist, darf der Einzelunterricht stattfinden; Ensemble- und Orchesterproben sind aber nicht möglich: „Doch deshalb lernen die Schüler ein Instrument – sie wollen beim gemeinsamen Musizieren mit ihren Freunden einfach Spaß haben.“ Allein vorm Bildschirm zu musizieren führe hingegen zu Lustlosigkeit, weiß Forman von Eltern.

Generell bereiten ihm Abmeldungen Sorgen: 20 waren es im vergangenen Schuljahr. Heuer rechnet er mit 50 bis 70 Schülern weniger.

Schwierig gestalte sich auch das „elementare Musizieren“, das früher die Bezeichnung „Musikalische Früherziehung“ hatte: Hier bietet die Musikschule Retz „Eltern-Kind-Gruppen“ im sogenannten Musikgarten an, wo schon eineinhalb Jahre alte Kinder unterrichtet werden. Doch nun? „Die Kleinkinder sind unsere größten Sorgenkinder“, meint der Retzer Direktor dazu. Er hofft auf eine baldige Öffnung und wäre vorbereitet: „Wir werden eine höhere Testverpflichtung als in den Schulen verlangen, es soll aber in einem umsetzbaren Rahmen bleiben.“ Blasmusiker, die klarerweise keine FFP2-Maske tragen, müssen drei Meter Abstand einhalten.

Aus der Musikschule Hollabrunn berichtet Direktor Martin Haslinger, dass sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht wesentlich mehr Schüler vom Musikunterricht abgemeldet. „Wir hätten mit mehr gerechnet“, sagt er. Die Neuanmeldungen stocken allerdings. Wie bereits letztes Jahr kann es keinen Tag der offenen Tür und keine Besuche in Kindergärten und Volksschulen geben.

Weiters wurde das Angebot gemacht, den Musikschulbeitrag rückzuerstatten, wenn Online-Unterricht aus irgendeinem Grund nicht möglich ist. Dieses Angebot sei jedoch nur im einstelligen Bereich in Anspruch genommen worden, verrät Haslinger. Dass die fehlenden Auftrittsmöglichkeiten die Motivation mindern, bemerkt auch er. „Unser letztes Konzert war im Herbst, das ist sich gerade noch ausgegangen mit allen Corona-Sicherheitsmaßnahmen“, erinnert sich der Direktor.

„Großes Kompliment an die Eltern“

Ist es Schülern unangenehm, vor der Kamera zu spielen, können sie auch nur ihre Musik an den Lehrer übermitteln. Teilweise seien durch das Aufnehmen durchaus Leistungssteigerungen zu bemerken, schildert Haslinger: „Die Schüler erkennen Fehler und nehmen das Stück noch einmal auf. Sie sitzen somit länger daran als sonst.“ Was den Lehrern freilich nicht möglich ist, ist das Stimmen der Instrumente. „Es ist unglaublich, was die Eltern dieses Jahr dazugelernt haben. Großes Kompliment!“

Lehrerin Angelika Hörmann konzentriert ich im Blockflöten-Unterricht online unter anderem auf interaktive Improvisationsübungen, bei denen die Schüler Melodien erfinden. „Im ersten Lockdown waren die Kinder noch sehr motiviert; alles war neu und spannend. Jetzt, nach so langer Zeit, gehen Motivation und Energie aus“, erzählt sie. Mit Zoom-Videos hält sie die Interaktion aufrecht.

Thomas Winalek, Lehrer für tiefes Blech, merkt, dass beim Online-Unterricht der Sound verfälscht sei. Somit schleichen sich Fehler ein, die man schlecht wieder korrigieren könne. „Es geht nur um die Freude am Spielen“, erklärt der Lehrer. Digitaler Unterricht sei für beide Seiten anstrengend.

Patrick Rapp, Lehrer für hohes Blech, findet das Durchhaltevermögen der Schüler erstaunlich. Das liege auch daran, dass andere Freizeitaktivitäten eingeschränkt sind. „Ich habe einige Fußballspieler als Schüler, die derzeit mehr als sonst am Instrument üben.“ Die zwischenmenschliche Komponente fehle aber auch aus seiner Sicht sehr.

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