Neue Ideen gefragt: "Weinstart" in eigenen vier Wänden. Die Winzer müssen kreativ werden, um ihre Produkte in Krisenzeiten zu vermarkten. Wie das die Winzer der Gemeinde Nappersdorf-Kammersdorf tun und warum manche jetzt mehr Arbeit zu bewältigen haben, erzählen die Winzer im NÖN-Gespräch.

Von Sandra Frank. Erstellt am 23. März 2020 (12:33)

Beim traditionellen „Weinstart“ im Dorfzentrum von Kleinweikersdorf wollten zwölf Winzer den neuen Jahrgang präsentieren. Das Coronavirus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Doch die Weinbauern sind kreativ und haben ein Starterpaket kreiert, das zwölf Produkte beinhaltet und nachhause geliefert wird. „Um den Weinstart in den eigenen vier Wänden zu erleben“, erklärt Winzerin Anita Thürmer. Zur Freude der Winzer-Gruppe wird dieses Angebot – es kann unter 0664-2768371 bestellt werden – sehr gut angenommen.  

Trost der Winzer: Weine sind lange haltbar

Die Kleinweikersdorferin ortet durch die Absagen der Weinpräsentationen „in erster Linie ein starkes Minus beim Weinverkauf“. Dem stimmt Heidi Haselberger zu. Die Jungweine sind gefüllt und sind, wie die restliche Ware, fertig zum Verkauf. Auf dem Weg zu Präsentationen wurden stets auch Kunden angefahren und Weine ausgeliefert. Das fällt nun weg. In den nächsten Wochen sei es nicht möglich, neue Kunden und Abnehmer zu finden. „Der einzige Trost bei unseren Produkten“, so die Nappersdorfer Winzerin, „ist, dass sie sehr lange haltbar sind.“

Dass die Gastronomie wegbricht, bedeutet für die Weingüter natürlich einen Geschäftsentgang, wie Winzerin Doris Raith bestätigt. Thürmer ergänzt: „Auch hier werden wir ein spürbares Minus verzeichnen, wie auch schon beim Inkrafttreten des Rauchverbots.“ „Der Getränkeumsatz ist derzeit Null“, findet Haselberger klare Worte. Hier sei es von Vorteil, wenn ein Weingut breiter aufgestellt sei und neben Gastro- auch Privatkunden in seinem Portfolio hat.

Arbeit im Weingarten geht weiter

Langeweile kommt trotz der Ausgangsbeschränkung bei den Winzern nicht auf: „Die Arbeiten bleiben gleich“, sagt Thürmer. Der Rebschnitt sei im Weingarten abgeschlossen. Aktuell werden Reben angebunden, junge Reben nachgepflanzt, kaputte Pflöcke werden ersetzt. 

Und im Weinkeller? Da gehe es jetzt um die Pflege der Weine in den Fässern, um Vor- und Endfiltration in die Flaschen. „Alle diese Arbeiten müssen trotz Umsatzeinbußen verrichtet werden, da die Natur sowie die Jahreszeit weiter voranschreiten“, sagt Haselberger.

"Wir haben mehr Arbeit als sonst"

Doris Raith hofft, dass die Krisensituation die Konsumenten zu umdenken bringt und sie heimische Produkte und Landwirtschaft künftig wieder mehr zu schätzen wissen. Die Winzerin sieht ihren Betrieb mit Mehrarbeit in Krisenzeiten konfrontiert. Warum? „Die Fremdarbeitskräfte, wie auch Pensionisten, die aushelfen, fehlen derzeit. Darum haben wir jetzt mehr Arbeit als sonst. Zusätzlich müssen wir unsere Kinder schulisch betreuen.“

Die Absage von Veranstaltungen und Auslieferungen habe den Winzern mehr Arbeits- bzw. Freizeit gebracht. „Das ist für uns genauso neu wie für jeden Betroffenen“, merkt Haselberger an. Und: „Ein guter Unternehmer hat schon jetzt viele Gedanken im Kopf, um nach dem Crash für einen schnellen Neustart bereit zu sein.“ Außerdem könne man jetzt Ordnung in sein Betriebsgebäude bringe, „was innere Ruhe und persönliche Zufriedenheit bringen wird“, ist die Winzerin überzeugt.