Nationalpark ruft zu weltweiter Challenge auf. Der Nationalpark Thayatal-Podyjí gilt als besonders vielfältiges grenzüberschreitendes Schutzgebiet. In dessen Herzen liegt mit Hardegg die kleinste Stadt Österreichs. Hier findet nun im globalen Rahmen zum ersten Mal eine „Community Science“-basierte Erhebung der Vielfalt statt. „Die Teilnehmer leisten damit einen bedeutenden Beitrag zur Erfassung der Arten unseres grenzüberschreitenden Schutzgebietes“, freut sich Nationalparkdirektor Christian Übl über die Beteiligung an der „City Nature Challenge“ (CNC).

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 25. April 2021 (19:19)

Community-Science-Initiativen bieten eine sichere Möglichkeit, Menschen während der Pandemie mit der Natur und untereinander in Verbindung zu bringen – und werden immer beliebter. So wird die mittlerweile sechste jährliche „City Nature Challenge“ in diesem Jahr auf mehr als 450 Städte auf sechs Kontinenten ausgedehnt. In Österreich nehmen an diesem freundschaftlichen Wettbewerb der Biodiversität zehn Städte und Gebiete teil, darunter die kleine Grenzstadt Hardegg mit dem Internationalpark Thayatal-Podyjí.

Fotos hochladen von 30. April bis 3. Mai!

Die globale Veranstaltung, die von der kalifornischen Akademie der Wissenschaften in San Francisco und dem Naturkundemuseum des Los Angeles County gemeinsam organisiert wird, lädt vom 30. April um 00.01 Uhr bis 3. Mai um 23:59 Uhr Wissenschaftler, Natur- und Wissenschaftsfans sowie alle interessierten Menschen auf, Wildpflanzen, Tiere und Pilze zu beobachten und zu melden. Von 4. bis 9. Mai werden die Beobachtungen dann via Crowdsourcing identifiziert.

„In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, wenn man nur genau genug schaut und sich vielleicht auch die Zeit dafür nimmt“ sagt Christoph Milek, Mitarbeiter des Nationalparks Thayatal. Eine wunderbare Möglichkeit, die Natur und ihre Artenvielfalt zu untersuchen, bestehe darin, Wissenschaftler und die lokale Bevölkerung durch „Community Science“ miteinander zu verbinden. Da sich die globale menschliche Bevölkerung zunehmend auf Städte konzentriert, sei es wichtiger denn je, die biologische Vielfalt der urbanen Räume zu dokumentieren und die Zukunft von Pflanzen und Wildtieren auch abseits von Schutzgebieten zu sichern. 

Auf der Suche nach Unbekanntem und Raritäten

Große Datenpools, die von Meldeplattformen wie iNaturalist, Naturkundemuseen und Wissenschaftsorganisationen erstellt wurden und werden, helfen Führungskräften, fundierte Entscheidungen zu treffen, die es sowohl menschlichen als auch natürlichen Gemeinschaften ermöglichen, zu gedeihen und sich zu entwickeln.

Nach dem Start der allerersten „City Nature Challenge“, welche als Wettbewerb zwischen San Francisco und Los Angeles im Jahr 2016 konzipiert war, stellte sich bald der enorme Vorteil eines solchen Formats heraus: Über die Jahre konnten unglaubliche Datenmengen zusammen erhoben werden und erstaunlich viele Arten neu oder wieder entdeckt werden, die vielleicht sonst verborgen geblieben wären. So hat sich die Anzahl der Beobachtungen von knappen 20.000 im Jahr 2016 auf mehr als 800.000 im Jahr 2020 vervielfacht. Während der City Nature Challenge 2020 wurden über 1.300 gefährdete, endemische oder kaum bekannte registriert.

Hardegg und der Internationalpark Thayatal-Podyjí mit seiner jetzt schon zum Teil bekannten und nichtsdestoweniger erstaunlichen Vielfalt werden sich nun also erstmalig an diesem „Bioblitz“ beteiligen und so einerseits zur Kartierung der Biodiversität Österreichs beitragen und andererseits den Menschen die Möglichkeit geben, die Natur zu erleben und dabei etwas zu lernen.

 „Dieses Community-Science-Projekt fördert die Begeisterung für die Natur und ihre Vielfalt, aber auch für ihre Verletzlichkeit und die Notwendigkeit, den Organismen Raum und Ruhe zur Verfügung zu stellen, damit wir auch in Zukunft intakte, funktionierende und schöne Landschaften vorfinden“, betont Milek. Und auch, wenn heuer keine Begleitveranstaltungen oder geführten Touren möglich sind, ortet der Biologe gerade jetzt großes Potenzial für den Wettbewerb, „weil gerade in Zeiten von Lockdowns und dem Hereinbrechen der eigenen vier Wände der Drang, nach draußen zu kommen und mehr in der Natur zu sein, sehr groß zu sein scheint“.

  • Weitere Teilnehmer in Österreich: Wien, Linz, Graz, Klagenfurt, St. Pölten, Waidhofen a.d. Ybbs, Krems, Illmitz, Mondsee-Irrsee.
  • Die Teilnahme ist ganz einfach: Finden Sie im Raum Hardegg und Nationalpark Thayatal-Podyjí wilde Pflanzen, Tiere, Pilze oder einen anderen Lebensnachweis, wie zum Beispiel Kot, Fell, Spuren, Schalen oder Kadaver.
  •  Machen Sie von 30.4. bis 3.5. 2021 Fotos davon und laden Sie diese auf die Plattform iNaturalist.
  • Lernen Sie etwas dazu, wenn Ihre Beobachtungen identifiziert werden.
  • Sicherer Umgang mit der Natur: Betreten Sie keine naturschutzrechtlich geschützten Flächen; beobachten Sie die Tiere, aber stören Sie sie nicht; viele Arten sind geschützt, kein Sammeln von solchen Tieren, Pflanzen und Pilzen; hinterlassen Sie die Natur so, wie Sie sie vorgefunden haben und nehmen Sie etwaigen Müll wieder mit nach Hause.

https://www.biodiversityaustria.at/service/cnc2021/
https://www.inaturalist.org/projects/city-nature-challenge-2021-hardegg