Nordwestbahn-Ausbau: SPÖ tritt auf Euphorie-Bremse. Nachdem der Hollabrunner Grünen-Landtagsabgeordnete Georg Ecker über einen konkreten Planungsauftrag für einen selektiven zweigleisigen Ausbau der Nordwestbahn jubelte und von einem Meilenstein für leidgeplagte Pendler im Bezirk Hollabrunn sprach, meldete sich nun auch die SPÖ zum ÖBB-Rahmenplan 2021-2026 zu Wort. Allerdings wesentlich verhaltener. Ecker unterstreicht: "Der Ausbau kommt!"

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 15. Oktober 2020 (14:20)
Sehen noch keinen großen Wurf für den zweigleisigen Nordwestbahn-Ausbau: Richard Pregler und Melanie Erasim.
SPÖ

Hollabrunns SPÖ-Bezirksvorsitzender Richard Pregler, sein Mistelbacher Pendant Melanie Erasim sowie Nationalratsabgeordneter Rudolf Silvan treten auf die Euphorie-Bremse. Denn im ÖBB-Rahmenplan sei kein echtes Bekenntnis zum zweigleisigen Ausbau zu finden, "lediglich die Planung und der Bau von Bahnsteigverlängerungen sind eingetaktet". 

„Es schaut so aus, dass laut dem vorliegenden ÖBB-Rahmenplan in den nächsten fünf Jahren kein einziger Zentimeter zweites Gleis verlegt wird! Der Ausbau der Bahnsteige bzw. die Verlängerung von Bahnsteigen, wo es möglich ist, ist gut und sinnvoll, den großen Wurf sehe ich aber noch nicht", sagt Silvan. Die ehemalige Weinviertler Nationalratsabgeordnete Melanie Erasim, ebenfalls eine Kämpferin für den zweigleisigen Nordwestbahn-Ausbau zwischen Stockerau und Retz, findet Eckers Jubel ebenfalls verfrüht: „Natürlich hoffen wir alle, dass das zweite Gleis bald kommt, Licht am Ende des Tunnels kann ich allerdings noch keines sehen."

"Frust könnte noch größer werden"

Er verstehe, dass Ecker ob der grünen Regierungsbeteiligung im Bezirk unter Druck steht, sagt Pregler. "Die Pendler erwarten den zumindest teilweisen zweigleisigen Ausbau der Nordwestbahn ja schon seit langer Zeit mit großer Sehnsucht." Der rote Bezirkschef warnt allerdings davor, mit falschen Versprechungen Hoffnungen zu machen: „Denn dann, wenn die Ernüchterung eintritt, könnte der Frust und die Enttäuschung unter den Pendler im Bezirk noch ein Stück größer werden."

Georg Ecker unterstreicht auf NÖN-Nachfrage jedoch, dass es sich hier um einen Meilenstein handle. Die Planung und deren Finanzierung seien in den sogenannten "Netzerfordernissen" enthalten. "Dazu werden in Kürze auch noch Details präsentiert." Es sei ein ganz entscheidender Schritt, weil erstmals Geld in die Hand genommen wird. "Und das wurde vom Ministerrat abgesegnet. Das ist keine Kleinigkeit!"

"Mir wär's auch am liebsten, wir würden schon über Ausbau reden. Hätten wir vor zehn Jahren den Planungsauftrag gehabt, würden wir heute schon auf zwei Gleisen fahren", sagt Ecker. Derartige Projekte würden nun einmal mehrere Jahre in Anspruch nehmen. "Aber dass der Ausbau kommt, davon bin ich jetzt überzeugt!"

Fix: Parkdeck für Bahnhof Hollabrunn 

SPÖ-Gemeinderat Erich Wally berichtet indes über einen fixen Beschluss in der jüngsten ÖBB-Aufsichtsratssitzung zum Ausbau der Park & Ride-Anlage am Hollabrunner Bahnhof. Rund 10,4 Millionen Euro wird die ÖBB in dieses Deck investieren, das 711 Pkw-Stellplätze umfasst. Die Inbetriebnahme ist für April 2022 geplant.

Wally zeigt sich besonders erfreut, dass die ÖBB in Zeiten des Klimawandels auch zusätzlichen Platz für Fahrräder schaffen wird: „Konkret sollen 166 zusätzliche Fahrradabstellplätze am Bahnhofsvorplatz und 24 überdachte Fahrradabstellplätze in der neuen Park & Ride-Anlage geschaffen werden, aus Sicht der Hollabrunner SPÖ-Stadtpartei ein wichtiges Signal“, betont er.

Damit der Bau nicht zur Belastungsprobe für die Anrainer wird, müsse allerdings auch noch die Stadtgemeinde ihre Hausaufgaben erledigen, betont Wally, SPÖ-Ansprechpartner im Infrastrukturbereich. "Denn während der Bauphase bis zur Inbetriebnahme verliert man rund um das Bahnhofareal rund 200 Parkplätze", warnt der SPÖ-Mandatar. Ebenfalls zu klären sei, ob sich auch umliegende Gemeinden an der Erhaltung der Park & Ride-Anlage beteiligen werden.

"Viele Umsteiger nur mit 1-2-3-Ticket"

„Nicht nur für die Stadtgemeinde Hollabrunn, sondern auch für viele Bürger aus dem ganzen Bezirk ist dies ein tolles Angebot“, freut sich auch Pregler aufs Parkdeck und hofft zudem "auf die rasche Einführung des von der SPÖ vorgeschlagenen 1-2-3-Tickets. Denn nur dann werden möglichst viele Pendler den Umstieg vom privaten Pkw auf die Bahn vollziehen.“

Hier gebe es allerdings noch Klärungsbedarf innerhalb der Regierungsfraktionen – "während Grünen-Verkehrsministerin Leonore Gewessler das 1-2-3-Ticket, wie von der SPÖ gefordert, 2021 einführen will, ist für ÖVP-Landesrat Schleritzko eine rasche Einführung dieses Tickets aus Kostengründen nicht denkbar", sieht Pregler hier verhärtete Fronten.